Dienstag, 22. Juni 2010

Neues von Newman

Wie schon im letzten Post geht es auch in diesem um Erkenntnisse aus meiner Abendlektüre, der "Apologia pro vita sua". Seit Tagen fesselt es mich abends mehr und mehr, da ich mich im Text seiner inneren wie äußeren Konversion nähere. Doch neben dem Originaltext in einer guten Übersetzung bietet das Buch durchaus lesenswerte Endnoten.
So findet sich in der Anmerkung 61 eine knappe und gute Darstellung einer Ketzerbewegung, einer antitrinitarischen Sekte des 16. Jh., die nach ihren Begründern Faustus und Laelius Sozinus als "Sozinianismus" in die Geschichte eingegangen ist. Die Grundstruktur ist mit folgenden Punkten zu beschreiben:
"1. Die Schrift ist alleinige Glaubensquelle und die Vernunft entscheidet über den echten Schriftinhalt.
2. Gott ist streng einpersönlich.
3. Christus ist bloßer Mensch und wurde zum Empfang seiner Offenbarung vor dem öffentlichen Auftreten in den Himmel aufgenommen.
4. Der Mensch ist absolut frei und um dieser Freiheit willen wurde Gottes Allwissenheit und Allmacht eingeschränkt.
5. Die Erlösung durch Christus besteht nur in Lehre und Beispiel, nicht in seinem Sühnetod und seiner stellvertretenden Genugtuung.
6. Die Sakramente sind leere Zeremonien.
7. Es gibt keine Auferstehung des Fleisches und keine Unsterblichkeit der Gottlosen, sondern nur eine ewige Seligkeit der Frommen." (441)

Irgendwie kommt mir das alles nicht wie eine Ketzerei des 16. Jahrhunderts vor. Irgendwie erscheint es mir sehr aktuell. Es könnte auch aus einer aktuellen "Sinus-Studie" über den aktuellen Glaubensstand in Deutschland sein. Sicherlich läßt sich das nicht alles 1:1 auf heute übertragen. Es gibt Weiterentwicklungen. Wer würde heute schon solchen unvernünftigen transzendenten Krempel vertreten, wie er im zweiten Teil von 3. behauptet wird. Die Heilige Schrift mit ihren Wundern ist schon schlimm genug, da muß man ja nicht noch eine Aufnahme in den Himmel mehr behaupten, oder?
Ähnliches habe ich zu Genüge auf div. Pastoralkonferenzen gehört, an denen ich die Ehre hatte, teilnehmen zu müssen. Die Sprachlosigkeit, die sich in manchem "Katechese-Leit(d!)faden auf vielen gefüllten Seiten aussprach, wenn es um die Bedeutung der Sakramente ging, die zum Teil komplett falschen Darstellungen zur Trinität, Göttlichkeit Jesu mit denen diverse Pfarrer und nichtgeweihte Hauptämtler diese Heftchen noch verbal flankierten, alles das erinnert mich doch an Sozinus & Co. Was ist es nun Semi-, Neo-, Deutero-, Quasisozinianismus oder gar einfach nur noch geballtes Unwissen?
Es ist auf jeden Fall wenig katholisch und noch weniger römisch!

1 Kommentar:

blueberry hat gesagt…

Interessante Lektüre...!
Vor allem die Punkte 1, 4 und 6 sehe ich im Heute stark vertreten;
Hauptsache den Menschen groß (und Gott klein) machen.
Oder?