Mittwoch, 11. August 2010

Blogere cum Ecclesia

Offensichtlich gibt es einige Kommentatoren in letzter Zeit, die mit dem Inhalt der Weblogs ihre Probleme haben und ein Nachdenken über die Folgen für die Kirche einfordern.
Nun habe ich solche Kommentare bisher nicht bekommen, vielleicht weil sich zu wenige Leser hierher verirren oder weil man mich eh für unbelehrbar oder bekloppt hält. Ersteres möchte ich entschieden bestreiten, letzteres mag durchaus stimmen. Wenn ich auf die Zeit zurückblicke, in der ich nun dieses Weblog unterhalte, so habe ich nach meiner Einschätzung niemals den Versuch unternommen, die Kirche Gottes in einer Weise herabzusetzen, daß es ihr in der Öffentlichkeit schaden könnte. Ich habe lediglich mit allen Mitteln der Sprache, die mir zur Verfügung stehen jene Haltungen, Personen, Denkrichtungen zu kritisieren, die sich offenischtlich mit allen Mitteln auf den deutschen Sonderweg bewegen wollen und dabei vor keinem Mittel zurückschrecken, um Personen und Gruppen, die ihnen entgegenstehen (könnten), auszuschalten. Ich wehre mich mit aller Entschiedenheit gegen eine einseitige Deutung des II. Vatikanums, die der Hermeneutik des Bruches verpflichtet ist und halte mich damit treu an die Auslegung, wie sie von unserem Heiligen Vater gemacht wird, wie ich im übrigen überhaupt versuche, mich an die Vorgaben des Magisteriums zu halten. Damit bin ich als Katholik, der seine "participatio actuosa" seit über 30 Jahren in verschiedenen Aufgabenbereichen seiner Wohnortgemeinden immer wieder mehr als erfüllt, eher ein Störenfried als ein gern gesehener Mitarbeiter im Steinbruch des Herrn. Ich blicke (mit wenigen Ausfalljahren) auf eine fast 30-jährige aktive Zeit zurück, die deutlich vom allgemeinen Glaubensverfall und einer Verwohnzimmerung unserer Volxkirche.
Mir liegt es fern, in einer Antihaltung gegen diese verwohnzimmerte Kirche das Heil zu suchen. Frei nach Dietrich von Hildebrand: Die Wahrheit wird nicht dadurch errungen, indem man versucht, eine Fehlhaltung durch eine andere Fehlhaltung zu ersetzen.
Mir liegt es auch fern, jemanden durch meine Philippika missionieren zu wollen.
Ich möchte lediglich dazu anregen, das als normal empfundene alltägliche Sosein unserer deutschen Kirchenrealität in all seiner Provinzialität, Verschrobenheit, Arroganz und (verzeiht die folgenden Worte!) manchmal sektiererischen Antikatholizität so darzustellen, daß es nicht mehr als das Normale gesehen wird sondern als das, was es ist, nämlich Kryptoprotestantismus.
Der Weg dazu ist der Weg der satirischen Überzeichnung, des kabarettistischen Schreibens. Durch die Überzeichnung kommen Konturen deutlicher hervor, werden Momente der Verfremdung erzeugt, die einen anderen Blick auch aus der Distanz ermöglichen.
Kabarett und Satire haben im besten Sinne mit Humor zu tun. Humor ist kein bloßes Witzemachen. (Ich kenne Leute, die können stundenlang Witze erzählen, haben aber nicht den geringsten Humor!) Humor will etwas ändern und nicht bloß Lacher ernten.
Humor jedoch entsteht nur durch die empfundenes Leiden. Leiden kann ich jedoch nur, wenn ich auch zu tiefer Liebe fähig bin.
Ich liebe nicht nur ( wie Gustav Heinemann) meine Frau, meine Eltern, Freunde etc. jeden auf seine besondere Art und Weise, ich liebe auch meine Kirche. Daher leide ich auch mit ihr. Ich leide an dümmlichen Auftritten gewisser Funktionärskader genauso wie an einem miserablen Kirchenbau, der den Namen Kirche nicht verdient oder an einer miserablen Kirchnmusik, die ihr höchstes Ziel, nämlich zur Verehrung Gottes zu erklingen, nicht mehr im Blick hat und nur noch zur Bespaßung der Gemeinde gemacht wird. Das ist heute alles leider so selbstverständlich und wird einfach hingenommen und getan.
Dagegen schreibe ich meine Einträge im Sinne eines "blogere cum ecclesia", nicht mehr und auch nicht weniger.
Wem es nicht gefällt, der kann es ja schreiben oder soll woanders kuscheln gehen!!!
Das war jetzt mal ganz schnell hingekloppt!

