Mittwoch, 27. Oktober 2010



In den letzten Wochen ist es hier etwas stiller geworden. Auch der letzte Eintrag kam schon mit Verspätung ins Netz. Die Themen der letzten Wochen, wie Marxens Erhebung in den Kardinalsstand haben mich wenig berührt. Auch der Rapp der kfd (steht das jetzt für "Kakophonie frustrierter Dauerwellenträgerinnen" oder für "Krach für Deutschland"?) hat mich nicht mehr so interessiert, als daß es mir mehr als diese beiden hohlen Wortspiele entlockt hätte.
Die immer kürzer werdenden Tage, die Kälte, der Regen, das fallende Laub, sie alle führen mich in eine wenig wortreiche Stimmung, eine ungewohnte westfälische Maulfaulheit überzieht meine rheinische Schwatznasigkeit wie Rauhreif die Wiesen. Gleich der Erde, die sich in Isaac Asimovs "Last Trump", nach der letzten Posaune des Gerichtes in eine öde graue Landschaft einebnet und keinerlei Landmarken mehr bietet, so grau und frei von Landmarken scheint mir auch das zu sein, was sich mir in Kirche und Politik so zeigt. Es ist immer dasselbe, immer dieselben Gesichter, die immer gleiche, immer weiter voranschreitende kleinliche Verwohnzimmerung von Gesellschaft und Kirche, die genauso kleinlich, spießig und jämmelich verteidigt wird, wie die Lage der Fernbedienungen in Griffweite des Hausherren in manchen Wohnzimmern dieser Republik.
Alle Tage läuft das Mutantenstadel, es grüßt täglich das Murmeltier. Pünktlich um 06.00h springt dann wieder der Radiowecker an und immer wieder jodelt es aus dem Lautsprecher: hmtata hmtata hmtata hmtata i got you babe, hmtata... ohne Gnade, ohne Chance aus der ewigen Wiederholung des ewig gleiche Gesummses herauszukommen.
Langeweile, ungepflegte, plüschig, miefige Langeweile. Noch so kleine Ansätze der Hoffnung auf eine Besserung werden immer wieder von denjenigen beendet, die die Macht haben, diesen Wecker immer wieder auf 06.00h des vergangenen Tages zurückspringen zu lassen. Die Klettergerüstaufsteller, die immer noch mehr an die Kraft des Freizeiteventes glauben als an die vewandelnde Kraft des Evangeliums Christi. Die Entscheider in den Personalabteilungen der Firma, die ihren spießig-zwanghaften Laubenpieperästhetizismus ausleben und keinerlei Blüten dulden, die sich auf dem von von ihnen kultivierten Betonrasen zeigen und sofort alles niedermähen, was die von ihnen gewollte Pastoral in der Fläche farblich stört.

Es sind die Hauptamtlichen vor Ort, die die Ehrenämtler zur Verfügungsmasse ihrer Zielvorstellungen herabwürdigen. Die mediengewandten Vertreter des kirchlichen Neusprechs, die sich professionell mit der Kamera mitdrehen und immer lächelnd den Zuschauer daheim ihre niederschwelligen Religionsversatzstücke vorstellen und dabei vergessen, daß sie sich nicht in einem Studio des Senders, sondern im Hause und am Altare dessen stehen, der sie gesandt hat und dessen Evangelium sie würdig zu verkünden haben.

Wer jetzt meint, ich trauerte einen Tag einer vermeintlich besseren Vergangenheit nach, der hat mich mal wieder gründlich mißverstanden. Ich bedauere den Verlust jener Persönlichkeiten der Vergangenheit, die noch die Macht und die Möglichkeiten nutzen konnten, um diesem Triumph des Stumpfsinns etwas entgegenzustemmen. Ich bedauere noch viel mehr die kalte Ausschaltung ebensolcher Persönlichkeiten in der Gegenwart. Es ist semper idem!
Ich weiß, daß nach den Erkenntnissen der historischen Forschung ein Dorfpriester im Mittelalter wahrscheinlich nicht in der Lage war, den Kanon zu lesen. Heute sind sie durch die allgemeine Schulbildung zwar durchaus dazu in Lage, was sicherlich ein Fortschritt in die richtige Richtung ist, aber wer von ihnen ist denn heute noch gewillt das auch zu tun? Die einen konnten vielleicht nicht, wollten aber vielleicht, die anderen können sehr wahrscheinlich, wollen aber ganz bestimmt nicht. Semper idem!
Die Kirche war immer zugleich societas perfecta und permixta. Aber die Zahl der sichtbaren, spürbaren und den Glauben auf- und zurichtenden Zeichen und Per-sonen ist sehr gering. Es herrscht eine Art Kalter Krieg.
In mir wächst das Gefühl von Einsamkeit, Diaspora und Schwäche, so wie Chesterton schon die Frage nach der Effizienz als klares Zeichen von Schwäche und Krankheit ansieht. (Ketzer,13) Es sind halt die Stammlande der Reformation...
Nun gehen mir wieder Worte und Gedanken aus. Schwäche?
Der Text bleibt ein Bruchstück. Ich werde meine trüben Gedanken gleich durch eine Trainigseinheit beim Sport vertreiben. Ausdauersport führt ja bekanntlich zur Ausschüttung von diversen Glückshormonen. Außerdem ist es besser als der Verzehr von ähnlich wirkenden Süßigkeiten. Der Besuch einer hiesigen Abendmesse ist auf jeden Fall kontraindiziert, leider!

Kommentare:

Stanislaus hat gesagt…

Stimmt, auch hier verfallen manche Rheinländer in so eine gewisse Depristimmung. ;-)

Johannes hat gesagt…

Darf ich einen Trost ausbringen? Mein geliebter Lehrer sagte damals: "Wenn sie sauer sind, schreiben sie am besten!" So ähnlich auch hier.

Florian hat gesagt…

Wie sehr ich das nachvollziehen kann...

Es gibt, glaube ich, keine größere Sünde, als öde Liturgie... Wenn schon in der Welt semper idem, dann doch wenigstens nicht im Gottesdienst... Wir Utopisten.