Donnerstag, 30. Dezember 2010

Robert Spaemanns neueste Ansichten

Manches Ereignis und mancher Zwischenfall der letzten Wochen hat mich nicht nur sehr ins Grübeln gebracht, es hat mich auch verstummen lassen. Das dafür verantwortliche Stimmungsgemisch möchte ich hier nicht ausbreiten. Dann kam noch diese Halleluja-Affaire im Petersdom am Heiligen Abend und das war dann die Bescherung! Frohes Fest!
Darüber hilft dann auch nicht das Aufleuchten der C.M. S.Em. Raymond Leo Card. Burkes. Eine Schwalbe macht bekanntlich noch keinen Sommer und ebenso macht eine Cappa magna noch keine "Gegenreformation"!
Wie dem auch sei, heute fand ich nun ein Interview mit Robert Spaemann über Aufklärung, Relativismus, das Scheitern des Christentums. Eine Passage war für mich auf ganz besondere Weise erhellend und hat mir gewisse Übergriffigkeiten noch einmal in einem neuen Licht erscheinen lassen.

Robert Spaemann zur Lage der Meinungsfreiheit in diesem unseren Lande:

"Viele würden Ihre Argumentation als diskriminierend empfinden und sich verbitten. Sie selbst haben beklagt, dass die Meinungsfreiheit im Moment geringer sei als zum Beispiel in der Adenauer-Ära. Wie kommt das in einer Gesellschaft, wo man zumindest de jure nahezu alles schreiben und öffentlich sagen darf?

Das hängt meiner Meinung nach paradoxerweise gerade mit dem Relativismus zusammen. Gerade wenn es keine gemeinsame Wahrheit, keine Einsicht in die Natur des Menschen mehr gibt, dann ist der Streit der Meinungen ein politischer Streit, der nicht mehr darauf zielt, den anderen zu überzeugen, sondern ihn mundtot zu machen. Denn den anderen überzeugen zu können, daran glaubt man gar nicht. Das setzt ja voraus, dass es so etwas wie Wahrheit gibt.

Das heißt, die pure Macht tritt an die Stelle des Arguments?

Ja. Diese Einschränkung der Meinungsfreiheit ist in diesem relativistischen Kampf der Meinungen der Versuch, bestimmte Meinungen zu den herrschenden zu machen. Oder wenn sie es schon sind, sie als herrschende zu behaupten. Das ist ein Machtkampf. Interessen treten an die Stelle der Wahrheit als der Einsicht in das von Natur aus Rechten."

Noch Fragen?

Das lesenswerte Interview findet sich bei kath.net.

Danke, Herr Professor Spaemann, Sie haben mir sehr geholfen!

