Montag, 29. März 2010

Kommentar zum Kommentar

Über Elsa bin ich auf einen Gastkommentar gekommen, den sie für ein Blog der Medienpastoral im Erzbistum Freiburg geschrieben hat.
Darauf gab es dann wiederum einen Kommentar, der -wie sollte es anders sein- zum Kirchenaustritt aufrief.
Ich konnte es mir nicht verkneifen, darauf zu antworten.

Hier der Text:
Ach Tom...

in der Hoffnung, daß Du nicht nur Deinen Kommentar einfach nur eingestellt hast und danach verschwunden bist, sondern Dich über die Weiterentwicklung informierst, werde ich Dir schreiben, warum ich diese Kirche niemals verlassen werde. Ich habe mir angewöhnt, mir von der "Müllwagenmentalität" (M. Lütz) gewisser Medien und des Volkes Meinung nicht meinen Blick auf Menschen und Institutionen verdunkeln zu lassen. Meine Kirche hat einen der brilliantesten Theologen auf dem höchsten Leitungsposten. Er ist intelligent, von der Liebe zu den Menschen getragen, führt die Kirche mit Sensibilität, Geschick und mit Sinn für das Wesentliche und denkt an die Nachhaltigkeit seiner Entscheidungen, die er, wenn möglich, in Form von Empfehlungen formuliert, die dem mündigen und einsichtigen Katholiken immer noch die Entscheidung läßt.
Wo findet man solches Verhalten im säkularen Umfeld?
Da wird es nicht einfach, eine ähnliche Persönlichkeit zu finden!
Ein solchermaßen verkrusteter Strukturbetrieb wie die von Dir angefeindete Kirche bringt immer wieder Persönlichkeiten hervor, die in ganz flexibel auf die Ansprüche der Zeit reagieren und das betonen und festhalten, was es zu bewahren gilt, Thomas von Aquin, Ignatius, Maximilian Kolbe, Mutter Theresa, ich weiß gar nicht, bei wem ich anfangen soll, wenn ich auslassen könnte!
Dichter, Denker, Heilige, Künstler, Widerstandskämpfer, alle sie haben ihre entscheidenden Impulse in "diesem Laden" bekommen. Sie alle lassen mich immer wieder mit dem Zustand der so tollen Säkulargesellschaft unzufrieden werden und das ist auch gut so!
Ich mache immer wieder und jeden Tag aufs neue kleine und große Dummheiten, begehe kleinere und schwerere Sünden. Das weiß ich und lebe gut damit, weil ich weiß, daß alle anderen genauso leben. Ich weiß, wie sehr ich Verzeihung für meine Unzulänglichkeiten brauche, von den Menschen, denen ich zu kurz tue und besoonders von dem, vor dessen Richterstuhl ich irgendwann treten muß, wie alle anderen auch. Alle erwartet das gleiche Schicksal der himmlischen, in Liebe geübten Gerechtigkeit.
Was für ein Ziel! Was für eine Perspektive!
Und das soll ich verneinen, bloß weil mir vor Augen geführt wird, was ich ohnehin schon weiß, nämlich wie sehr die Kirche eine Versammlung der Sünder ist?
Deswegen soll ich nicht mehr zur Messe gehen, meinen Mitgliedsbeitrag nicht mehr entrichten?
Bist Du auch schon aus der Bundesrepublik Deutschland ausgetreten, weil der Staat Dein Geld Pleitebanken in den Rachen geschoben hat, weil die Regierung nicht in der Lage ist, Dich vor den Lobbyverbänden zu schützen, die Dir dein Geld aus der Tasche ziehen, einem Staat, der Staatsanwältinnen austauscht, damit Prozesse gegen Leute wie Zumwinkel entsprechend anders verlaufen? Wann kommt dein Einkommensteuerboykott gegen einen Staat, der unsere Jungs und Mädels am Hindokusch aufstellt, gegen alle Maßstäbe unserer Verfassung und die dann im Zinksarg zurückkommen?
Alles schon vergessen?
Alles nicht so schlimm?
Was ist mit den schimmeligen Klassenräumen, in denen unsere Kinder tagaus tagein mit den Ergebnissen von Bildungsreformen malträtiert werden, aus denen sie am Ende ihrer Schullaufbahn häufig als Halbanalphabeten entlassen werden, die keine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben?
Na, sind das nicht Gründe für die Stornierung der Abbuchungsaufträge?
Geht halt nicht mit dem Austreten! Also Grundgesetz lesen, sich auf die Grundlagen der Bonner Republik besinnen und dann mitgestalten!

Aus der Kirche kann ich auch nicht austreten, auch wenn das deutsche Steuerrecht das vorgaukelt!
Also:
Nicht rumnöhlen, sondern vom Positiven inspirieren lassen, geistliches Leben in Ordnung bringen und mithelfen, das Negative zu überwinden! Die Vorteile, der angeblich verkrusteten Struktur sind wesentlich höher als die paar Nachteile. Sonst wäre die Kirche nicht seit fast 2000 Jahren existent, im Gegensatz zu diversen Staaten, Firmen, Parteien...
Also Chancen erkenne, ergreifen und mitgestalten und zwar wie beim Staat im Sinne der Kirche und nicht im eigenen Sinne!
Dann kann man zusammen mit Paulus am Ende sagen: Ich habe den guten Kampf gekämpft!
Also runter vom Sofa und ab in die nächste Kirche zum Beten!


Das mußte einfach mal gesagt werden!
So!

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Lieber Laurentius,

ein sehr schöner Brief und ein noch schönerer Schlußsatz!

M.