Donnerstag, 15. April 2010

Zur Auferbauung

Zur Erinnerung und zur Auferbauung in stürmischen Zeiten eine Predigt des Seligen Clemens August Card. von Galen aus noch viel härteren Zeiten, gehalten
Ungekürzt und ohne zeitgemäße Auslassungen!

"Meine lieben Diözesanen von Münster!

Am heutigen Sonntag wird in allen Gemeinden der Diözese, die bisher selbst nicht durch Kriegsschäden gelitten haben, die von mir angeordnete Kollekte gehalten für die Bewohner der Stadt Münster. Ich hoffe, daß es durch das Eingreifen, der dafür zuständigen staatlichen und städtischen Stellen und die brüderliche Hilfe der Katholiken unseres Bistums, deren Spenden die Caritasstellen verwalten und verteilen werden, gelingen wird, vielerlei Not zu lindern.Gott sei Dank: Seit mehreren Tagen haben neue Angriffe der Kriegsgegner unsere Stadt nicht mehr erreicht. Aber leider muß ich sagen: die Angriffe unserer Gegner im Inneren des Landes, deren Beginn ich am vorigen Sonntag in St. Lampert besprochen habe, sind in der letzten Woche, unbekümmert um unsere Proteste, unbekümmert um das Herzeleid, das dadurch den Betroffenen, ihren Angehörigen bereitet wird, fortgeführt worden.

Am vorigen Sonntag habe ich öffentlich beklagt und als himmelschreiendes Unrecht gebrandmarkt, daß die G.ST.A.P.O. die Ordensniederlassungen der Immakulataschwestern in Wilkinghege und der Jesuiten in Münster aufgehoben, Häuser und Inventar beschlagnahmt, und die Bewohner auf die Straße gejagt, aus der Heimat vertrieben hatte. Auch das Lourdeskloster an der Frauenstraße wurde für die Gauleitung beschlagnahmt. Ich wußte damals noch nicht, daß am gleichen Tage, am Sonntag, dem 13.7., die GSTP das Kamilluskloster-Kolleg Mauritz-Sudmühle und unsere Benediktiner Abtei St. Josef in Gerleve b. Coesfeld besetzte, beschlagnahmte und die Patres und Brüder von dort vertrieb. Die Benediktinerinnen von der ewigen Anbetung wurden am 15. Juli von Vinnenberg bei Warendorf ausgetrieben und über die Provinzgrenze verjagt. Am 17. Juli mußten die Kreuzschwestern im Hause Aspel bei Rees ihr Besitztum und den Kreis verlassen.

Vor wenigen Stunden bekam ich die Trauernachricht, daß gestern am 19. Juli zum Abschluß dieser Schreckenswoche für unser Münsterland, die Geheime Staatspolizei auch das deutsche Provinzialhaus der Missionare vom hl. Herzen Jesu, das Euch allen wohl bekannte große Missionskloster in Hiltrup, besetzt, beschlagnahmt und enteignet hat. Die noch dort wohnenden Patres und Brüder mußten bis gestern abend 8 Uhr ihr Heim und ihren Besitz verlassen. Auch sie sind aus Westfalen und wiederum aus der Rheinprovinz ausgewiesen. Die dort noch wohnenden Patres und Brüder: ich sage das mit besonderer Betonung: denn aus der Reihe der Hilltrupper Missionare stehen zur Zeit, wie ich kürzlich von zuverlässiger Seite zufällig erfuhr, 161 Männer als deutsche Soldaten im Felde, teilweise direkt vor dem Feind! 53 Patres von Hiltrup sind als Sanitäter im Dienste der verwundeten Soldaten im Felde tätig! 42 Theologen und 66 Brüder dienen als Soldaten mit der Waffe dem Vaterland, sind teilweise mit E. K., mit dem Sturmabzeichen und anderen Auszeichnungen geschmückt. Ähnlich ist es bei den anderen Orden, den Patres von Sudmühle, bei den Jesuiten von Sentmaring und bei den Benediktinern in Gerleve. Während diese deutschen Männer an der Front stehen, unter Einsatz ihres Lebens, gehorsam ihrer Pflicht für die Heimat, kämpfen, wird ihnen im Vaterland rücksichtslos und ohne jeden Rechtsgrund die Heimat genommen, das klösterliche Elternhaus zerstört. Wenn sie, wie wir hoffen, siegreich wiederkommen, finden sie ihre Klosterfamilie von Haus und Hof vertrieben, ihre Heimat von Fremden, von Feinden besetzt! Soviel ich weiß, gibt es ein Gesetz, wonach man keinem deutschen Mann, der als Soldat dient, die Wohnung und den Arbeitsplatz nehmen darf. Ob dieses Gesetz für die G.ST.A.P.O. und ihre Auftraggeber nicht gilt? Sind unsere Ordensleute nicht auch deutsche Männer? Die eine Wohnung haben und verdienen, daß ihnen ihr Arbeitsplatz nicht genommen wird, nachdem sie der Heimat und dem Vaterlande dienen durften? Was soll das? Wie soll das enden? Es handelt sich nicht etwa darum, für obdachlose Bewohner von Münster eine vorübergehende Wohnung zu schaffen. Die Ordensleute waren bereit und entschlossen, ihre Wohnungen für solche Zwecke aufs äußerste einzuschränken, um gleich andere Obdachlose aufzunehmen und zu verpflegen. Nein, darum handelt es sich nicht: Im Immakulatakloster in Wilkinghege richtet sich, wie ich höre, die Gaufilmstelle ein. Man sagt mir, in der Benediktiner Abtei St. Josef werde ein Entbindungsheim für uneheliche Mütter eingerichtet. Was in Sentmaring, in Sudmühle und im Kloster Vinnenberg eingezogen ist, habe ich noch nicht erfahren.

