Dienstag, 6. April 2010

Back to business

Die Feiertage sind vorbei, der Alltag greift in voller Härte wieder zu.
Ostern 2010
Ein Rückblick mit viel Licht und einigen Schatten.
Nach einigen lieblos dahingeschluderten Gottesdiensten in der Wohnortgemeinde, bei denen der ortsansässige Pastor immer wieder zum "Erklärbär" mutierte, war ich es mal wieder gehörig leid! Jedes Jahr wird zu Beginn der Feiern und während der Feiern immer wieder erklärt, was und warum das jetzt gleich gemacht werden wird. Ächz...
Daneben wagte er es dann auch noch, eine offensichtlich nicht aus seinem Kopf und seiner Feder entflossenene Vorlesepredigt loszulassen, die außer einer etwas besseren Rhetorik keine nennenswerten geistlichen Inhalte transportierte. Stöhn...
Getreu dem alten Motto " I'd drive 500 miles for a latin mass!" habe ich mich dann entschlossen, lieber quer durch halb NRW zu fahren, als meine ohnehin an Unterversorgung leidende Frömmigkeit noch weiter durch eine pastoral verordnete spirituelle Nulldiät strapazieren zu lassen.
Der Karfreitag wurde in aller Ernsthaftigkeit und Kargheit in der Kirchen eines befreundeten Pfarrers begangen. Am härtesten Fastentag des Jahres bin ich derart geistlich gesättigt aus diesem Gottesdienst gegangen, daß ich, falls es so etwas überhaupt geben kann, von geistiger Völlerei reden müßte! Tief gerührt und mit der einen oder anderen Träne im Knopfloch gings auf den Heimweg... Was für eine Wohltat!
Desselbigengleichen gilt für die Feier der Osternacht!
Wieder quer durch NRW und wieder reich beschenkt.
Eine 'recte rite' gefeierte Liturgie, mit Ministranten, die wissen was sie zu tun und zu lassen haben! Die Predigt hatte Pfeffer, war kurz und ließ an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: Wir feiern den Sieg Christi, der sich für das Du und gegen das Ich entschieden hat. Die Kirche, die im Kampf gegen die immer lauter werdenden Feinde der Kirche steht. In einer Frage verlieh er seiner (Be-) Verwunderung Ausdruck, daß sich bei den angeblich so vielen Skandalen an diesem Abend so viele Menschen noch in die Kirche gewagt haben, wo doch alles so schlimm ist! Fürbitten für die im Kampfe stehende Kirche (hier verließ einer dann die Kirche!) und die Ansprache an die Täuflinge, die sich in diesem Kampf mit uns an die Seite Christi stellen wollen.
Mann, das war mal feste Kost!

Danach singt man "Fest soll mein Taufbund immer stehen!" entweder gar nicht mehr oder aus vollem Halse. Ich habe mich für letzteres entschieden!

Entscheidung, dieses Wort, daß eigentlich in den Duktus der freien, protestantischen und manchmal sektiererischen Gemeinschaften gehört, wird ein wichtiges Wort für uns Katholiken.
Entscheide ich mich für Rom, für Papst und Kirche oder bleibe ich lau, unentschlossen oder beuge mich dem Mainstream?
Radikalisierung? Fundamentalismus?
Diese Vokabeln spuken mir durch den Kopf. Auf dem Sediment des volxkirchlich-selbstverständlichen Denkens lassen sich solche Situationen kaum anders beschreiben, verkennen aber den Ernst der Situation und die gewandelten Zeiten.
Die Zeiten, in denen die Übernahme des Thekendienstes im Pfarrheim als Ausweis gelebten Christentums gelten konnten, sie sind vorbei!
In einer Zeit, in der Professoren namhafter Fakultäten Geld angeboten wird, wenn sie Benedikt XVI. der Presse an Messer liefern, da ist es mit Verständnis und Gesprächsbereitschaft und barrierefreiem Kaffeetrinken nicht mehr getan!
Kuscheln war gestern! Volkskirche war letzte Woche!
Jetzt ist Entscheidung angesagt, nicht für die Laienspielchen in der Gemeinde zu Hause!
Eine sich immer mehr radikalisierende, antikirchliche Gesellschaft verlangt entsprechendes Vorgehen mit Witz und Verstand!
Es geht um die Kirche, um den Papst, um das Christentum!
Wer sich jetzt nicht eindeutig auf die Seite des Heilgen Vaters schlägt, der macht sich mitschuldig an der Marginalisierung der katholischen Kirche!
Hilfe! Der Laurentius wird radikal!
In einer durchgearbeitskreisten Kirche, die gewohnt ist, um das Verständnis der anderen zu bitten, zu ringen, konsensorientierte Findungsgruppen bevorzugt, ist ein solches Schreiben Ausdruck radikalen Denkens.
Es geht um klare Definition eines Standortes, einer Grundüberzeugung.
Halte ich am Credo der Kirche fest oder nicht?
Bin ich bereit, dieses zu verteidigen oder nicht?