Montag, 6. Dezember 2010

Es blaut die Nacht, die Sternlein blinken

Schneeflöcklein leis herniedersinken. So beginnt Loriots berühmt-berüchtigtes Gedicht "Advent". Vordergründig werden hier zunächst alle heimeligen Bilder eines Winteridylls bedient, bevor dann die Förstersgattin mit Gewehr und Fleischmesser ihrem Ehemann zu Leibe rückt und ihn dann fein portioniert dem guten Knecht Ruprecht als Geschenkpaket mitgibt. Am Ende fällt alles wieder zurück in die Stille und Schönheit einer Winternacht. Schwärzester Humor von höchster Qualität. Aber offensichtlich bricht nun so etwas wie die "Nacht der langen Messer" in diesem Advent an. Was ist im Moment nur wieder los?
Salzburg will auf Ordinariatsrechnern den Zugang zu kath.net sperren, als wenn es sich um eine Seite handelte, die den Normen der katholischen Morallehre entgegensteht. Zensur ist also wieder hoffähig. Das System Metternich feiert also Urständ. Der Leiter des St. Ulrich Verlages wird "freigesetzt". Gründe? Vielleicht das erfolgreiche Verlagsprogramm, daß nicht dem Mainstream folgt?
Der Ton der sonst so differenziert Denkenden wird zunehmend undifferenziert. Auf Boulevardzeitungsniveau werden "Gegner", niedergebrüllt. So bezeichnet Paul Zulehner den Autor Peter Seewald als "Panzerjournalisten" , der angeblich "aus der rechten Dunkelkammer der Kirche kommt"!
Es wird an allen Fronten gekämpft und zwar mit Methoden, die Demokraten und Freunden des differenzierten Dialogs eigentlich verboten sein sollten.
Nachdem nun keine größeren Skandale in Sicht sind, wird nun in der Provinz gegen die Bloggerszene blankgezogen und zur Attacke geblasen. Erste Opfer sind zu beklagen. Nachdem nun ein Blogger sich aus Gründen der Vorsicht schon vor einigen Wochen seine kritischen Gedanken nicht mehr veröffentlicht und alle bisherigen Einträge im Weblog, die einer möglichen Karriere bei Mutter Kirche schaden könnten, gelöscht hat, ist nun ein Blogger, der wohl in kirchlichen Diensten stand, von einem lieben Kollegen und Journalisten in der Presse filetiert worden. Dabei kam es nicht so sehr auf den wirklichen Inhalt der "Kritik" an, sondern vielmehr auf die schnelle Verpackung in die üblichen Schubladen.
Ein bedauerlicher Irrtum? Mangelnde Information des Journalisten? Wer die letzte Wortmeldung des Journalisten im Kommentarbereich der Tageszeitung liest, wird einen entsprechenden Eindruck bekommen? Ist mit fortes fide der erste Kopf eines Dissidenten gerollt?
So sehr das vielleicht auch in irgendein Bild der kirchlichen Landschaft gut gepaßt haben könnte, ganz vorstellen konnte ich es mir in OS nicht. Und es war auch ganz anders!
Das Verschwinden von fortes fide hat ganz andere Gründe. Hier ist niemand wegen seiner Meinung vom Bistum abgestraft worden. Hier haben wir es offensichtlich mit jemand zu tun, der mehr als zu Recht aus dem Amt entfernt worden ist, nicht wegen einer Meinung, sondern weil er unter dem Verdacht steht, Kinderpornographie aus dem Netz geladen zu haben. Danke für den Hinweis, Stanislaus.
Nun, ich bin geschockt über diese Nachricht und noch mehr über die Tatsachen, die dort nun im Raum stehen. Ich bin mal gespannt, wie die Ermittlungen verlaufen. Nach dem Schuldbekenntnis von Bischof Bode muß das für das Bistum ein schlimmer Schlag sein.
Nun, ich bin geschockt, sehr...
In München scheints auch wieder neu zu zündeln..
Irgendwie ist dieser Advent, ...nicht schön!

Oremus!
Die loriotsche Kurve will mir nicht gelingen.

Dienstag, 30. November 2010

Entdecke die Möglichkeiten!

Etwas fernab von den Produkten nordeuropäischer Bastelmöbelgiganten ist jenes formschöne Wohnzimmermöbel, dessen Bemalung den Kampf zwischen kontinentalem Wein und britischem Bier darstellt. Ein sehr ritterliches Trinkmöbel. Wer auch immer am Ende gewinnen mag:
Wohlsein!

Montag, 29. November 2010

Prosit Neujahr!

Immer noch darniederliegend sende ich meine besten Wünsche zum neuen Kirchenjahr!
Als Nachzügler in Sachen Neujahrsposting muß man sich dann schon überlegen, was man so reinsetzt. Die liturgischen Highlights sind schon vergeben. Daher habe ich etwas ausgesucht, was pastoral etwas niederschwelliger daher kommt. Es setzt bei den sonstigen Neujahrserfahrungen derer an, die sonst vielleicht nicht unbedingt viel mit Kirche zu tun haben. Es setzt bei den Menschen da draußen an, den armen, die ihre Kultiviertheit durch den Besuch dieses Konzertes unter Beweis stellen müssen. Es ist eine kleine Hommage an alle, die sich gerne vorschreiben lassen, wann sie, zu was, zu klatschen haben. Vielleicht erkennen sie sich ja in dieser Musik, dem Mitklatschen wieder und entwickeln so einen ganz neuen Zugang zum Thema Kirchenjahr, so ganz aus sich heraus, aus ihrem Erfahrungshorizont, ganz gewohnt, aber auch ganz neu...