Ich bin am Montag, 14. Juli, persönlich beim Herrn Regierungspräsidenten gewesen und habe ihn um Schutz und Hilfe für die Freiheit und das Eigentum schuldloser deutscher Menschen gebeten. Er hat mir erklärt, daß die G.ST.A.P.O. eine völlig selbständige und von der Regierung unabhängige Behörde sei, in deren Maßnahmen er nicht eingreifen könne. Er hat mir aber versprochen, meine Beschwerden und Bitten sofort dem Herrn Oberpräsidenten und Gauleiter Dr. Meyer vorzutragen. Es hat nichts genützt! Am gleichen Montag, den 14. Juli, habe ich an die Reichskanzlei des Führers in Berlin ein Telegramm gesandt mit folgendem Wortlaut:

Nachdem seit dem 6. Juli die Kriegsgegner die Stadt Münster mit furchtbaren Nachtangriffen zu zerstören versuchten, hat die G.ST.A.P.O. am 12. Juli begonnen, die Klöster und Ordenshäuser in Stadt und Umgebung zu beschlagnahmen und samt Inventar zum Gunsten der Gauleitung zu enteignen. Die Bewohner, schuldlose Männer und Frauen, ehrenhafte Mitglieder deutscher Familien, deren Angehörige zum Teil als Soldaten für Deutschland kämpfen, werden ihres Heimes und Eigentums beraubt, auf die Straße gejagt und aus der Heimatprovinz verbannt. - Ich bitte den Führer und Reichskanzler, im Interesse der Gerechtigkeit und Geschlossenheit der inneren Front, um den Schutz der Freiheit und des Eigentums deutscher Menschen gegen die Willkür der G.ST.A.P.O. und gegen Beraubung zu Gunsten der Gauleitung.

Ähnliche Bitten habe ich telegrafisch dem Reichsstatthalter für Preußen, Reichsmarschall H. Göring, dem Reichsinnenminister, dem Reichskirchenminister und schließlich auch dem Oberkommando der Wehrmacht unterbreitet. Ich hatte gehofft, daß, wenn nicht Erwägungen der Gerechtigkeit, so doch wenigstens die Erkenntnis der Folgen für die Geschlossenheit der inneren Front jetzt im Kriege jene Stellen bewegen würde, dem Vorgehen der G.ST.A.P.O. gegen unsere Brüder und Schwestern Einhalt zu tun, und daß man schuldlos deutschen Frauen ritterlichen Schutz nicht versagen werde. Es war vergebens!

Das Vorgehen wurde fortgesetzt, und es ist bereits eingetreten, was ich schon lange vorausgesehen und am vorigen Sonntag gesagt habe: Wir stehen vor den Trümmern der inneren Front. Volksgemeinschaft, die in diesen Tagen rücksichtslos zerschlagen wurde.