Wir sind bei den Fragen der frühen Kirche angekommen und auch ihre Probleme kehren wieder!
Einige haben Weihrauch vor dem Kaiserbild verbrannt, sind nicht in die Arena gegangen, aus sicherlich nachvollziehbaren und guten Gründen, Familie, Geschäft, Ehre, öffentliche Meinung und Ansehen, klar... aber was ist mit deren Taufgnade? Sind sie noch in der Gemeinde zugelassen?

Hic Rhodos! Hic salta!
Ins Idiom meiner Heimat etwas frei übersetzt:
Ernst is aufem Platz!
Der Anpfiff is schon längst gewesen und wenn die Mannschaft ma nich langsam ausse Puschen kommt, dann is abber nix mit Paulus und "Ich hab den guten Kampf gekämpft!" und Meisterschaft!
Ernst is auffem Platz!
Nach jedem Spiel gibbet ne Pressekonferenz, weiß jeder!
Bei uns Katholiken, jedenfalls bei denen, die noch wissen, wie dat Spiel läuft, da sagt man für diese Pressekonferenz "Endgericht"!
Wenn ihr gezz nich wollt, dat dat ma sone Konferenz gibt wie damals mit dem Trappatoni, nach diesem versägten Spiel, der muß gezz schon mal ausse eigene Hälfte kommen.
Sonst heißt es wie bei Trappatoni:" Isch habe fertich!"

Also: Back to business?
Klar, muß ja!
Aber nach diesem Ostern muß es anders weitergehen!
Wir stecken irgendwo zwischen Verrat, Gethsemane, krähendem Federvieh!
Ostern war und ist zwar, aber noch nicht ganz.

Vexilla REGIS prodeunt!

In diesem Sinne sei auch der Erzengel Michael, unser Heimatpatron angerufen, denn Deutschland hat es besonders nötig:

Hilf uns im Streite!
Zum Sieg uns leite, St. Michael!

Kommentare:

Arminius hat gesagt…

Danke!

Ulrich hat gesagt…

DANKE für diesen hevorragenden Eintrag, Glückwunsch zu diesen liturgischen Oasen, nur eine kleine Anmerkung:
Das Gerücht, der SP habe die Mio geboten, stimmt nicht, es wäre ihm zwar zuzutrauen, aber hat eindeutig das Geld nicht mehr.
Die Ente, die bis in amerikanische katholische Apologetik-Radioshows geschwappt ist, stammt von fact-fiction, dort gesteht kewil den Hoax auch ein:
http://fact-fiction.net/?p=3901

Laurentius Rhenanius hat gesagt…

@ Ulrich:

Danke für die Blumen und um den Hinweis zum SP. Hierbei geht es aber nicht um den SP sondern um Bestechungsversuche aus anderen Kanälen, die wirklich an einer der größten katholischen Fakultäten unternommen wurden!
Trotzdem Danke!

Sponsa Agni hat gesagt…

Danke, wirklich "Danke"!

Meister Athanasius hat gesagt…

Auch von mir ein herzliches Danke!

Laurentius Rhenanius hat gesagt…

Herzlichen Dank Euch allen und herzlich willkommen Meister Athanasius!