Mittwoch, 6. April 2011

Zeitlos

erscheint mancher Werbeslogan aus der Vergangenheit:
"xxx, da weiß man, was man hat!" so erklärte ein seriöser Mensch im Anzug. Es war die Zeit, in der das ZDF noch die Chuzpe besaß, derart todlangweilige Sendungen wie "Das Schaufenster am Donnerstag" wöchentlich zu senden. (Grauenhaft, denn es gab dazwischen keine Mainzelmännchen!)
Wenig ist aus diesen Zeiten geblieben. Vieles ging unter und verschwand. Das Schaufenster am Donnerstag, die berühmte Frau Sommer mit ihren Kaffeetips. Aber auch geistige Bewegungen, so die fröhlich singenden Hare Krishna Jünger, die früher durch die Innenstädte des Ruhrgebietes zogen oder die Anhänger des Rolls Royce Sammlers Osho, besser bekannt als Baghwan.
Es war aber auch die Zeit, in der Aufkleber mit weltanschaulichen Botschaften die Fahrräder, Autos und Schulmappen eroberten. Wer auf sich hielt und sich als Umweltschützer verstand, der trug "Urschuhe" und klebte sich den Spruch des weisen Häuptlings auf den schrottreifen R4, so wie ihn eine Umweltschutzorganisation in Umlauf gebracht hatte. Ein nicht unbeträchtlicher Teil meines Lehrerkollegiums lebte so seine kritische Existenz aus und signalisierte so die Abständigkeit zum bürgerlichen Establishment! Der Aufkleber ist mittlerweile ein echter Klassiker, auf gewisse Art und Weise zeitlos.
Wie schnell wurde aus "alternativ" ein alternativloser Mainstream des Gutmenschentums und somit selbst vorgestriges Establishment. Ein Zentralkomitee nach dem anderen ging über die Wolga, ... äh Wupper. Hare Krishna ist zwar weg vom Fenster. Aber das betagte kritische Establishment sitzt an den Schaltstellen der Gesellschaft und bedient - gestählt durch die Erfahrungen auf JuSo-, CDU- und Grünen-Parteitagen und gestützt durch das letzte realexistierende ZK- kräftigt die Phrasendreschmaschinen in der Kirche Gottes!
Aus dem Urschuhträger wurde ein "Mephisto"-Käufer (ein Zeichen???) und aus WG-Bewohnern Eigenheimbesitzer mit bluemotion Golf! Wie dem entgegentreten?

"Credo ut intelligam" hat auf kongeniale Art und Weise den Spruch des weisen Häuptlings für uns Heutige aktualisiert.

Es hat mich ein Stück weit total betroffen gemacht, wie sehr die Härte unserer aktuellen Situation in diesen doch so schlichten und eingängigen Worten so total unverklausoliert...blabla...Es holt auch die ältere Generation irgendwie total freundlich da ab, wo sie gerade stehen... äh sitzen..., äh
Tschuldigung!

Der Autor nimmt die Diktion des bekannten wie zeitlosen Zitates auf, überformt aber durch Einbeziehung kirchlichen Vokabulars das Alte, provoziert den Leser durch Störung eingeschliffener Lesegewohnheiten, transformiert es so in die Gegenwart und gibt dem Text wertschätzend eine neue Gestalt, Relevanz und Aktualität, die ihn für die anstehenden Findungsprozesse tauglich werden lassen, äh... *schwurbel*...
Schaut es Euch einfach an!

Clice!Lege!

Hat jemand Ideen zum Design??? Vielleicht diesmal nicht als Aufkleber für den R4 sondern mehr so als Andachtsbildchen?

Vielleicht gibt es auch noch weitere Textideen? Eine kleine Serie?

Kommentare:

Scipio hat gesagt…

Danke für die gute und ausführliche Analyse. Deine Variante bei der Lebensgemeinschaften ist freilich die bessere - wenn also als Aufkleber, dann so.

gregoriusbraun hat gesagt…

Dann versuch ich das mit der Serie mal. Hab schon 7 Ideen und ich glaube da ist auch ein wenig Variation mit drin. ;)

"Erst wenn der letzte Hochaltar zertrümmert, der letzte Bischof verheiratet und das letzte Oremus verklungen ist, werdet ihr merken, dass man an den Zeitgeist nicht glauben kann."

Das erste "Andachtsbildchen" dazu ist hier:

http://gregoriusbraun.wordpress.com/2011/04/17/erst-wenn-der-letzte-hochaltar-zertrummert-ist/