Ich habe den Regierungspräsidenten, die Herren Minister, das Oberkommando der Wehrmacht eindringlich darauf hingewiesen, wie diese Gewalttaten gegen unbescholtene deutsche Männer, wie diese Roheit gegenüber wehrlosen deutschen Frauen, die aller Ritterlichkeit Hohn sprechen und nur aus einem abgründigen Haß gegen die christliche Religion und gegen die katholische Kirche entspringen können, wie diese Machenschaften geradezu wie Sabotage und Sprengung der Volksgemeinschaft wirken.

Volksgemeinschaft mit den Männern, die unsere Ordensleute, unsere Brüder und Schwestern ohne Rechtsgrund, ohne Untersuchung, Verteidigungsmöglichkeit und Gerichtsurteil, wie Freiwild aus dem Lande hetzen? Nein! Mit ihnen und allen dafür Verantwortlichen ist mir keine Gemeinschaft im Fühlen und Denken mehr möglich! Ich werde sie nicht hassen, ich wünsche von Herzen, daß sie zur Einsicht kommen und sich bekehren. - Wie ich auch sofort ein fürbittendes Gebet zum Himmel sandte für die Seele des am 5. Juli plötzlich verstorbenen Ministerialdirigenten Roth. Er war katholischer Priester der Diözese München, war seit Jahren ohne Erlaubnis und gegen den Willen seines Bischofs Beamter des Reichskirchenministeriums und hat gar viele, die Rechte der Kirche verletzenden und die Würde der Kirche kränkenden Schriftstücke für den Minister Kerrl verfaßt und unterzeichnet. Jetzt ist er bei einer Bootsfahrt auf dem Inn verunglückt und im reißenden Strom ertrunken. Gott sei seiner armen Seele gnädig! - So wollen wir nach dem Gebot des Herrn beten für alle, die uns verfolgen und verleumden. Aber solange sie sich nicht ändern, solange sie fortfahren, Unschuldige zu berauben, aus dem Lande zu treiben, einzukerkern, solange lehne ich jede Gemeinschaft mit ihnen ab. Nein, die Gemeinsamkeit und die Gesinnung und Streben in unserem Volke ist gegen unseren Willen ungeachtet unserer Warnungen zerrissen, ist unheilbar zerstört. Ich kann mir nicht vorstellen, daß unsere alteingesessenen Bürger und Bauern, Handwerker und Arbeiter, daß Eure Väter, Brüder und Söhne, die jetzt an der Front ihr Leben für Deutschland einsetzen, mit den Verfolgern und Vertreibern der Ordensleute irgendeine Gesinnungsgemeinschaft pflegen werden.

Wir werden ihnen gehorchen, soweit sie als Vertreter der rechtmäßigen Obrigkeit uns Befehle zu erteilen haben. Aber Gesinnungsgemeinschaft, ein Gefühl innerer Verbundenheit mit diesen Kirchenverfolgern, mit diesen Klosterstürmern, die wehrlose Frauen und Mädchen, Kinder unserer besten Familien, unsere Schwestern aus ihrer klösterlichen Heimat jagen, wo sie teilweise seit Jahrzehnten in Gebet und Arbeit nur Gutes unserem Volke getan haben, das kann es für uns nicht geben. Ich müßte mich schämen, vor Gott und vor Euch, ich müßte mich schämen vor unseren edlen Vorfahren, vor meinem ritterlichen adeligen Vater, der meine Brüder und mich mit unerbitterlichem Ernst zu zarter Hochachtung vor jeder Frau und jedem Mädchen, zu ritterlichem Schutz aller unschuldig Bedrängten, besonders jener, die als Frauen Abbilder unserer eigenen Mutter, ja der lieben Mutter Gottes im Himmel sind, ermahnt, erzogen und angeleitet hat ..., wenn ich Gemeinschaft halten würde mit jenen, die schuldlose und schutzlose Frauen aus Heim und Heimat vertreiben und obdachlos und mittellos aus dem Lande jagen! Dazu kommt, was ich schon am letzten Sonntag in der Lambertikirche ausführlich bewiesen habe, was ich heute noch einmal mit großem Ernst aus Liebe zu Volk und Vaterland warnend sage: Dieses strafweise Vorgehen der G.ST.A.P.O. gegen Schuldlose, Verdammung von vornhinein Verurteilter ohne Gerichtsurteil und ohne gerichtliches Verfahren und jeglicher Verteidigungsmöglichkeit Beraubter, wie Reichsminister Dr. Frank es genannt hat, zerstört die Rechtssicherheit, untergräbt das Rechtsbewußtsein und vernichtet das Vertrauen auf die Staatsführung!

