Donnerstag, 30. Dezember 2010

Robert Spaemanns neueste Ansichten

Manches Ereignis und mancher Zwischenfall der letzten Wochen hat mich nicht nur sehr ins Grübeln gebracht, es hat mich auch verstummen lassen. Das dafür verantwortliche Stimmungsgemisch möchte ich hier nicht ausbreiten. Dann kam noch diese Halleluja-Affaire im Petersdom am Heiligen Abend und das war dann die Bescherung! Frohes Fest!
Darüber hilft dann auch nicht das Aufleuchten der C.M. S.Em. Raymond Leo Card. Burkes. Eine Schwalbe macht bekanntlich noch keinen Sommer und ebenso macht eine Cappa magna noch keine "Gegenreformation"!
Wie dem auch sei, heute fand ich nun ein Interview mit Robert Spaemann über Aufklärung, Relativismus, das Scheitern des Christentums. Eine Passage war für mich auf ganz besondere Weise erhellend und hat mir gewisse Übergriffigkeiten noch einmal in einem neuen Licht erscheinen lassen.

Robert Spaemann zur Lage der Meinungsfreiheit in diesem unseren Lande:

"Viele würden Ihre Argumentation als diskriminierend empfinden und sich verbitten. Sie selbst haben beklagt, dass die Meinungsfreiheit im Moment geringer sei als zum Beispiel in der Adenauer-Ära. Wie kommt das in einer Gesellschaft, wo man zumindest de jure nahezu alles schreiben und öffentlich sagen darf?

Das hängt meiner Meinung nach paradoxerweise gerade mit dem Relativismus zusammen. Gerade wenn es keine gemeinsame Wahrheit, keine Einsicht in die Natur des Menschen mehr gibt, dann ist der Streit der Meinungen ein politischer Streit, der nicht mehr darauf zielt, den anderen zu überzeugen, sondern ihn mundtot zu machen. Denn den anderen überzeugen zu können, daran glaubt man gar nicht. Das setzt ja voraus, dass es so etwas wie Wahrheit gibt.

Das heißt, die pure Macht tritt an die Stelle des Arguments?

Ja. Diese Einschränkung der Meinungsfreiheit ist in diesem relativistischen Kampf der Meinungen der Versuch, bestimmte Meinungen zu den herrschenden zu machen. Oder wenn sie es schon sind, sie als herrschende zu behaupten. Das ist ein Machtkampf. Interessen treten an die Stelle der Wahrheit als der Einsicht in das von Natur aus Rechten."

Noch Fragen?

Das lesenswerte Interview findet sich bei kath.net.

Danke, Herr Professor Spaemann, Sie haben mir sehr geholfen!

Montag, 6. Dezember 2010

Es blaut die Nacht, die Sternlein blinken

Schneeflöcklein leis herniedersinken. So beginnt Loriots berühmt-berüchtigtes Gedicht "Advent". Vordergründig werden hier zunächst alle heimeligen Bilder eines Winteridylls bedient, bevor dann die Förstersgattin mit Gewehr und Fleischmesser ihrem Ehemann zu Leibe rückt und ihn dann fein portioniert dem guten Knecht Ruprecht als Geschenkpaket mitgibt. Am Ende fällt alles wieder zurück in die Stille und Schönheit einer Winternacht. Schwärzester Humor von höchster Qualität. Aber offensichtlich bricht nun so etwas wie die "Nacht der langen Messer" in diesem Advent an. Was ist im Moment nur wieder los?
Salzburg will auf Ordinariatsrechnern den Zugang zu kath.net sperren, als wenn es sich um eine Seite handelte, die den Normen der katholischen Morallehre entgegensteht. Zensur ist also wieder hoffähig. Das System Metternich feiert also Urständ. Der Leiter des St. Ulrich Verlages wird "freigesetzt". Gründe? Vielleicht das erfolgreiche Verlagsprogramm, daß nicht dem Mainstream folgt?
Der Ton der sonst so differenziert Denkenden wird zunehmend undifferenziert. Auf Boulevardzeitungsniveau werden "Gegner", niedergebrüllt. So bezeichnet Paul Zulehner den Autor Peter Seewald als "Panzerjournalisten" , der angeblich "aus der rechten Dunkelkammer der Kirche kommt"!
Es wird an allen Fronten gekämpft und zwar mit Methoden, die Demokraten und Freunden des differenzierten Dialogs eigentlich verboten sein sollten.
Nachdem nun keine größeren Skandale in Sicht sind, wird nun in der Provinz gegen die Bloggerszene blankgezogen und zur Attacke geblasen. Erste Opfer sind zu beklagen. Nachdem nun ein Blogger sich aus Gründen der Vorsicht schon vor einigen Wochen seine kritischen Gedanken nicht mehr veröffentlicht und alle bisherigen Einträge im Weblog, die einer möglichen Karriere bei Mutter Kirche schaden könnten, gelöscht hat, ist nun ein Blogger, der wohl in kirchlichen Diensten stand, von einem lieben Kollegen und Journalisten in der Presse filetiert worden. Dabei kam es nicht so sehr auf den wirklichen Inhalt der "Kritik" an, sondern vielmehr auf die schnelle Verpackung in die üblichen Schubladen.
Ein bedauerlicher Irrtum? Mangelnde Information des Journalisten? Wer die letzte Wortmeldung des Journalisten im Kommentarbereich der Tageszeitung liest, wird einen entsprechenden Eindruck bekommen? Ist mit fortes fide der erste Kopf eines Dissidenten gerollt?
So sehr das vielleicht auch in irgendein Bild der kirchlichen Landschaft gut gepaßt haben könnte, ganz vorstellen konnte ich es mir in OS nicht. Und es war auch ganz anders!
Das Verschwinden von fortes fide hat ganz andere Gründe. Hier ist niemand wegen seiner Meinung vom Bistum abgestraft worden. Hier haben wir es offensichtlich mit jemand zu tun, der mehr als zu Recht aus dem Amt entfernt worden ist, nicht wegen einer Meinung, sondern weil er unter dem Verdacht steht, Kinderpornographie aus dem Netz geladen zu haben. Danke für den Hinweis, Stanislaus.
Nun, ich bin geschockt über diese Nachricht und noch mehr über die Tatsachen, die dort nun im Raum stehen. Ich bin mal gespannt, wie die Ermittlungen verlaufen. Nach dem Schuldbekenntnis von Bischof Bode muß das für das Bistum ein schlimmer Schlag sein.
Nun, ich bin geschockt, sehr...
In München scheints auch wieder neu zu zündeln..
Irgendwie ist dieser Advent, ...nicht schön!

Oremus!
Die loriotsche Kurve will mir nicht gelingen.