Montag, 6. Dezember 2010

Es blaut die Nacht, die Sternlein blinken

Schneeflöcklein leis herniedersinken. So beginnt Loriots berühmt-berüchtigtes Gedicht "Advent". Vordergründig werden hier zunächst alle heimeligen Bilder eines Winteridylls bedient, bevor dann die Förstersgattin mit Gewehr und Fleischmesser ihrem Ehemann zu Leibe rückt und ihn dann fein portioniert dem guten Knecht Ruprecht als Geschenkpaket mitgibt. Am Ende fällt alles wieder zurück in die Stille und Schönheit einer Winternacht. Schwärzester Humor von höchster Qualität. Aber offensichtlich bricht nun so etwas wie die "Nacht der langen Messer" in diesem Advent an. Was ist im Moment nur wieder los?
Salzburg will auf Ordinariatsrechnern den Zugang zu kath.net sperren, als wenn es sich um eine Seite handelte, die den Normen der katholischen Morallehre entgegensteht. Zensur ist also wieder hoffähig. Das System Metternich feiert also Urständ. Der Leiter des St. Ulrich Verlages wird "freigesetzt". Gründe? Vielleicht das erfolgreiche Verlagsprogramm, daß nicht dem Mainstream folgt?
Der Ton der sonst so differenziert Denkenden wird zunehmend undifferenziert. Auf Boulevardzeitungsniveau werden "Gegner", niedergebrüllt. So bezeichnet Paul Zulehner den Autor Peter Seewald als "Panzerjournalisten" , der angeblich "aus der rechten Dunkelkammer der Kirche kommt"!
Es wird an allen Fronten gekämpft und zwar mit Methoden, die Demokraten und Freunden des differenzierten Dialogs eigentlich verboten sein sollten.
Nachdem nun keine größeren Skandale in Sicht sind, wird nun in der Provinz gegen die Bloggerszene blankgezogen und zur Attacke geblasen. Erste Opfer sind zu beklagen. Nachdem nun ein Blogger sich aus Gründen der Vorsicht schon vor einigen Wochen seine kritischen Gedanken nicht mehr veröffentlicht und alle bisherigen Einträge im Weblog, die einer möglichen Karriere bei Mutter Kirche schaden könnten, gelöscht hat, ist nun ein Blogger, der wohl in kirchlichen Diensten stand, von einem lieben Kollegen und Journalisten in der Presse filetiert worden. Dabei kam es nicht so sehr auf den wirklichen Inhalt der "Kritik" an, sondern vielmehr auf die schnelle Verpackung in die üblichen Schubladen.
Ein bedauerlicher Irrtum? Mangelnde Information des Journalisten? Wer die letzte Wortmeldung des Journalisten im Kommentarbereich der Tageszeitung liest, wird einen entsprechenden Eindruck bekommen? Ist mit fortes fide der erste Kopf eines Dissidenten gerollt?
So sehr das vielleicht auch in irgendein Bild der kirchlichen Landschaft gut gepaßt haben könnte, ganz vorstellen konnte ich es mir in OS nicht. Und es war auch ganz anders!
Das Verschwinden von fortes fide hat ganz andere Gründe. Hier ist niemand wegen seiner Meinung vom Bistum abgestraft worden. Hier haben wir es offensichtlich mit jemand zu tun, der mehr als zu Recht aus dem Amt entfernt worden ist, nicht wegen einer Meinung, sondern weil er unter dem Verdacht steht, Kinderpornographie aus dem Netz geladen zu haben. Danke für den Hinweis, Stanislaus.
Nun, ich bin geschockt über diese Nachricht und noch mehr über die Tatsachen, die dort nun im Raum stehen. Ich bin mal gespannt, wie die Ermittlungen verlaufen. Nach dem Schuldbekenntnis von Bischof Bode muß das für das Bistum ein schlimmer Schlag sein.
Nun, ich bin geschockt, sehr...
In München scheints auch wieder neu zu zündeln..
Irgendwie ist dieser Advent, ...nicht schön!

Oremus!
Die loriotsche Kurve will mir nicht gelingen.

1 Kommentar:

DerAquinate hat gesagt…

Natürlich war es ein Schock, als ich die Nachricht erhielt. Zumal es nicht nur "irgendeinen Blogger" getroffen hat, sondern jemanden, den ich schon sehr lange persönlich kenne.
Ich selbst weiß auch noch nichts Neues und nur das, was alle anderen schon wissen. Aus der Kenntnis der Person her, bin ich aber fest überzeugt, dass hier eine dumme Panne oder was auch immer dahintersteht. Wir werden sehen, wie es weitergeht. Intensives Beten scheint mir jedenfalls das Mittel der Wahl zu sein.

Ich kann jetzt nur wiederholen, was ich schon bei verschiedenen Blogs gepostet habe:
Solange die Schuld nicht klar bewiesen ist, ist dieser Priester unschuldig. Es gilt hier auch ein Persönlichkeitsschutz. Von daher halte ich es auch für ein Unding, dass das Bistum die Namen seiner Pfarren öffentlich breittritt.

Ich kenne ihn persönlich schon über zwölf Jahre als guten Studenten, engagierten Kaplan und vorbildlichen Priester Gottes. Ich weiß auch nicht, welchen Grund er hatte, sich diesen Saukram herunterzuladen, bin aber sicher, dass da keine unlautere Absicht hinterstand. dafür kenne ich ihn zu gut.
Er ist und bleibt ein persönlicher Freund.

Und im Übrigen: Jeder Missbrauch ist einer zu viel. Aber hier reden wir nicht von Missbrauch, sondern vom Herunterladen von Schweinkram. Mir ist es auch nicht bekannt, um was für einen Schweinkram es sich handelt und was er damit bezweckt hat.

Ich bin sicher, dass es in dieser Sache eine redliche und nachvollziehbare Erklärung gibt. Und sollte er sich tatsächlich etwas zu Schulden kommen lassen, gilt immer noch, dass man die Sünde hassen soll, aber nicht den Sünder. In diesem Fall, an den ich mich weigere zu glauben, werden das Bischöfliche Offizialat und das staatliche Gericht die passenden Sanktionen finden. Und ich selbst werde auch in diesem unwahrscheinlichen Fall nicht mit dem Finger auf ihn zeigen, denn wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein!