Mittwoch, 16. Februar 2011

Ach, nee, komm, lass mal....!

Was könnte man zu den Äußerungen jenes Pfarrers aus Regensburg alles schreiben! Josef Brodat hat es wie immer ganz wunderbar auf den Punkt gebracht. Auch die Tübinger Klatsche gegen S.E. Walter Card. Kasper ist bei Stanislaus gut beschrieben. Auch dazu gäbe es noch sehr viel zu sagen.
Aber schenken wir jenen, die aufgrund einer abgeschalteten Kommentarfunktion meinen, anderen deswegen poststalinistische Dialogverweigerung unterstellen, nicht zuviel unserer kostbaren Zeit?
Sollte man Bemerkungen, wie die Karl Wallners zur PpE micht einfach übergehen, weil sie auch nicht hilfreich sind und nur unnötig Zeit beanspruchen?
Mag sein!

Beunruhigend aber ist der Stil, mit dem gegen die "Gegner" des Memorandums vorgegangen wird, sei es nun ein Journalist, der Berufskraftfahrer, der das Memorandum unterzeichnet hat, oder ein Kardinal der Una Sancta!

Es sind die probaten Mittel der politischen Auseinandersetzungen, wie wir sie von unseren ehemaligen Volksparteien kennen. Da wird Inkompetenz unterstellt. Wenn das nicht greift, wird die Dialogbereitschaft bezweifelt. Wenn das dann nun auch nicht mehr hilft, greift man dann entweder zum Florett und versucht es auf die elegante Weise und fragt nach der Lösungsorientierung oder man greift zur abgesägten Schrotflinte und unterstellt extremistische Tendenzen. Das funktionierte bisher immer ganz gut.
Aber darf das der Modus vivendi "et disputandi" in der Kirche Gottes sein?
Faktisch ist er das, aber sollte er das sein?

Was ist das doch kompliziert, wenn man als einigermaßen entideologistierter römischer Katholik einfach in Freude aus dem Vollen der Tradition schöpfen möchte!

Beispiel "Kommunionempfang":
Die Vorgaben über den Kommunionempfang sind bekannt. Die übliche Praxis ist eine andere. Der Wunsch des Heiligen Vaters (der uns Befehl sein sollte) ist ebenso bekannt.
Meine eucharistische Frömmigkeit hat sich in den letzten Jahren intensiviert, auch durch die Begegnung mit dem verpönten Ordo originis. Für mich ist es nach langem Ringen mit mir, den alten Gewohnheiten und auch mit der Scheu, gehörig aus der Reihe zu tanzen, gelungen, mich zu der Form durchzuringen, die meiner Ehrfurcht und Demut vor dem Leib des Herrn entspricht. Es war gut, den geschützten Raum des Ordo originis zu haben, um diesen Schritt zur Synchronisation von innerer und äußerer Haltung endlich vollziehen zu können. Ich habe ein Stück geistlicher Freiheit gewonnen! Ich knie, wenn ich meinem Herrn und Gott begegne, nur nicht wenn ich "zu Hause" bin!
In meiner Wohnortgemeinde sind mir solche "Kapriolen" schlichtweg verwehrt, es sei denn ich möchte mich mit aller Gewalt aus der aktiven Arbeit zurückziehen!

Allgemeineres Beispiel:
Wer z.B. für Architektur, Musik und Liturgie sensibilisiert ist, steht seit Bergers letzter Veröffentlichung (übrigens ein deprimierendes Werk) unter einer ganz neue Art des "Generalverdachtes".

Platt gesagt: Es ist billig, schlecht und es gehört sich nicht!
Für mich stellt sich in dieser aufgeheizten Phase der Auseinandersetzungen die Frage:
Welche Chance besteht überhaupt, diese unsäglichen Umgangsformen zu ändern?

Es ist ja schon schlimm genug, wenn man vom hohen Turme des Experten meint, dem tumben Bauern ohne Habilitation den Ackerbau erklären zu müssen.
Wenn es nicht so traurig wäre, wäre es zum Lachen. Das ist so ähnlich, als wenn ein Autofahrer zu einem Fußgänger sagte: "Sie könen gar nicht beurteilen, ob ich falsch durch die Einbahnstraße fahre, sie sind ja nur Fußgänger!"

Davila schreibt so wunderbar knapp:
Das religiöse Problem verschärft sich täglich, weil die Gläubigen keine Theologen und die Theologen nicht gläubig sind.

Besser geht nicht!

Was mir aber noch auffällt, ist dieser verbissene Ernst, mit dem das alles vorgetragen wird. Für mich ist der Faktor Humor ja ein ganz entscheidender Punkt. So hatte Pater Brown einmal einen falschen Priester enttarnt, weil er diese "Grundeigenschaften" eine Gläubigen bei ihm nicht fand.
Wo Heiterkeit und Gelassenheit sich rar machen, habe ich persönlich immer einen bösen Verdacht: Ich rieche Sektierertum! Das freudlose Puritanertum der Ironhats, Katharer und der Ausschußprotokolle.
Aber vielleicht ist das auch eine Spätfolge moderner Betonkirchen. Oder kommt das von schlechter Kirchenmusik?
Hören die denn keinen Palestrina oder Händel?
"King of Kings, forever and ever, and Lord of Lords..."
Mensch, da geht einem doch das Herz auf! Da muß man sich doch einfach freuen! Da kann man doch gar nicht mehr anders, als vor dem König der Könige auf die Knie zu gehen....
Oh, wenn das jetzt einer liest! Bei einigen ist das Maß sicherlich längst übergelaufen, wie?

