Montag, 30. August 2010

Zu Ulrichs Gedanken

Ulrich mach sich auf "sensuum defectui" so seine Gedanken über den Zustand unserer Kirche. Nach Lekture des Eintrags habe ich mir gedacht:"Das hättest du genauso schreiben können!" Sehr wahrscheinlich hätte ich "noch eines draufgesetzt", da mir am gestrigen Sonntag nicht nur Vincentius eine ganz bestimmte Kommunionhelferin mal wieder fürchterlich unangenehm auffiel, sondern auch noch durch eine uninspirierte Predigt und allgemeine Schlampigkeit im Vollzug der Liturgie in meiner Andacht derart beeinträchtigt wurde, daß ich noch nicht einmal mehr die Kraft fand, mich darüber aufzuregen. Mit Benedikt XVI muß ich dieser Feier attestieren, daß man auch hier -wie üblich- die Liturgie durch eine Form religiöser Unterhaltung ersetzt hatte.
Und sonst?
Es stehen weitere Fusionen an. Die Strukturreform geht weiter mit allen "Erweiterungen des pastoralen Raumes" und den üblichen "Verdichtungen der Personalstrukturen", Gründungen von gGmbHs, etc. pp.
Glaubenstreue Katholiken haben Einstelllungsprobleme bei der eigenen Kirche oder werden schikanös behandelt. Es gibt Priestern, denen man ihre Treue zur Tradition und zum Heiligen Vater vorwirft, Bischöfe, die, ach...
Ich nehme das nur noch zur Kenntnis. Ich stelle ernste und tiefgreifende Symptome einer mich befallenden Resignation fest. Ich erhoffe nichts mehr. In diesen Tagen, in denen nun der Sommer endgültig vorbei zu sein scheint, drängen sich mir herbstliche Gedanken des Niedergangs und des Verfalls auf. Der Griff in meinem CD-Regal geht wieder zu den Werken der franz. Spätromatik. Die Leichtigkeit ist dahin und Francks "Pièce héroique" dröhnt durch mein Bureau. Die Luft ist erdig. Vanitas.
Wie Versatzstücke aus der Kindheit im Gedächtnis aufsteigen, wenn die Erinnerung durch Begegnungen mit einem Ort, einer Person oder einem Gegenstand aus der Vergangenheit geweckt wird und einen ganzen Kosmos an vergessenen Gefühlen wieder spürbar machen, die längst verlorenen schienen, so fördert auch Francks Musik solche Versatzstücke hervor. Es sind aber keine Bruchstücke aus dem eigenen Erleben; es sind Versatzstücke aus einer Vergangenheit, die ich nicht erlebt habe. Biographien von Menschen, die ich niemals kennengelernt habe, steigen vor meinem innneren Auge auf. Es sind alle diejenigen, die mich schon seit vielen Jahren beschäftigen. Es sind alle diejenigen, die in einer offensichtlichen Krise der Kirche den guten Kampf gekämpft haben, jeder auf seine Weise.
Pius V, Jean Marie Vianney, John Henry Newman, Johannes Nepomuk, Clemens August Graf von Galen, Thomas von Aquin, Thomas More, Maximilian Kolbe, Augustinus,... Johannes Dyba...
Wer jetzt psychologisieren mag, der soll es ruhig tun!
Mit dem Blick des kritischen und kirchenkritischen Zeitgenossen hat sich hier offensichtlich eine Art "Biotop der Bekloppten" (J.Becker) zusammengefunden, die auf ihre Art kantig waren und zumindest an einem Punkt in ihrem Leben so gehandelt haben, daß man ihnen aus Vernunftgründen ein hohes Maß an Unvernunft nachweisen muß.
Es ist nachweislich nicht gesundheitsfördernd, wie Jean Marie Vianney täglich über 12 Stunden in einem Beichtstuhl zu verbringen.
Es ist hochgradig unvernünftig, sich wegen einer Frage der kirchlichen Organisationsfrage stur zu bleiben und aufs Schaffot zu gehen, wie es Thomas More getan hat. Ein wenig mehr Flexibilität gegenüber den Ansprüchen seines Herrn und Arbeitgebers und die Pension wäre sicher gewesen.
Wegen innerer Zweifel an einem Lehrgebäude muß man doch keinen Posten an einer angesehenen Universität aufgeben, so wie es Newman getan hat!
Nein, alle diese Gestalten sind von Außen betrachtet absolut unvernünftig, nicht für das wahre Leben geschaffen. Diese Kirche verehrt die Unvernünftigen und Spinner!
Genau und zwar aus gutem Grund!
Diese Welt braucht die Spinner und Unvernünftigen; sie braucht die Heiligen Narren! Die Gefahr für die Welt sind die "Normalopathen" (M. Lütz) die für alles und nichts genau wissen, warum man da nichts ändern kann, warum man sich in den Lauf der Welt fügen muß! Es braucht in einer Welt der Entertainer in eigener Sache die unendlich Demütigen wie den Pfarrer von Ars als Vorbild. Es braucht in einer langweiligen und bewegungsunfähigen Gesellschaft Provokateure wie Johannes Dyba.
Aber wo sind sie?
Wo sind die Zeitgenossen, die uns den Mut geben, den Weg durch die Krise zu gehen?
Es gibt nicht viele und wenige von ihnen sind in einer Position, als daß sie uns Grund zur Hoffnung auf eine baldige Besserung geben können.
Ich fürchte, wir sind schlicht und ergreifend in der Lage, in der alle Christen, zu allen Zeiten, an alle Orten waren, sind und sein werden.
Wir müssen alle Hoffnung alleine auf Christus setzen, uns dem Schutz der Gottesmutter anempfehlen, -egal was auch kommen mag- treu zur Lehre der Kirche stehen, die Gemeinschaft mit dem Heiligen Vater halten und vor allen Dingen beten!

Alle vorhin genannten Persönlichkeiten sind ihren Weg in der Regel durchaus einsam gegangen, aber niemals ohne Vertrauen auf Gott.
Bei vielen Schwierigkeiten in unsrer Kirche hilft nur noch beten!
Der Mangel an Priestern:
Da hilft nur das Beten für Berufungen!
Die paddeligen Kommunionhelferinnen:
Da hilft nur das Beten um Einsicht!
Für die eigenen Ängste und Sorgen und die immer wieder aufsteigende Kleinmütigkeit:
Beten!
Wenn der Humor und der Schwung ausgeht:
Chesterton lesen und "Jerusalem" von Parry anhören!
Und schon ist die Resignation wie weggeblasen!

Nur Mut!

Kommentare:

Ulrich hat gesagt…

Danke, dein Eintrag ist ermutigend, auf realistische Art und Weise.

Anonym hat gesagt…

Das ist einer der ernsthaftesten und bewegendsten Beiträge zum Thema, die ich je gelesen habe. Hut ab und danke
Gabriele