Dienstag, 7. September 2010

Die Wacht auf'm Rhein! (Achtung! Glosse!)

(Zuerst die Musik unten einschalten und dann lesen.)

Liebe BlogozesanInnen!

Es erfüllt mich mit großer Freude und Stolz, dass das Bollwerk des deutschen Laienkatholizismus, "WisiKi", seit nunmehr 15 Jahren alles tut, um uns vor den schädlichen Einflüsterungen römisch-zentralistisch-klerikal-papalistischen zu warnen und zu bewahren. Ohne diesen greisen und weisen Wächterrat der volkskirchlichen Revolution wären wir schon zwischen Novenen, Herz-Jesu-Freitagen, Rosenkranzandachten und anderen überflüssigen geistlichen Übungen einer obrigkeitlichen Drohkirche zeitlich so erdrückt worden, daß uns die Zeit für Ausschüsse, Komitees, Zentralkomitees und angst- und barrierefreie Gesprächskreise ausgegangen wäre.
Wer hätte unser kritisches Bewußtsein für die schleichende Klerikalisierung, die Rückwärtsentwicklung, die Notwendigkeit der tätlichen Mitwirkung von Laien geschärft, wenn nicht WisiKi?
Sie sind die Entdecker des kirchengeschichtlich so bedeutenden "Apostulates des Unterausschusses". Es wird sich erst in einigen Jahrzehnten zeigen, wie bedeutsam der Einfluß war, den die samstägliche Unterschriftenaktion in der Fußgängerzone auf den Fortbestand der Kirche hatte. Wieviele Priesterberufungen sind aus ihnen hervorgegangen? Wir wissen es nicht. Nur die Spitze des Eisberges, die Frauen, die sich auf einem Schiff weihen lassen mußten, weil uneinsichtige Bischöfe ihnen keine Kirche zur Verfügung stellen wollten, lassen erahnen, wie sehr die deutsche Reformbewegung doch prägend für diese verfolgte Generation ist. An der Spitze dieser Bewegungen steht nun einmal WisiKi als leuchtendes Beispiel und einsamer Fels, Gibraltar gleich in der Brandung der unltramontanen Angriffe, die immer wieder unzählige Tassen Kaffee auf den Sitzungen fordern! Nicht zuletzt ein Blick in die Zahlen der deutschen Kaffeeindustrie läßt erahnen, welchen Stellenwert dieser Verband hat! Was wären die deutschen Röstereien ohne diese Arbeitskreise? Die Absatzzahlen der anderen wichtigen Abnehmer (kfd etc.) stagnieren seit Jahren. Wenn dort seit 15 Jahren das durchgegenderte Konzept von WisiKi nicht gegriffen hätte, wäre dieser Wirtschaftszweig schon seit vielen Jahren hochdefizitär.
Meine lieben MitblogozesanInnen, wir haben guten Grund unseren tiefen Dank allen StreiterInnen für die Sache des antiklerikalen Verbandskatholizismus zu sagen. Der seit der Gründung immer mehr gewachsene Abstand zu Tradition, Lehre und Glaubensvollzug ist in einer Art und Weise rückwärtsgewandt-futuristisch, wie es wohl ein Ottonormal-Katholik nicht ergründen kann. Wir haben es mit der Avantgarde der späten 1970er Jahre zu tun, die sich aus vielen Quellen speist, sich aber niemals den Vorwurf gefallen lassen muß, römisch-katholisch zu sein. Dieser Linie sind sie immer treu geblieben, eine Treue, die uns Nachgeborenen manchmal etwas fremd ist, weil wir nicht mehr der befreienden Wirkung von Makramee und Textiltapeten glauben wollen und unser Heil lieber zwischen Brokat und Birett suchen. Wehe uns, wenn wir dieses kostbare Erbe mißachten!
Es ist nicht fein, wenn nun die Jubiläumskreuzfahrt auf dem Rhein lächerlich gemacht wird!
Sicherlich wird dort Kaffee getrunken werden und manches grobschrotige Haferplätzchen verzehrt werden, aber darf man es deswegen als Kaffefahrt verunglimpfen?
Sicherlich hat auch Hans Küng in seiner unnachahmlichen Art wieder eine wichtige Gratulationsadresse verfaßt und wird vielleicht auch auf dem Schiff zugegen sein. Darf man ihm aber deswegen als den katholischen Fips Asmussen oder Heizdeckenanimateur bezeichnen?
Wieder andere bedauern es, daß der Heilige Vater keine Divisionen hat (J. Stalin) und nicht mal eben ein Torpedoboot schicken kann.
Nein, nein, meine Lieben, wir sollten nicht so denken! Wir sollten lieber von ihnen lernen. Egal wie die Realität des realexistierenden deutschen Katholizismus auch aussehen mag, laßt uns an den entmutigenden Zeichen und "Stimmen der Zeit" vorbeigehen und für ein Erwachen des Glaubens in unserem Lande beten und wirken. Es muß ja nicht direkt in einem so wichtigen Unterausschuss sein. Gehen wir es mutig an, mit Birett und Brokat. Wir können uns sicher sein. daß uns die alten KämpInnen kritisch begleiten werden. Sie werden stehen, bis der letzte Unterausschuss fällt, der letzte Laienkongress von den Horden der soutanisierten Klerikalen gestürmt und verboten wird!
Fest steht und treu die Wacht auf'm, äh... am Rhein!

HOCH DIE TASSEN!

Kommentare:

Tarcisius hat gesagt…

genialissime!

Auf zur Fahrt auf Rom, immerhin stimmt schon die Richtung ...

spero hat gesagt…

Super gemacht :-)

Warum muss ich wenn ich an WSK denke immer auch an Senator Peppone denken? :-)
http://www.youtube.com/watch?v=-aLesKMv9Xk

Sponsa Agni hat gesagt…

Böse, aber die Musik ab der Lektüre echt den richtigen "Kick"...