Ordo originis, Mundkommunion, Ressentiments gegenüber neueren Kirchenbauten, monarchistische Begrifflichkeiten im Umgang mit Bruder Jesus, ...

Jahaha, wollt ihr noch mehr lesen? Ich mache jetzt mal die große Kiste hier auf!
Ich zähle auch die Züge beim Inzens, ziehe alte Kaseln neueren Betsäcken vor, besitze einen Schott, ein Graduale Romanum, mehrere Rosenkränze (die auch benutzt und nicht um den Hals gehängt werden!) kann eine Doppelkniebeuge von einer einfachen Kniebeuge unterscheiden und weiß auch, wann ich was zu machen habe, neige nach nach Highchurchmanier mein Haupt, wenn das Vortragekreuz an mir vorbeizieht und würdige den Zelebrans mit einer ebensolchen Kopfbewegung und erwidere den liturgischen Gruß ("Der Herr sei mit euch...") nicht nur mit Worten sondern auch mit einer angedeuteten Verbeugung!
So, reicht das für ein Klischee? Schön!
Wer mich jetzt für einen monarchistischen, parfümierten Ästheten, oder einfach nur für liturgisch hyperaktiv hält, der hat sich mal wieder ein Schnitzbild gemacht!!!

Menschenskinder, ich bin einfach nur katholisch, habe Spaß an den kleinen Details, die das Leben so lebenswert und reich machen, liebe meine Kirche, vertraue unserem wunderbaren Heiligen Vater und habe Freude daran, ganz einfach!
Ich leide nicht darunter, Katholik zu sein, es macht mir Spaß, SPAAAAAAß!
Wie man bei uns sagt: Ich hab da Spasssss drann! Ich find dat schön!
Das ist aber leider nur schwer vermittelbar, ein echtes Kommunikationsproblem!

Ich will keinen Gottesstaat, mag aber auch keine Stuhlkreise! Das macht die Sache etwas kompliziert, nicht wahr? Da steht man schnell zwischen den Stühlen!

Was kann ich nur machen?

Jetzt weiß ich es!
Es fehlt die Freude!
Das ist es!

Ich weiß jetzt, was ich tue!
Ich bete um Freude am Glauben, an der Kirche Gottes und um Humor!

Da gibt es doch so ein schönes Gebet von St. Thomas More,
oder doch Paulus: Freuet euch, abermals sage ich freuet euch!.....momentemal, wo hab ich den schon widder dat GL.....

Und die Damen und Herren Memorierende und Reform-CDU-ler, wißt Ihr, was ihr jetzt mal macht?
Ich hab da ne tolle Idee für Euch!
Ihr entmüllt mal den Terminkalender und geht mal schön auf nen ordentlichen Pfarrkarneval, laßt mal richtig die Korken knallen, geht zum Rosenmontagszug, Dienstag zum Requiem für de Nubbel und dann mal ordentlich stramm in den Aschermittwoch, mit Beichte, Aschekreuz und ... Starkbieranstich! Von wegen 7 Wochen ohne! Dat is luthersch! Und dann alles noch mal auf Anfang!
...
Mensch wo hab ich dat Gotteslob? Der Schott is da, dat Liber usualis, aber dat GL...?
Stimmt gar nicht! Das GL habe ich in fünf unterschiedlichen Ausgaben griffbereit hier im Regal!
Reingefallen!

Schönen Abend noch!

Kommentare:

Volmar hat gesagt…

Wo kann ich etwas über die Doppelkniebeuge lernen? Habe davon bisher noch nichts gehört. Danke.

Anonym hat gesagt…

Lässig ... Fortsetzung folgt hoffentlich ...

Laurentius Rhenanius hat gesagt…

@ Volmar:
Endlich mal eine wichtige Frage zur Praxis! ;-)
Die Sache klingt kompliziert, so als wenn man zwei Kniebeugen hintereinander macht. Es ist aber viel einfacher.
Wenn man eine Kirche oder Kapelle betritt oder verläßt, in der das Allerheiligste zur Anbetung ausgesetzt ist, so ist, war, sollte es Brauch sein, beide Knie zu beugen, d.h.: nicht nur das rechte Knie berührt den Boden, auch das linke Knie wird gebeugt. Man kniet sich halt "im Vorbeigehen" kurz hin. Sollte man aus irgendwelchen Gründen wichtige Verrichtungen in der Kirche zu tun haben und kommt dabei am ausgesetzten Allerheiligsten vorbei, so macht man jedesmal diese sog. "Doppelkniebeuge".

@Anonym:
Manchmal geht mir auch die Lässigkeit ab, aber ich bemühe mich um Gelassenheit! :-)

Stanislaus hat gesagt…

Du olle Schwuchtel ;-)

Laurentius Rhenanius hat gesagt…

Vorsicht, Liebelein!

Florian hat gesagt…

Ja, aber hallo! KATHOLISCH! MIT FREUDE! :D

Danke, das hat mir grade echt geholfen. Wenn ich noch einen Blog hätte, ich könnte jeden zweiten Tag was über olle Bastelliturgie schreiben...

Liebe Grüße,
Florian.

Laudetur Jesus Christus!

Laurentius Rhenanius hat gesagt…

@ Florian:
Ich vermisse Deine Beiträge durchaus...

Florian hat gesagt…

Mir juckt's doch auch schon in den Fingern... ;)
Ich möchte aber SCJ Priester werden, von daher lass ich's lieber... :)

Ich darf jetzt erstmal jede Menge schöne Liturgie erleben - Kardinal Brandmüller kommt zu Besuch in sein Heimatbistum. Das wird ordentlich, sehr ordentlich!