Mahlzeit zusammen!

Kommentare:

Stanislaus hat gesagt…

Ich glaube, gegen Dein Blog war die ganze Kritik der Lamentierer nicht gemeint.

franz12 hat gesagt…

Recht so. Bissiger Humor ist oft die einzige Chance, Bewußtsein zu bilden.
Es hört ja kaum noch jemand zu. Es ist ein Gewimmel von Stimmen, es ist immer derselbe Tonfall, die gleiche Ansicht einer political correctness im gesellschaftlichen Sinn auch in der Kirche; wenn man wirklich etwas anderes sagt, dann geht das nur über bissigen Humor.
Gratulation.

Laurentius Rhenanius hat gesagt…

@ Stanislaus:

Hab ich auch nicht so verstanden!

Anonym hat gesagt…

Lieber anonymer Kaplan, ich bin diejenige von der Sie vermutlich annahmen, ich sei eine Konvertitin und hätte entsetzt auf die Äußerungen von Stanislaus reagiert. Beides ist nicht ganz richtig. Ich bin, wenn überhaupt, "Revertitin" und "entsetzt" ist ein Schlag zuviel. Ich hab mich an "Weiber und Tucken" gestört, und das hab ich zum Ausdruck gebracht. Auch an manchen anderen Formulierungen in der Blogozese hab ich mich schon gestört und das dann auch zum Ausdruck gebracht. Ich hoffe, dass die Blogozese das längerfristig vertragen kann, auch wenn sie im Moment (für meinen Geschmack) etwas überempfindlich auf Kritik zu reagieren scheint. Ansonsten hab ich in dem, was sich "Blogozese" nennt und was ich erst vor wenigen Monaten entdeckt habe, schon sehr viel gelernt. Ich stimme nicht mit allen, aber doch mit vielen hier oft sachlich und oft sehr kenntnisreich vorgetragenen Ansichten überein. Ihnen möchte ich in zwei Punkten widersprechen.
1. Ich glaube nicht, dass man das ZdK von innen ändern kann, und ich bin auch der Meinung, dass die Auswahl von Themen, die das ZdK als wichtig und brennend wahrnimmt, doch sehr eingeschränkt ist. Die Frage nach den Ursachen des Glaubensschwunds jenseits von den Lieblingsthemen Zölibat, Laienmitbestimmung usw., die Frage danach, was jeder von uns dagegen tun kann (die des Zeugnisgebens also), die Frage nach der religiösen Erziehung und die nach der Banalisierung oder Verunstaltung der Liturgie als Grund für die Flucht von zumindest vielen Kirchenmitgliedern mit relativ schwacher Bindung, höre ich aus dieser Richtung eigentlich nie gestellt. Vielleicht wird sie ja gestellt, aber dann funktionieren die Pressekontakte hier längst nicht so gut wie bei den allseits bekannten leidigen und bis zum Überdruss wiederholten Schlagworten. Fortsetzung s. nächstes posting

