Dienstag, 31. August 2010

Blüten der Empörungskultur

Gestern Abend haben sich die ARD in eine neue Klasse der Empörungskultur gesendet. Gleichzeitig haben sie damit der Diskussionkultur in Deutschland einen weiteren Dolchstoß verpasst. Tu quoque Beckmann!
Mit der unsäglichen Abseife des Vorstandsmitgliedes der Bundesbank, Thilo Sarrazin, hat sich der öffentlich rechtliche Rundfunk in Deutschland eine neue Stufe des medialen Schauprozesses erarbeitet.
Die Zeiten, als der Talkmaster noch ein eher unparteiisch Fragender war, sind längst vorbei. Aber wie sehr sich hier Herr Beckmann zur Speerspitze der Empörten machte, wie sehr er dem "Angeklagten" das Wort abschnitt, seine Antworten nicht zur Kenntnis nahm, ihn zur persona non grata degradierte, alles das erinnerte an An Schauprozesse aus anderen Zeiten.
Was als kritische Auseinandersetzung mit dem Buch von Sarrazin angekündigt war, entpuppte sich als Versammlung von Leuten die gutmenschliche Empörung en masse, aber wenig substantielle Diskussion boten. Das Buch bedarf einer kritischen Würdigung. Einer noch kritischeren Würdigung bedarf aber der Umgang der Medien mit dem Autor, allen voran diese Sendung mit Beckmann und Co.
Nicht das Buch wurde kritisch diskutiert. Der Autor wurde plump diskreditiert.
So kreiert man einen Hype, führt aber nicht zu einem besseren Verständnis des Autors Sarrazin und zu einer wirklichen Auseinandersetzung mit seinem Buch!
Welche Blüten die Aufregung schon am äußersten linken Rand unserer Gesellschaft entwickelt hat, zeigt sich beim sogenannten "Bündnis gegen Rechts", das schon zur Entführung Sarrazins aufgerufen hat, oder wie ist die Fotomontage zu verstehen, die an die Entführung von Peter Lorenz erinnert?

Ein dunkler Abend für die "Medienkultur" in Deutschland!
Ein weiterer Beweis für den Untergang der Streitkultur" in Deutschland!
Ein weiterer Beweis für den Realitätsverlust der politischen Kaste, die sich weder mit validen Daten, noch mit den nachweislichen Problemen beschäftigte, sondern aus dem sonnigen Wolkenkuckucksheim berichtete!
Ein weiterer Beweis für den miserablen Zustand unserer Demokratie in der Berliner Republik!

Denn eine Demokratie muß solche Beiträge wie die von Thilo Sarrazin nicht nur aushalten, sie braucht sie essentiell für den gesellschaftlichen Diskurs. Sind solche Diskurse und Anfragen an das, was sich "mainstream" nennt nicht mehr möglich, ja wo sind wir dann angelangt? Bei der Meinungsoligarchie des Gutmenschentums, der Demokratur der "politisch korrekten Blockparteien", Diktatur des Politainments?

Ein Bonmot am Rande:
Frau Künast will das Buch auf der Fahrt nach Hamburg gelesen haben.
Der Zug (ICE) braucht von Berlin Mitte bis Hamburg HBF 1.39h bzw 1.52h. Gehen wir von der längsten Fahrzeit ohne Verspätung aus, so hätte sie in knapp zwei Stunden 464 Seiten schaffen müssen, also knapp 4 Seiten pro Minute. Hut ab! Es sei denn, sie ist mit den Bahnen des Regionalverkehres gefahren, dann wäre sie gut 4 Stunden unterwegs gewesen...
Ich werde mir nun auch das Buch kaufen, alleine um mir ein Bild von seinen angeblichen Gen-Aussagen zu machen und in welchen Zusammenhängen er sie macht. Wenn ich denn das Buch im Zug läse, so wäre vielleicht eher die Strecke Kiel München (14:18h bzw. 17:26h inkl. 9 bzw. 7 Umstiege in Regionalbahnen) angemessen oder vielleicht direkt eine Tour im Orientexpress, Paris-Konstantinopel, äh... Istanbul!
Ich werde wohl eher das Sofa wählen, wenn denn die Neuauflage auf den Markt kommt, denn wie ich gerade von der Buchhändlerin meines Vertrauens erfahre, gibt es keine Ausgabe mehr!
Ausverkauft!

Dieser Link zu Richard Wagners Artikel zu dem unsäglichen Abend bei Beckmann faßt alles in die Worte, die mir nach Anschauen der Sendung fehlten.
In einem Punkt möchte ich Wagner besonders recht geben:
Es ist zur Zeit wirklich "zum Heine lesen"! Nur bin ich weniger als Heine davon überzeugt, daß dieses Land "ewigen Bestand" hat. Ich teile nur seine Schlaflosigkeit!
Somit bekommt Heinrich Spoerls Satz aus der "Feuerzangenbowle" plötzlich wieder Aktualität:
"Baldrian! Baldrian gehört ein jedes Haus!"
Na denn mal ran an den Medizinschrank!
Gute Nacht allerseits!

Kommentare:

Stanislaus hat gesagt…

Frau Künast ist selbstverständlich preissparend mit einem Nahverkehrsticket unterwegs gewesen. Da hatte sie gewiß mehr Zeit.

Johannes hat gesagt…

Glückwunsch zu diesem Kommentar!