Dienstag, 3. Mai 2011

Edelblogger braucht das Land! Sicher?

Wie bei Credo ut intelligam zu lesen war, hat sich Prof. Dr. iur. (sic!) Heribert Prantl auf einem Weblog unter dem Titel "Autorität kommt von Autor und Qualität kommt von Qual" zur Zukunft des Journalismus geäußert. In den Zeiten der Internetmedien sieht er den gelernten Journalisten als eine Art "Edelblogger", der sich mehr und mehr von seinem alten Schreibmedium Papier verabschiedet.

Nun mag es ja durchaus sein, daß der gelernte und studierte Journalist durchaus zu sprachlichen Höhenflügen in der Lage ist, die der "Otto-Normalblogger" nur aus dem Tal der radebrechenden Satzgebilde mit Ehrfurcht verfolgen kann. Es gibt so manchen Journalisten, den ich für seine Wortgewalt und Sprachkraft bewundere. Viele von ihnen sind jedoch aus nachvollziehbaren biologischen Gründen seit geraumer Zeit an der Ausübung ihrer Profession gehindert.

Mit weniger Ehrfurcht, dafür aber mit mehr Trauer und Verärgerung verfolge ich seit einigen Jahren den Qualitätsverlust unserer Zeitungen im Lande. Schlecht recherchierte Sachverhalte werden zugunsten einer guten Geschichte aufgebauscht. Das Sprachniveau in den Redaktionen der Lokalzeitungen ist auffallend schlecht. Die "Newsdesks", die Kündigung der dpa-Abos (siehe WAZ-Gruppe), die Kündigung vieler Mitarbeiter und nicht zuletzt die Rechtscheib"deform" haben jeweils ihr Scherflein dazu beigetragen.
Die Beschaffenheit (lat. Qualitas) der dabei entstehenden Artikel ist für den Liebhaber dieses doch so unzeitgemäßen Informationsmediums häufig eine Qual, gerade weil man ihnen anmerkt, wie sehr die Redakteure sich mit den Themen (häufig vergebens) gequält haben.

Der Bereich der kirchlichen Berichterstattung ist dafür ein Paradigma. Mangelnde Recherche, gepaart mit spürbarer Voreingenommenheit, Zeitdruck, mangelndem Fachwissen und fehlender "journalistischer Spürnase" und schließlich die Schnibbelarbeit am Newsdesk führen zu den immer gleichen, schlichten Klischees. Es erinnert an die Romane einer Hedwig Courths-Mahler oder die immer erbaulichen Geschichten aus dem "Hochland", wenn neben armen Hexen, dem "Stellvertreter", Mißbrauch, Zölibat und die üblichen Küngeleien herbeigeschrieben werden. Selbst simpelste Begriffe scheinen nicht mehr bekannt zu sein und der Gebrauch von Lexika in gedruckter oder "verstromter" Form scheint aus der Mode gekommen zu sein. Ist es der Zeitdruck oder gar schlicht mangelnde Bildung die dazu führen, daß Journalisten nicht mehr den Unterschied zwischen dem Vikariat und einem Generalvikariat kennen?
Oder warum sonst interviewt man einen lutherischen Generalsuperintendenten (vulgo: Bischof)zur Seligsprechnung? Waren seine Eminenz Reinhard Card. Marx mal nicht für die Presse zu sprechen? Warum hat eigentlich keiner den Kölner Erzbischof gefragt, als Käßmann,...?

Braucht die Gemeinschaft der Blogger insbesondere die Blogozese der katholischen Blogger diese Form der Veredelung? Wohl kaum!