Einen nachdenklichen Advent wünsche ich uns allen!


Donnerstag, 25. November 2010

Uta kübelt auf EKD-Seite

Nun hält mich seit ein paar Tagen ein Virus ans Bett gefesselt. Das Fieber kommt und geht, die Gelenke schmerzen, ganz toll. Heute nehme ich mir mal den Rechner ans Bett, um ein wenig Abwechslung zu suchen. Nach der gepflegten Langeweile über die angebliche Änderung eines niemals existent gewesenen Gummiparagraphen, kommt nun richtig Schwung in die Sache. Auf der Seite der EKD ist ein Brief unserer hochgeschätzten Uta Ranke Heinemann veröffentlicht.
Uta kübelt in bekannter Manier ihre Meinung in die Landschaft. Eine der unsäglichen Zwischenüberschriften lautet: "Ohne Erektion kein Segen!" ...meine Güte,... Uta....Wem das nicht reicht, kann ja dem Link folgen.
Ich weiß ja nicht, welches antiökumenische Irrlicht dieser Frau den Platz auf der Homepage überlassen hat, aber es zieht die Linien konsequent aus, die sich auch sonst auf der Seite finden lassen. Es wird mal wieder in aller geschwisterlicher Offenheit die "Wahrheit geschrieben". So wird am 24.11. unterstellt, daß Papstbuch sei nur aufgrund der Kondomäußerungen ein solcher Erfolg. Sex sells oder was?
Oder ist es vielleicht doch Neid, weil die Seite mit den Reisenotizen der großen Margot nicht von Zuschauerströmen lahmgelegt wird? Neid auf den triumphalistischen Pomp des Papsttums und die Erfolge? Niemals! Pah!
Es wird gepestet, was das Zeug hält, um den verehrten LeserInnen die Augen über die Katholen zu öffnen. Gleichzeitig spinntisieren die Macher der Seite, ob der Papst nach Wittenberg fährt.

Erst niedermachen und dann noch nen Kniefall am Grab des Ketzers oder was?
Leute, gehts noch?
Wer hat hier den Realitätsverlust, na?

Dienstag, 16. November 2010

Vanitas

Auf Benedettas katholischem Blog macht sich neben der Frage nach dem Weg von Gesellschaft und Kirche in den Stammlanden der Reformation auch ein wenig düstere Stimmung breit. Ist es eine Herbstdepression, die von der Blogozese Besitz ergreift?
Das fallende Laub, die Totengedenktage, das miese Wetter, die Kälte, die wenigen Sonnenstunden?
Ist es vielleicht sogar etwas wie Resignation, was sich da in manchem Kommentar zeigt?

