Donnerstag, 26. Mai 2011

Meenz bleibt Meenz (Glosse)

Was würden wohl die Mainzer sagen, wenn das Orga-Team den Traditionsvereinen die Teilnahme am Rosenmontagszug verböte, weil sie als nicht mehr zeitgemäße Militärparodie den modernen Narren nicht mehr verständlich und somit unzumutbar wären. Sie sollten doch bitte demnächst bei der Guggamusik in Bern oder Rottweil nachfragen, ob sie da vielleicht mitmarschieren dürfen. Dort wäre der Karneval ja auch seit Jahrhunderten reformunfähig, wie sich ja schon an den getragenen Masken zeigt.
So etwas ist eigentlich undenkbar. Abgesehen von dem Einfluß der großen Gesellschaften, etc.: Solche Forderungen würden mit Hohn und Gelächter überzogen. Dem "Reformer" würde man vielleicht freundlich sagen. "Du hast da was nicht ganz richtig verstanden!", nähme ihn vielleicht freundlich beiseite und würde ihm noch einmal einen kleinen Grundkurs über den organisierten rheinischen Frohsinn anbieten. Stellen wir uns aber nur für einen Moment die verheerenden Folgen vor? Was wäre der Karneval am Rhein ohne seine vielen Traditionskorps, Spielmannszügen und Blaskapellen?
Langweiliges Trulala mit müden politischen Späßchen ohne ein wenig Glanz und Tschingderassabum, Ein müder, spießiger Umzug von klümpchenwerfenden Saisoncomedians!
Nach kurzer Zeit dürfte hier die Nachwuchsfrage in den Vereinen erledigt sein. Wer es richtig rocken lassen will, der fährt dann lieber nach Wacken oder (falls man an so etwas Freude hat) wartet auf den CSD in Köln.

Die Vereine am Rhein machen auch ihre Fehler, aber so verrückt sind sie nicht. Sie verbinden in großer Gelassenheit - manchmal auch mit Krach und Knatsch - alt und neu, alt und jung.
Der rheinische Karneval entläßt die jungen Wilden auf die Weide zum Spielen. Entweder man kann sich dann nach ein paar Jahren freundlich begegnen, dann passieren die unglaublichsten Sachen und alle haben Spaß oder man geht sich weiter aus dem Weg und macht "sich selber Spaß". Die einen gehen dann auch mal zu den Veranstaltugen des Festkomitees und bringen den Saal zum Kochen, wie die Bläck Fööß seinerzeit oder heute die Brings, die anderen machen halt seit fast dreißig Jahren Alternativkarneval und haben sich so fest etabliert.

Was im Karneval undenkbar wäre, ist kirchlicher Alltag.
Nun, wie komme ich darauf? Natürlich aus einem aktuellen Anlaß!

Es gibt Bischöfe, die gehen schon mal als Narr in die Bütt und reden dort über ihre Liebe zu ihren Schafen.
So heißt es in einer "Ritterrede" eines Aachener Ordensritters:

"Die ganze Herde, ohne Faxen,
ist dennoch mir ans Herz gewachsen.
Ein guter Hirte, Gott behüt',
der macht doch keinen Unterschied
woher sie kommen, wer sie sind
und was ein Schäfchen so empfind'.
Im Saal hier alle Schafe zähl' i(s)ch:
Fünfzig Prozent sind evangelisch."

Naja, da drückt man dann im Karneval als Ordensritter schon mal nen Auge zu!
Aber wäät Äschermittwoch! Am Aschermittwoch, ist dann alles vorbei und eine Büttenrede ist halt nur eine Büttenrede!

Bei einer Firmung im gregorianischen Ritus ist offensichtlich Schluß mit lustig! Da gibt es nur noch den Hinweis auf die Fahrplanauskunft der Deutschen Bahn. Dann heißt es nicht "Drink doch eine mit!" und "Jeder Jeck ist anders!" sondern schlicht "Gute Fahrt nach Rottweil!"

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