Vielmehr bräuchte so manche Redaktion der Printmedien -egal ob regional oder überregional- das Fachwissen, den Humor, die Freude an einem gut recherchierten Beitrag, etc. pp, die sich in den meisten Blogeinträgen finden läßt.
Außerdem gibt es sie längst, die "Edlen", die JournalistInnen zwischen den "Hobbykolumnisten". Was uns trennt, sind die unterscheidlich ausgeprägten Gaben und Möglichkeiten. Was uns vereint, ist die Freude am Schreiben. Alle sind Herzblut und Überzeugung bei der Sache.
Oder geht es hier mehr um das Parteibuch? Passt Herrn Prof. Dr. iur (sic!) Prantl das Nebeneinander unterschiedlichster Anschauungen nicht, bei der die Deutungshoheit nicht mehr in den Händen einer mehrheitlich, linken, gemainstreamten und durchgegenderten Presse liegt?
Mag sein oder auch nicht! Festzuhalten bleibt:
Was es hier jedoch nicht gibt, sind die Chefredakteure, die entscheiden, was veröffentlicht wird, wieviele Zeilen der Text dann haben darf und was nicht gedruckt wird. Es gibt keine Hackordnung. Hier zählt nicht ob jemand im Ruche steht, ein Edelschreiber zu sein. Hier gibt es auch keine wirtschaftlichen Interessen. Hier bestimmt nicht die Auflage oder der Geldgeber im Hintergrund die Marschrichtung und auch nicht die Zielgruppe der Leser. Um es mit einem der ganz großen Rhetoren unserer Berliner Republik zu sagen: Entscheidend ist, was am Ende rauskommt!
Der Applaus ist nachgeordnet und für manchen Artikel gilt eher Davilás Satz (sinngemäß wiedergegeben): Wenn auch nur einer Beifall spendet, habe ich etwas falsch gemacht!
Ich muß am Ende zufrieden sein, wenn der Beitrag ins Netz geht. Ich verantworte allein die Beiträge vor der Welt und vor Gott!

Gott bewahre uns vor den vermeintlichen Segnungen des realexistierenden Qualitätsjournalismus der Medienkonzerne!

Er gebe uns seinen Segen und den Beistand seines Heiligen Geistes, wenn wir die Möglichkeiten Meinungs- und Redefreiheit nutzen, in der Freiheit der Kinder Gottes, im Gehorsam gegen seine Gebote und die Gebote der Kirche!

Es wird zeit, daß sich die Printmedien gründlich reformieren und zu den Grundsätzen ihrer Arbeit zurückkehren, aus der angebliche Schwäche des langsamen Druckmediums wieder eine Stärke machen. Denn für eine gute Zeitung fahre ich gerne bis zum nächsten großen Bahnhof mit internationalem Pressekiosk, genauso wie ich für eine recte rite gefeierte Messe manchen Kilometer am Sonntag mache!

Kommentare:

Braut des Lammes hat gesagt…

Hmm… wie kann ich jetzt für diesen (auch sprachlich) guten und flotten Beitrag danken, ohne Beifall zu spenden…? ;)

Johannes hat gesagt…

Den Journalisten als Edelblogger zu bezeichnen... tsstss
Sollte man da nicht mal die Doktorarbeit des Zitierten überprüfen?
;)

mary hat gesagt…

Schlagzeile in der Kronenzeitung (meistgelesene Zeitung Österreichs)am Sonntag vor einer Woche:

Beinamputierter auf freiem Fuß!

Ich fürchte, es war nicht Absicht....

Laurentius Rhenanius hat gesagt…

@ Braut des Lammes:
Danke für dieses dezente Blumenbouquet.
Lasse uns dafür beten, daß uns in den geistigen Kämpfen die Federn nicht stumpf werden und den Blick für das rechte Maß nicht verlieren.

@ Johannes:
kein Kommentar! ;-)

@ Mary:
Selten so gelacht! Wird die Kronenzeitung immer noch in den Plastilsäcken mit Sammeldose feilgeboten? Es ist so eine nette Erinnerung an meine Kindheit und die Sommerferien in Tirol.
Die Kronenzeitung gehört doch auch zur WAZ-Gruppe oder?

mary hat gesagt…

Die WAZ Gruppe hält 50 % Anteile soweit ich weiß,den Rest immer noch die Verlegerfamilie Dichand.

Die Sonntagskrone gibts unverändert im Ständer mit Plastiksack und Sammeldose, die jetzt eben mit 1 Cent Stücken statt 10 Groschen befüllt wird...
In den Weltläuften bleibt manches doch gleich, Ggott sei Dank!

Laurentius Rhenanius hat gesagt…

Danke für die Informationen zur "Krone", Mary!

Johannes hat gesagt…

Habe gerade im Radio gehört (ich höre viel Radio, weil ich viel Auto fahre) daß in Tunesien die ganzen "Edelblogger" aus den Redaktionen geflogen sind, weil jahrelang das Sprachrohr der Diktatur gewesen, und nun die Blogger in die Redaktion eingezogen sind.