Montag, 23. August 2010

Tod eines Künstlers

Nach Pong und manchem Jokus in der letzten ist nun am Wochenende ein Nachricht über die Sender gelaufen, die mich ziemlich getroffen hat.
Am Samstag ist Christoph Schlingensief von uns gegangen. Am späten Samstag lief auf 3sat ein Portrait über sein Leben. Wenn auch die Zeitungen heute gerne mit dem "Tod des Provokateurs" titeln, so zeigte dieses Portrait die andere Seite des streitbaren Theatermannes. Seine tiefe Verwurzelung in seiner Heimat Oberhausen, den familienorientierten Menschen, der seine verwitwete Mutter regelmäßig besuchte, etc. Daneben gab es auch eine kleine Zeitreise in seine Jugend, ein Besuch seiner Heimatpfarrkirche, in der er über Jahre ministrierte, was ihn in seinem künstlerischen Schaffen nachhaltig geprägt hat. Sein Oratorium "Kirche der Angst vor dem Fremden in mir" wäre ohne die Architektur dieser Kirche in Oberhausen und ohne seine Erfahrungen in der Liturgie nicht möglich gewesen.
Am Schluß des Filmes hatte ich einen ganz anderen Eindruck von diesem Künstler, als vorher. Ein Mensch mit einem großen Herz, der a u c h durch das Mittel der Provokation versuchte, Sichtweisen zu ändern und andere Einsichten zu vermitteln; ein Suchender, der andere auch zum Suchen animieren wollte und mit Mitteln der Kunst (Operndorf) eine andere, vielleicht bessere Gesellschaft ermöglichen wollte.
Seine Einschätzung der Kirche(n) war dabei eher realistisch, vielleicht auch hellsichtig, wie man diesem Ausschnitt aus seinem letzten Interview im Cicero entnehmen kann.
Alle offenen Fragen, die sich für ihn dann über die Wege der Kunst neu stellten und dort auch neue Lösungsansätze fanden, sind offenbar von der Kirche nicht beantwortet worden. Hier führte offensichtlich der Weg über die Kunst zurück zum Glauben. Die oft unterschätzte Wichtigkeit der Kunst für die Vermittlung des Glaubens spricht aus seinen Worten ebenso wie die offensichtliche Schwäche der Glaubensvermittlung in unseren Breiten.
Ich bete dafür, daß seine Suche in der ewigen Freude und Anschauung Gottes nun ihren Abschluß gefunden hat.
Requiem aeternam...
oder wie man hier auch schon mal sagt:
Komm gut nach Hause, Christoph!

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