Hallo?
Jetzt aber mal nen wenig mehr ecclesia militans und weniger Gegrübel im Sinne der Sitzungskultur der judäischen Volksfront (oder war das jetzt die Volksfront von Judäa?)!
Es ist November. Die Blätter fallen. In deutschen Landen herrscht kirchliche Eiszeit. Ja und? So ist das nun mal im hohen Norden! Nur in diesem Klima konnte so etwas ernstes und dröges wie die Reformation passieren. Nur dieses miese Wetter konnte so Gestalten wie Luther, Schwarzerd, Müntzer und wie sie heute so alle heißen, hervorbringen. Man sitzt in der leidlich gewärmten Stube, kommt nicht vor die Tür. Das führt zu Bewegungsmangel, Unzufriedenheit, Ungeduld, schlechter Laune. Man wird kleinlich, besserwisserisch, spitzfindig und ungenießbar. In solchen Zeiten schreibt man vermehrt Leserbriefe oder wie in Luthers Fall auch schon mal 95 Thesen. Vielleicht ist die angebliche Klimaerwärmung ein Glücksfall für die Kirche in Deutschland. Wer auf der Piazza flaniert, seinen Espresso in der Bar nebenan trinkt, also "unter die Leute kommt", der kommt auf solche Ideen nur in seltenen Fällen. Ich träume auch vom milden Klima Maltas, sei es nun meteorologisch oder kirchlich.
Wir müssen hier oben einfach einen Spagat leisten. Ich versuche es mal mit Bildern.
Freuen wir uns an der Gotik, ihrer philosophischen, mathematischen, musikalischen Absolutheit, aber laßt uns nicht im Zahlenmeer versinken. Bleiben wir im Alltag fröhlich barock und spielen mit der Vanitas auf italienisch oder wienerische Art. Freuen wir uns an jedem Katafalk oder castrum doloris, das zu Allerseelen wieder neu in eine Kirche Einzug gefunden hat, gerne etwas morbide aber nicht lutherisch "hierseinsverneinend"!
Seien wir keine verbissenen Gralshüter, wie mancher Bibliothekar in Klosterromanen. Lernen wir von der Selbstverständlichkeit, Selbstironie und der spielerischen Formvollendung der highest Highchurch. Lasst uns einfach selbstverständlich katholisch sein!
Genießt mit Humor und Freude an den Ankedoten in der Fastenzeit dunkle Schokolade, Kakao und Starkbier, die uns dank päpstlicher Beschlüsse erlaubt sind. "Sieben Wochen ohne" ist eine kleinlich rigorose protestantische Erfindung!
Beten wir unverdrossen und voller Hoffnung für unsere Priester, Bischöfe, unseren Papst und die Kirche. Wir wissen von den Wundern, die Gott immer wieder wirkt und hoffen wir, daß er auch weiterhin seine Kirche nicht verläßt. Was ist schon ein solcher Schreiber wie Posener, wer ein Hawkings, Küng oder die ungehorsamen Bischöfe und Priester unserer Kirche? Es sind Menschen, die neben der bissigen Kritik an ihrer Haltung eines ganz besonders brauchen, das begleitende Gebet!
Leute, das sind Aufgaben! Nicht verzweifeln oder grübeln! Wer es kann, spreche diese traurigen Gestalten an.
Herr Posener, warum recherchieren sie so schlecht und warum sind sie so verbittert über die Kirche? Haben sie es schon mal mit Seelsorge und begleitender Therapie versucht?
Die Verlage anschreiben, die solchen Quatsch veröffentlichen. Fakten aufzeigen, die ihren Vorurteilen die Grundlage entziehen und dann bei der Ehre packen ("ein seriöses Verlagshaus wie das ihre sollte doch wohl...")!
Und dabei für diese Menschen beten und für sich selbst um Humor bitten.
Bei der Kirche und allen Anfeindungen von innen wie außen gibt es ein passendes und gutes deutsches Sprichwort: Was juckt es eine deutsche Eiche, wenn sich eine Wildsau an ihr kratzt?

Mir geht das Wetter auch auf den Geist und die säkularisierten Spinner auch!
Was tut man dagegen?
Ich gehe jetzt mal in die Stadt und mach ne kleine Pause. Frisches Obst vom Orientalen, frisches Brot und "Speckelaatz" vom Bäcker, nen Espresso beim Italiener, auf ne kleine Opferkerze zu St. Dominikus und "uns Marie"...härrlisch!

Christus imperat!
Weitermachen!
:-)