Gewiß! Wir Christen machen keine Revolution! Wir werden weiter treu unsere Pflicht tun im Gehorsam gegen Gott, aus Liebe zu unserem deutschen Volk und Vaterland. Unsere Soldaten werden kämpfen und sterben für Deutschland, aber nicht für jene Menschen, die durch ihr grausames Vorgehen gegen unsere Ordensleute, gegen ihre Brüder und Schwestern, unsere Herzen verwundeten und dem deutschen Namen vor Gott und den Mitmenschen Schmach antun. Wir kämpfen tapfer weiter gegen den äußeren Feind. Gegen den Feind im Innern, der uns peinigt und schlägt, können wir nicht mit Waffen kämpfen. Da bleibt uns nur ein Kampfesmittel: starkes, zähes, hartes Durchhalten!

Hart werden, fest bleiben! Wir sehen und erfahren jetzt deutlich, was hinter den neuen Lehren steht, die man uns seit einigen Jahren aufdrängt, denen man zuliebe die Religion aus der Schule verbannt hat, unsere Vereine unterdrückt hat, jetzt die katholischen Kindergärten zerstören will: abgrundtiefer Haß gegen das Christentum, das man ausrotten möchte! Wenn ich recht unterrichtet bin, hat das auch der Schulungsleiter Schmidt vor 14 Tagen in der Stadthalle vor einem zwangsweise geladenen Publikum, darunter Schüler und Schülerinnen, offen ausgesprochen. Und der Kreisleiter Mierig hat begeistert Beifall gespendet und versprochen, für die Ausführung solcher Pläne sich einzusetzen. Hart werden, fest bleiben! Wir sind in diesem Augenblick nicht Hammer, sondern Amboß. Andere, meist Fremde und Abtrünnige, hämmern auf uns, wollen mit Gewaltanwendung unser Volk, uns selbst, unsere Jugend neu formen, aus der geraden Haltung zu Gott verbiegen. Wir sind Amboß, nicht Hammer. Aber seht einmal zu in der Schmiede! Fragt den Schmiedemeister und lasset euch sagen: Was auf dem Amboß geschmiedet wird, erhält seine Form nicht bloß vom Hammer, sondern auch vom Amboß. Der Amboß kann nicht und braucht auch nicht zurückschlagen, er muß nur fest, nur hart sein! Wenn er hinreichend fest, zäh, hart ist, dann hält meistens der Amboß länger als der Hammer. Wie heftig der Hammer auch schlägt, der Amboß steht in ruhiger Festigkeit da und wird noch lange dazu dienen, das zu formen, was neu geschmiedet wird.

Was jetzt geschmiedet wird, das sind die ungerecht Eingekerkerten, die schuldlos Ausgewiesenen und Verbannten. Gott wird ihnen beistehen, daß sie Form und Haltung christlicher Festigkeit nicht verlieren, wenn der Hammer der Verfolgung sie bitter trifft und ihnen ungerechte Wunden schlägt.

