Dienstag, 16. November 2010

Vanitas

Auf Benedettas katholischem Blog macht sich neben der Frage nach dem Weg von Gesellschaft und Kirche in den Stammlanden der Reformation auch ein wenig düstere Stimmung breit. Ist es eine Herbstdepression, die von der Blogozese Besitz ergreift?
Das fallende Laub, die Totengedenktage, das miese Wetter, die Kälte, die wenigen Sonnenstunden?
Ist es vielleicht sogar etwas wie Resignation, was sich da in manchem Kommentar zeigt?

Hallo?
Jetzt aber mal nen wenig mehr ecclesia militans und weniger Gegrübel im Sinne der Sitzungskultur der judäischen Volksfront (oder war das jetzt die Volksfront von Judäa?)!
Es ist November. Die Blätter fallen. In deutschen Landen herrscht kirchliche Eiszeit. Ja und? So ist das nun mal im hohen Norden! Nur in diesem Klima konnte so etwas ernstes und dröges wie die Reformation passieren. Nur dieses miese Wetter konnte so Gestalten wie Luther, Schwarzerd, Müntzer und wie sie heute so alle heißen, hervorbringen. Man sitzt in der leidlich gewärmten Stube, kommt nicht vor die Tür. Das führt zu Bewegungsmangel, Unzufriedenheit, Ungeduld, schlechter Laune. Man wird kleinlich, besserwisserisch, spitzfindig und ungenießbar. In solchen Zeiten schreibt man vermehrt Leserbriefe oder wie in Luthers Fall auch schon mal 95 Thesen. Vielleicht ist die angebliche Klimaerwärmung ein Glücksfall für die Kirche in Deutschland. Wer auf der Piazza flaniert, seinen Espresso in der Bar nebenan trinkt, also "unter die Leute kommt", der kommt auf solche Ideen nur in seltenen Fällen. Ich träume auch vom milden Klima Maltas, sei es nun meteorologisch oder kirchlich.
Wir müssen hier oben einfach einen Spagat leisten. Ich versuche es mal mit Bildern.
Freuen wir uns an der Gotik, ihrer philosophischen, mathematischen, musikalischen Absolutheit, aber laßt uns nicht im Zahlenmeer versinken. Bleiben wir im Alltag fröhlich barock und spielen mit der Vanitas auf italienisch oder wienerische Art. Freuen wir uns an jedem Katafalk oder castrum doloris, das zu Allerseelen wieder neu in eine Kirche Einzug gefunden hat, gerne etwas morbide aber nicht lutherisch "hierseinsverneinend"!
Seien wir keine verbissenen Gralshüter, wie mancher Bibliothekar in Klosterromanen. Lernen wir von der Selbstverständlichkeit, Selbstironie und der spielerischen Formvollendung der highest Highchurch. Lasst uns einfach selbstverständlich katholisch sein!
Genießt mit Humor und Freude an den Ankedoten in der Fastenzeit dunkle Schokolade, Kakao und Starkbier, die uns dank päpstlicher Beschlüsse erlaubt sind. "Sieben Wochen ohne" ist eine kleinlich rigorose protestantische Erfindung!
Beten wir unverdrossen und voller Hoffnung für unsere Priester, Bischöfe, unseren Papst und die Kirche. Wir wissen von den Wundern, die Gott immer wieder wirkt und hoffen wir, daß er auch weiterhin seine Kirche nicht verläßt. Was ist schon ein solcher Schreiber wie Posener, wer ein Hawkings, Küng oder die ungehorsamen Bischöfe und Priester unserer Kirche? Es sind Menschen, die neben der bissigen Kritik an ihrer Haltung eines ganz besonders brauchen, das begleitende Gebet!
Leute, das sind Aufgaben! Nicht verzweifeln oder grübeln! Wer es kann, spreche diese traurigen Gestalten an.
Herr Posener, warum recherchieren sie so schlecht und warum sind sie so verbittert über die Kirche? Haben sie es schon mal mit Seelsorge und begleitender Therapie versucht?
Die Verlage anschreiben, die solchen Quatsch veröffentlichen. Fakten aufzeigen, die ihren Vorurteilen die Grundlage entziehen und dann bei der Ehre packen ("ein seriöses Verlagshaus wie das ihre sollte doch wohl...")!
Und dabei für diese Menschen beten und für sich selbst um Humor bitten.
Bei der Kirche und allen Anfeindungen von innen wie außen gibt es ein passendes und gutes deutsches Sprichwort: Was juckt es eine deutsche Eiche, wenn sich eine Wildsau an ihr kratzt?

Mir geht das Wetter auch auf den Geist und die säkularisierten Spinner auch!
Was tut man dagegen?
Ich gehe jetzt mal in die Stadt und mach ne kleine Pause. Frisches Obst vom Orientalen, frisches Brot und "Speckelaatz" vom Bäcker, nen Espresso beim Italiener, auf ne kleine Opferkerze zu St. Dominikus und "uns Marie"...härrlisch!

Christus imperat!
Weitermachen!
:-)

Kommentare:

Stanislaus hat gesagt…

Dominikus? Bist Du umgezogen?

Phil hat gesagt…

Ich hoffe, es ist nicht zu frech, wenn ich auf den Artikel verlinke! Ein SEHR schöner Artikel!

spero hat gesagt…

Katholisch, praktisch, gut. Amen!

Und wenns mal ganz dicke kommt, dann muss man sich eben den Bad Catholic's guide to Wine, Whiskey & Song reinziehen!

Dorothea hat gesagt…

Vielen Dank! Das haben wir gebraucht.

Laurentius Rhenanius hat gesagt…

Na dann verlinke mal schön, Phil! ;-)

Laurentius Rhenanius hat gesagt…

Wie kommst Du auf Dominikus?

Laurentius Rhenanius hat gesagt…

@spero:
Wann kommt die deutsche Ausgabe bei Herder raus? ;-)

tradi.nl hat gesagt…

Erfrischender Beitrag, Du sprichst mir aus der Seele!
Beim Lesen ging mir das Lied "Drink doch ene met.." durch den Kopf. Biste Koelner?

Laurentius Rhenanius hat gesagt…

Ne Kölsche bin ich nicht, aber rheinisch-katholisch! :-)