Montag, 8. November 2010

Kirchweih in Batzelohna

Gestern hat mich ein verdrehtes Knie und ein merkwürdig heftiger Erkältungsanflug, der sich zu heute schon wieder verflüchtigt hat, im Bett und aus der Kirche gehalten. Die Fahrt zu einer recte rite gefeierten Messe erschien mir aufgrund der "allgemeinen Üseligkeit" zu weit und der religiösen Unterhaltung, die mir meine Ortspfarrei angeboten hätte, wollte ich mich in diesem Zustand auch nicht aussetzen. Zum Glück bot der BR die Übertragung der Weihe der Sagrada Familia durch unseren Heiligen Vater aus Bercelona an. Statt beschwerlicherer Unternehmungen entschied ich mich kurzerhand für eine Umbettung meiner angekränkelten äußeren Hülle vom Bett aufs Sofa ins Wohnzimmer.
Pünktlich wie bei Preussens ging es dann auch um Schlag zehne los. Voller Vorfreude lag ich nun vor der Flimmerkiste aufgebahrt und erwartete eine liturgisch runde Feier, mit spanischen Flair. Doch die Mimik des Heiligen Vaters und von Monsignore Marini ließen mich irgendwie Böses ahnen. Es folgten zweineinhalb Stunden, die wenig spanisches Flair, dafür offenen Protestantismus deutscher Provin(ien)z boten.
Echte Reformhauskost: garantiert birettfreies Mantelalbenallerlei auf Konzilsgeistbasis!
Alle meine positiv diskriminierenden Vorurteile über das Land dero allerkatholischsten Majestäten zerbröckelten innerhalb von Minuten vor der demonstrativ zur Schau gestellten, ja was eigentlich?
Wo fange ich an?
Bei der Musik.
Bis auf einen unvermeidlichen Bruckner und einen Stritzer Mozart dudelte die Dame(?) an der (Chor-)orgel nur Bäche. Kein Stück spanische Musik. Dann gab es da ein wenig aus der VIII. Messe (vom Monsignore noch falsch als ältester Choral apostrophiert, stöhn...), ein Liedchen aus der anglikanischen Ecke und ansonsten "hispaniertes deutsches Strophenlied". Schon das Lied zum Einzug erinnerte mich irgendwie an..., egal!
Der Ritus:
Neben dem Hallelujaruf vor dem Evangelium, gab es auch noch den in Mode kommenden Hallelujaruf nach dem Evangelium. Ich empfand das als persönlichen Affront gegen den Heiligen Vater und wäre beinahe... Wie gut, daß ich schon auf dem Sofa lag!
Kann mir mal einer erklären, wo bitteschön das in unseren liturgischen Büchern zu finden ist? Ich bitte um Korrektur meiner vielleicht verblendeten altrituellen Sichtweise? Wo steht das?
Das war ja noch nicht alles!
Es wurde eine riesige Kupferpfanne mit Dreifuß herbeigeschlört und auf den Altar gestellt.
Kommt jetzt Miraculix oder bereiten die Herren aus Villa Bacho und Villa Riba jetzt wieder Paella?
Nein, weit gefehlt! Der Heilige Vater durfte dann mit einer Art Suppenkelle ein halbes Kilo Weihrauch auflegen und danach zogen wild inzensierende Priester durch die Kirche, die offensichtlich den Umgang mit Weihrauchfässern in einem Kurs am Vorabend gezeigt bekommen hatten.
Toll!
Insgesamt war das ganze eher schlampig durchorganisiert. Aber da bin ich wohl anglikanisch verdorben worden...
Nun erwarte ich ja schon nicht mehr, daß bei einer Kirchweihe das Alphabet in die Asche gezeichnet wird, aber gregorianisches Wasser, fünf Flämmchen auf dem Altar,... ist das zuviel verlangt?