Was in diesen Tagen geschmiedet wird, sind unsere Ordensleute, Patres, Brüder und Schwestern. Ich habe vorgestern einen Teil der Vertriebenen in ihren provisorischen Unterkünften besuchen können und mit ihnen gesprochen. Ich habe mich erbaut und begeistert an der tapferen Haltung der braven Männer, der schwachen wehrlosen Frauen, die man roh und rücksichtslos aus ihrer Klosterheimat, aus der Kapelle und der Nähe des Tabernakels verjagte; die nun erhobenen Hauptes, im Bewußtsein ihrer Schuldlosigkeit, in die ungerechte Verbannung gehen, vertrauend auf jenen, der die Vögel des Himmels speist und die Lilien des Feldes kleidet, ja freudig in jener Freude, die der Heiland seinen Jüngern empfiehlt: Selig seid ihr, wenn Euch die Menschen hassen und verfolgen um meinetwillen. Freuet Euch und frohlocket, denn Euer Lohn ist groß im Himmel! Wahrhaftig, diese Männer und Frauen sind Meisterwerke der göttlichen Schmiedewerkstatt. Was in dieser Zeit geschmiedet wird zwischen Hammer und Amboß ist unsere Jugend. Die heranwachsende, die noch unfertige, die noch bildungsfähige, weiche Jugend. Wir können sie den Hammerschlägen des Unglaubens, der Christusfeindlichkeit, den falschen Lehren und Sitten nicht entziehen! Was wird ihnen vorgetragen und aufgedrängt in ihren Heimabenden und den Dienststunden jener Jugendvereinigungen, denen sie, wie man sagt, unter Zustimmung ihrer Eltern freiwillig beigetreten sind? Was hören sie in den Schulen, in die heute alle Kinder ohne Rücksicht auf den Willen der die Eltern hineingezwungen werden? Was lesen sie in den neuen Schulbüchern? Laßt euch doch, christliche Eltern, die Bücher zeigen, besonders die Geschichtsbücher der höheren Schulen. Ihr werdet entsetzt sein, mit welcher Unbekümmertheit um die geschichtliche Wahrheit da versucht wird, die unerfahrenen Kinder mit Mißtrauen gegen Christentum und Kirche, ja mit Haß gegen den christlichen Glauben zu erfüllen. In den bevorzugten staatlichen Lehranstalten, den Hitlerschulen und den neuen Lehranstalten für künftige Lehrer und Lehrerinnen, wird jeder christliche Einfluß, ja jede wirklich religiöse Betätigung grundsätzlich ausgeschlossen. - Und was geschieht mit den im letzten Frühjahr unter Hinweis auf die Luftgefahr in ferne Gegenden verschickten Kindern? Wie steht es mit dem Religionsunterricht? Und mit der Übung der Religion? Christliche Eltern, um all das müßt ihr euch kümmern, sonst versäumt ihr eure heiligsten Pflichten, sonst könnt ihr nicht bestehen vor eurem Gewissen in jenem, der euch die Kinder anvertraut, damit ihr sie auf den Weg zum Himmel führt.

Wir sind Amboß, nicht der Hammer! Ihr könnt eure Kinder, das edle, aber noch ungehärtete und ungestählte Rohmaterial leider den Hammerschlägen der Glaubensfeindlichkeit, der Kirchenfeindlichkeit nicht entziehen. Aber der Amboß formt mit. Laßt euer Elternhaus, laßt eure Elternliebe und -treue, laßt euer vorbildliches Christenleben der starke, zähe, feste und unerschütterliche Amboß sein, der die Wucht der feindlichen Schläge auffängt, der die noch schwache Kraft der noch jungen Menschen immer wieder stärkt und festigt in dem heiligen Willen, sich nicht biegen zu lassen in der Richtung zu Gott.

Was in dieser Zeit geschmiedet wird, seid fast ohne Ausnahme ihr alle. Wie viele sind abhängig durch Pensionen, Staatsrenten, Kinderbeihilfen und ähnliches. Wer ist denn heute noch unabhängig und freier Herr in seinem Besitz und Geschäft?

Es mag sein, daß zumal im Krieg eine starke Überwachung und Lenkung, ja auch Zusammenfassung und Zwangssteuerung von Produktion und Wirtschaft, von Erzeugung und Verbrauch notwendig sind, und wer wird das nicht aus Liebe zu Volk und Vaterland willig tragen? Aber damit ist auch eine Abhängigkeit jedes Einzelnen von vielen Personen und Dienststellen gegeben, die nicht nur die Freiheit des Handelns beschränken, sondern auch die freie Unabhängigkeit der Gesinnung in schwere Gefahr und Versuchung bringen, wenn diese Personen und Dienststellen zugleich eine christentumfeindliche Weltanschauung vertreten und bei den von ihnen Abhängigen durchzusetzen versuchen. Erst recht ist eine solche Abhängigkeit gegeben bei allen Beamten, und welcher Mut, welcher Heldenmut mag für manche Beamte dazu gehören, sich trotz allen Druckes noch immer als echte Christen, als treue Katholiken zu beweisen und öffentlich zu bekennen.