Anonym hat gesagt…

2. Und dass man in einer Pfarrei bzw richtiger einem Pfarreiengremium einfach so anderer Ansicht sein kann, entspricht auch nicht meiner Erfahrung. Ich habe mich zB in das Lektorenamt dergestalt einteilen lassen, dass ich meinen Namen eines Tages auf einer email fand, die mir das Pfarrbüro zugeschickt hat und habe noch nicht einmal dagegen protestiert, dass man mich vorher nicht gefragt hat. Das nenne ich eigentlich recht pflegeleicht, oder? Der Pfarrer fand es jedoch so unerträglich, dass ich zu den "Skandalen" der vergangenen 3 Jahre Motu proprio, Aufhebung der Exkommunikation der schismatischen Bischöfe, Afrikareise des Papstes und Missbrauch von Minderjährigen durch Priester (bzw besser von ihm schon lange davor vermuteter Zusammenhang von Zölibat und Pädophilie, was mir als Naturwissenschaftlerin gegen den Strich ging) gelegentlich eine Meinung hatte, die von seiner in Predigten ad lib vorgetragenen abwich, dass er mich bei einem Lektorentreffen regelrecht vorgeführt hat. Und das, obwohl ich ihm meine Sichtweise stets direkt vorgetragen und mir keine Scharmützel mit ihm vor Publikum geliefert hatte, womöglich gar noch "mit Schaum vorm Mund". Ich möchte auch hier die Details nicht ausbreiten, aber ich denke, dass Sie, wenn ich es täte, verstehen würden, dass ich das Lektorenamt seitdem nicht mehr ausübe. In dieser Pfarrei gibt man sich übrigens ungewöhnlich viel Mühe mit der Liturgie. Umso weniger verstehe ich es, dass auch dieser Pfarrer es für nötig hält, das Hochgebet aus mehreren Hochgebeten zusammenzustückeln oder so einfache Sätze wie "Komm uns zu Hilfe mit deinem Erbarmen" in "Komm uns entgegen" umzuändern. Ich verstehe diese ja anscheinend unvermeidliche Änderitis einfach nicht. Was soll das? Dass es in seinem persönlichen Erfahrungshorizont evtl. eine Bedeutung hat, kann doch nicht heißen, dass er es allen anderen aufzwingen muss. Tatsächlich finde ich es wesentlich einsichtiger, Gott um Hilfe anzuflehen als um ein laues Entgegenkommen. Wenn ich es mit Menschen zu tun bekomme, die sich für den katholischen Glauben interessieren, aber oft auch Angst davor haben, zeige ich ihnen gerne den Einleitungsvers des Stundengebets "O Gott komm mir zu Hilfe, Herr, eile mir zu helfen".Gott kommt mir zu Hilfe und er soll sogar eilen. Nicht ich, ER! Warum das in ein lahmes Entgegenkommen ändern? Sie sagten übrigens, wenn ich das recht erinnere, auf dem Blog von Stanislaus, dass Sie den Messbesuch verdreifachen konnten, nur indem Sie die Messe ohne Spirenzien nach dem Messbuch feiern. Spricht das nicht für sich und zeigt schon, wo der Hund begraben liegt? Und auch, dass viele der Blogger recht haben?
Ich werde diese Antwort auch noch bei Superpellicum posten (wenn ich es technisch hinkriege), weil ich meinen Anteil an der derzeitigen Aufregung etwas klären möchte. Und sollte es wahr sein, dass "Gespräche am Jakobsbrunnen" den Blog wegen der derzeitigen Irritation geschlossen hat, dann finde ich das sehr schade und hoffe auf ein Überdenken dieser Entscheidung. Denn ja, ich finde dass viele Blogger hier ein öffentliches Zeugnis ablegen, und das ist genau das, was uns in unserer Kirche fehlt. Dass es dabei zu Irritationen kommt und dass es unterschiedliche Ansichten gibt, das eine oder andere missverstanden wird oder die eine oder andere Ansicht sich vielleicht auch mal an Kritik abarbeiten oder abschleifen muss, ist seit dem Evangelium und seit Paulus bekannt. Das muss ausgehalten werden.
Viele Grüße
Gabriele