Freitag, 1. Oktober 2010

Vademecum

Das wird vielleicht den einen oder anderen Leser an die Marke eines Kaugummis aus den 1970er Jahren erinnern. Für mich ist das aber seit einigen Jahren ein kleines Büchlein, ein Moleskine, schwarz, im Westentaschenformat. Eines meiner Patenkinder hatte es mir zu Weihnachten geschenkt und es dient mir seither als Sammelbüchlein für Zitate aller Art. Vor einigen Monaten bin ich mit meinem Büro umgezogen und seither war es verschollen. So sehr ich es auch vermißte, hatte ich mir dennoch geschworen, es bewußt nicht zu suchen. Denn alles, was ich bewußt und intensiv suche, scheint sich auf einmal in eine Art Paralleluniversum zu verabschieden. So verschwinden Schlüssel, die ganz sicher auf dem Schränkchen im Flur abgelegt worden sind und tauchen plötzlich in der Küche auf dem Kühlschrank auf. Sonnenbrillen verschwinden aus den getragenen Jackets und liegen auf einmal im Auto. So war es auch mit diesem Vademecum. Ich war mir sicher, es im Regal zu den anderen Notizbüchern gestellt zu haben, also immer griffbereit und in Reichweite. Dort war es immer und auf einmal war es weg. Ich wußte ganz genau: Je mehr du danach suchst, als umso schlimmer wird sich das Versteck des Büchleins herausstellen. Je intensiver die Suche, umso unmöglicher der Ort der späteren Auffindung. Da hilft nur bewußtes Ignorieren dieses Umstandes, so schwer es auch fallen mag. Mittlerweile waren mir natürlich ganz wunderbare Gedanken großer Schriftsteller und Heiliger, humorige Äußerungen, etc. untergekommen, die ich gerne in diesem Büchlein festgehalten hätte. Egal! Nicht daran denken! Die Stunde wird kommen!
Als ich nun vorhin ewas völlig anderes aus dem Regal ziehen wollte, etwas das ich gerade für meine Arbeit brauchte, fiel mir ein schwarzer, schmaler Buchrücken auf. Mein Vademecum hatte sich wieder in meinem Büro eingefunden!
Nun kann ich endlich in einer stillen Stunde das Ende meiner Zettelwirtschaft einläuten.
Wer nun in aller Aufgeklärtheit meint, das Büchlein hätte ich beim Umzug einfach dort hingeräumt und vergessen, tja der mag vielleicht recht haben, aber sicher bin ich mir da nicht! Es stand immer bei den Notizbüchern. Warum sollte ich es zu den Lexika stellen?
Wie ließ schon der gute Shakespeare seinen Hamlet zu Horatio sagen:"Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als Eure Schulweisheit sich träumen läßt!"

Was steht nun in dem Büchlein so alles drin?
Das Zitat von Shakespeare bisher nicht, wird es auch sehr wahrscheinlich nicht bis dort hin schaffen. Das Zitat kennt man ja auch so. Es gibt andere Bonmots, die sich zu sammeln lohnen, weil man sie nicht so schnell parat hat wie die Sprüche über die Inhaltsstoffe bestimmter Kleinhunde oder die Dienstwege eidgenössischer Landesbeamter.

Chesterton steht zum Beispiel drin:
Wenn ein Volk dabei ist, in allen Dingen schwach und untüchtig zu werden, dann fängt es an, von Effizienz zu reden. So fängt auch ein Mensch zum ersten Mal an, sich mit seiner Gesundheit zu beschäftigen, wenn sein Körper kaputt ist. (Ketzer 13)

und Martin Mosebach:
Die viel geschmähten Ästheten verfügen über eine schreckliche Gabe: die äußere Gestalt einer Sache, eines Vorgangs, eines Gedankens enthüllt ihnen mit Sicherheit die innere Wahrheit des Angeschauten. (Häresie 23)

Philip Stanhope Earl of Chesterfield:
Eine gute Unterhaltung verträgt so wenig einen Diktator wie ein freies Staatswesen.
(Briefe über die anstrengende Kunst, ein Gentleman zu werden)

und Sir Alec Guiness:
Schlechte Argumente bekämpft man am besten, indem man ihre Darlegungen nicht stört.

Nun werde ich auch die nächsten Seiten wieder füllen, alles sorgsam mit Feder und Tinte, in Ruhe und Freude über das Gefundene.

1 Kommentar:

Stanislaus hat gesagt…

Also "Vademecum 2" hatte ich mal als Zahnpasta.