Dienstag, 22. März 2011

Heute vor 65 Jahren




Heute vor 65 Jahren starb in Münster Clemens August Kardinal Graf von Galen. Auf den Stuhl des Heiligen Liudger kam er im Jahre 1933, nachdem mehrere Kandidaten verzichteten. Dem Apostolischen Nuntius erschien er wegen seiner "herrischen Art" wenig für dieses Amt geeignet. Vielleicht hatte der in seinem Amt nicht glückliche und schwache Cesare Orsenigo geahnt, welch sperrige Persönlichkeit dort in ein exponiertes Amt kommen sollte. Ahnte er, daß durch eine Wahl von Galens seine Aufgabe als Nuntius noch schwieriger werden sollte? In Rom sah man das anders. Kardinalstaatssekretär Eugenio Pacelli, Vorgänger Orsenigos in Berlin und seinem Nachfolger in kritischer Distanz verbunden, wie sich auch im folgenden Pontifikat Pius XII. zeigen sollte, wird dafür gesorgt haben, daß der Heilige Vater ihn dann doch auf die berühmt-berüchtigte "Dreierliste" nachnominiert hat. Es war übrigens die erste Bischofswahl nach dem Prozedere des "Preußenkonkordates". Pacelli und von Galen kannten sich aus Berlin und Pacelli wußte offensichtlich mehr über die Eignung von Galens und die Notwendigkeit dieses Namens auf der Kandidatenliste. Allein hier zeigt sich Pacellis Klugheit, die auch sein späteres Pontifikat auszeichnete.
Clemens August Graf von Galen wurde 1933 vom Domkapitel einstimmig! zum Bischof von Münster gewählt. Das Domkapitel entschied sich für einen vierschrötigen Hünen aus westfälischem Adel (den seine Liebe zur Jagd beinahe davon abgehalten hatte, Kleriker zu werden) für einen Mann von -im bestem Sinne des Wortes- aristokratischer Gesinnung. Diese aristokratische Gesinnung haben in den letzten Jahrzehnten leider viele Autoren nicht mehr erfassen können oder wollen. Meistens wurde ihm national-reaktionäre Gesinnung unterstellt, die seine Opposition gegenüber den Nationalsozialisten nur vor dem Hintergrund der Verletzung von kirchlichen Rechten und der Ermordung von Behinderten gelten ließ, ihn ansonsten aber im tumben Sumpf der "Reaktion" versenken wollte. Semper idem! und Weit gefehlt!
Seine erste wichtige Veröffentlichung gegen den Nationalsozialismus als Bischof war der Hirtenbrief zu Ostern 1934. Hier spricht ein Bischof in der Freiheit der Kinder Gottes unverblümt die Wahrheit über die neuheidnische Ideologie des Nationalsozialsmus aus. Er schließt damit gut und bündig an eine Schrift aus dem Jahre 1932 an, in der er wenig diplomatisch aber in vollkommener Übereinstimmung mit der kirchlichen Lehre und de sich anbahnenden Realitäten in Deutschland die "Pest des Laizismus" anprangert. Dieses wenig diplomatische Werk hatte übrigens den Apostolischen Nuntius Orsenigo reichlich enerviert.
Alles was darauf folgte, bis hin zu den so zurecht berühmten Predigten war nichts anderes als das konsequente Festhalten an dem, was er einmal als gut erkannt hatte. Weder Lob noch Furcht konnten ihn davon abhalten, für die Menschen, für die Kirche, für die Wahrheit, für die Kirche, für Christus einzustehen.
Nec laudibus, nec timore! Kein Sprüchlein für oder aus dem Poesiealbum ist sein Wahlspruch gewesen. Auf seinem bischöflichen Wappenschild sind sie zu einer Provokation für alle Feinde geworden. Diese Worte aus einer Formel der alten Bischofsweihe sind Mahnung und Zuspruch für den, der das beschwerliche Amt des Bischofs antritt. Auf diesem Wappenschild sind sie zu einem Schlachtruf geworden für den geistigen Kampf, den er ausgetragen hat und den wir täglich mit den kleinen und großen Ungeistern auszutragen haben.
"Nun wird aber einer pathetisch,wie?" wird sich mancher gedacht haben.
Ja, aber sicher doch! Hier gibt es auch allen Grund mit Leidenschaft zu schreiben. Jede spitzgriffelige Kritikasterei verbietet sich doch bei der zu betrachtenden Summa!

Die Kirchengeschichte hat es in ihrer ganzen Historizität verlernt, daß es neben den atomsierenden Techniken der Historiker auch eine Werkzeug geben muß, um dem Heligen in der Kirche nachzuspüren. Die Funktion der Hagiographie ist verloren gegangen. Vielleicht ist die Theologie momentan auch dazu gar nicht mehr in der Lage, Heiligkeit überhaupt zu erkennen und zu beschreiben.

Gerade an der Person der Seligen Clemens August kann man dieses Unvermögen exemplarisch nachzeichnen.

Der Selige Clemens August ist ein sehr aktueller Seliger. In einer Zeit, in der es unter ganz anderen Umständen aber zu einem ähnlich klaren Bekenntnis durch die Bischöfe kommen müßte, gibt es leider wenig Anzeichen zur Hoffnung, wenn man von den zaghaften Wortmeldungen des Kölner Kardinals einmal absieht.
Es fehlt eine Stimme, wie die des Löwen von Münster, der uns Gläubigen in Deutschland Mut zuspricht und uns Unterstützung in Wort und Tat zukommen läßt, denn für die Stammlande der Reformation gilt damals wie heute: Rom ist weit!

Beten wir für unsere Bischöfe!

Beate Clemente Auguste, ora pro nobis!

Sancte Michael Archangele,
defende nos in proelio
contra nequitiam et insidias diaboli
esto praesidium.
Imperet illi Deus, supplices deprecamur:
tuque, Princeps militiae coelestis,
Satanam aliosque spiritus malignos,
qui ad perditionem animarum
pervagantur in mundo,
divina virtute, in infernum detrude.
Amen.

Machen wir also weiter!

Nec laudibus, nec timore!

Kommentare:

Florianus hat gesagt…

guter Beitrag ...

Stanislaus hat gesagt…

Wer ist denn "Liudger"?