Wir sind zur Zeit Amboß und nicht Hammer. Bleibt stark, fest und unerschütterlich wie der Amboß bei allen Schlägen, die auf ihn niedersausen, im treuesten Dienst für Volk und Vaterland, aber stets auch bereit, im äußersten Opfermut nach dem Wort zu handeln: Man muß Gott mehr gehorchen, als den Menschen! Durch das vom Glauben geformte Gewissen spricht Gott zu jedem von uns. Gehorcht stets unweigerlich dem Gewissen. Nehmt euch zum Beispiel und Vorbild jenen preußischen Justizminister der alten Zeit - ich habe ihn früher schon einmal erwähnt -, dem einst König Friedrich der Große das Ansinnen stellte, er solle sein gesetzmäßig gefälltes Gerichtsurteil nach dem Wunsche des Monarchen umstoßen und ändern. Da hat dieser echte Edelmann, ein Herr von Münchhausen, seinem König die prachtvolle Antwort gegeben: Mein Kopf steht Euer Majestät zur Verfügung, aber nicht mein Gewissen! Ich bin bereit, für meinen König zu sterben, ja, ich wünsche im Gehorsam sogar den Tod von Henkers Hand annehmen, mein Leben gehört dem König, nicht aber mein Gewissen!

Ist das Geschlecht solcher Edelleute, die so gesinnt sind und so handeln, sind die preußischen Beamten dieser Art ausgestorben? Gibt es nicht mehr Bürger und Bauern, Handwerksmeister und Arbeiter von gleicher Gesinnung? Von gleicher Gewissenhaftigkeit und gleichem Edelmut? Das kann, das will ich nicht glauben. Und darum noch einmal: Werdet hart, werdet fest, bleibt standhaft, wie der Amboß unter den Hammerschlägen! Es kann sein, daß der Gehorsam gegen Gott, die Treue gegen das Gewissen mir oder euch das Leben, die Freiheit, die Heimat kostet. Aber: Lieber sterben, als sündigen! Möge Gottes Gnade, ohne die wir nichts vermögen, euch und mir diese unerschütterliche Festigkeit geben und erhalten!

Meine lieben Katholiken von Münster! Nachdem in der Nacht vom 7. zum 8. Juli das Seitenschiff des Domes von einer Sprengbombe durchschlagen war, hat in der folgenden Nacht eine an der Außenwand herabkommende Bombe den Ludgerusbrunnen, das Denkmal der Rückkehr des seligen Bischofs Johann Bernhard aus der Verbannung im Jahre 1884 zerstört. Die Statuen der beiden Bischöfe Suitger und Erpho an beiden Seiten des Denkmals sind stark beschädigt. Fast unzerstört geblieben ist die Steinfigur des hl. Liudger, des Apostels unseres Münsterlandes und ersten Bischofs von Münster. Segnend, zum Himmel weisend, erhebt er die unbeschädigt gebliebene rechte Hand, gleich, als sollte uns durch die fast wunderbare Errettung dieses Bildes die Mahnung zugerufen werden: Was auch kommen mag, haltet fest an dem von Gott geoffenbarten, von den Vorfahren ererbten katholischen Glauben! In aller Zerstörung menschlicher Werke, in aller Not und Sorge, in aller Bedrängnis und Verfolgung: Empor die Herzen! Sankt Ludger ermahnt euch. Ich, sein 70. Nachfolger auf dem Münsterbischofsstuhl, ermahne euch mit den Worten, die in der ersten Christenverfolgung der erste Papst den bedrängten Christen schrieb: Demütigt euch unter Gottes allmächtige Hand, dann wird er zur rechten Stunde euch erhöhen. Werfet alle Sorgen auf ihn, denn er nimmt sich eurer an. Seid nüchtern und wachsam, denn euer Feind, der Teufel, geht umher wie ein nach Beute brüllender Löwe. Widersteht ihm standhaft im Glauben. Der Gott aber aller Gnaden, der euch durch Christus Jesus berufen hat, nach kurzer Leidenszeit in seine Herrlichkeit einzugehen, er wird euch ausrüsten, stärken, festmachen. Ihm sei Ehre und Herrlichkeit von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen!.

Lasset uns beten für unsere verbannten Ordensleute, für alle, die ungerecht leiden müssen, für alle Notleidenden, für unsere Soldaten, für Münster und seine Bewohner, für Volk und Vaterland und seinen Führer."

Kommentare:

Conservare hat gesagt…

Eine der besten Predigten aus dieser Zeit. Das Zitat mit Hammer und Ambos habe ich auch schon auf mein Blog übernommen und diese paar Worte machen mir schon sehr viel Mut.

Elsa hat gesagt…

Wow ...