Stattdessen drückte man dem Heiligen Vater eine deutlich zu große Karaffe mit Chrisam in die Hand, mit der er sich bei der Salbung herumplagte. War das nur dumm unüberlegt oder überlegt boshaft?
Die Weihe der Apostelleuchter wurde durch die herumsitzenden Leute zu einer Art Hindernislauf oder Geschicklichkeitsübung für die Bischöfe. Jeder machte das dann an seiner Säule so, wie er es für schön oder praktisch hielt... Die Apostelkerzen wurden übrigens durch kleine verwohnzimmernde Stumpenkerzen in Glasbechern dargestellt. Ähnliche Gebilde gibt es in Drogeriemärkten mit den Duftnoten, Vanille, Patchouli, weißer Tee... für den heimischen Tisch oder fürs WC.
Nach der Salbung kam dann das Putzgeschwader der Reformschwestern (im wadenlangen Einheitshabit aus Wolltrevira) und wischte die Chrisamkleckereien das Heiligen Vaters auf, als wenn an der bischöflichen Kaffeetafel ein Malheure mit der Kondensmilch passiert wäre. Ruckzuck wisch und weg, schwupp die frische Decke drauf, im Weggehn noch eben nen Tropfen auf der Stufe mitgenommen und Tschüss!
In mir brodelte der durchemanzipierte Mann. So kann man auch ein angeblich katholisches Frauenbild in der Öffentlichkeit weiter zementieren. Zum Putzen dürfen sie kommen! SUPERIDEE! Außerdem ist das nicht eine Aufgabe der Diakone? Ich weiß es nicht! Nur so vom Gefühl her...
Ach ja, der Altar!
An der "Versus-populo-Seite" ist ein güldenes Gestänge angebracht, auf der sieben Kerzenhalter montiert sind. So verhindert man, daß versus Deum zelebriert wird.
Die Majestäten saßen oder standen an ihren Ehrenplätzen auf der Evangelienseite. Die Gottesdienstheftges auf der Kniebank nahmen sie ebenso wenig in Anspruch wie die Kniebänke selbst.
Dann kam der Kommunionempfang. Wie wurde das jetzt "protokollarisch" ablaufen? Gehen die Majestäten zum Heiligen Vater? Kommt der Heilige Vater zu den Majestäten? Da ich nur "Wort-Gottes-Feiern" aus dem Umfeld der protestantischen Familie Sachsen-Coburg-Gotha kenne, war es für mich eine ganz offene und spannende Frage.
Der Heilige Vater ging zu den Majestäten. Die Königin blieb stehen und reckte um die Kniebank herum dem Heiligen Vater ihre Hände ungelenk entgegen. Der König selbst nahm die Kommunion nicht und würdigte weder den Heiligen Vatern noch unseren Herrn Jesus Christus eines Blickes, den er darbot...
Ich kann Euch kaum sagen, was in diesen Sekunden in mir vorging.
What an insult! I was appalled! I was speachless!
Ich habe mich für für diese Majestäten fremdgeschämt! Ich war zutiefst empört über Mißachtung der Eucharistie und die offene Zurschaustellung dieser Opposition gegenüber dem Heiligen Vater und seinen Wünschen zum würdigen Empfang der Eucharistie?
Was ging da eigentlich an diesem Morgen in dieser Kirche vor?
War das ein Widerhall der schwierigen neueren Geschichte Spaniens mit der katholischen Kirche?
War das der Stolz der Majestäten oder einfach nur,.. ja was?
War das der in Santiago de Compostella beklagte spanische Antiklerikalismus, der sich hier Bahn brach?
Ich habe es als offene Beleidigung des Königs gegenüber dem himmlischen König und seines Diakons auf Erden verstanden. Ob unabsichtlich oder absichtlich, es war aus meiner Sicht protokollarisch eine Katastrophe und ein geistlicher Offenbarungseid!

Ansonsten empfingen diejenigen, die zum Heiligen Vater gingen die Kommunion wie erwartet, während ansonsten in der Kirche das Gros (besonders der Generation 55+) die Handkommunion bevorzugte. Außerhalb der Kirche empfingen fast alle den Leib des Herrn nicht in die Hand, es sei den sie gehörten zu der schon beschriebenen Altersgruppe.
In der Sakramentenkapelle waren dann irgendwelche Mantelalbenträger damit beschäftigt, den Leib des Herrn aus irgendwelchen Schalen in irgendwelche Körbe umzuschichten. Ich habe nicht verstanden, was das sollte. Es sah aber nicht gerade nach einem sehr würdigen Umgang aus...
Am Ende des Gottesdienstes hatte ich den Eindruck, die ganze Feier ist eine Art Trotzveranstaltung der spanischen Bischöfe gewesen, eskortiert von den beleidigt dreinschauenden Vertretern der politischen Klasse in den vorderen Bänken und den beiden Majestäten an der Schwelle zum Presbyterium. Die Bischöfe eines Landes, das wie kaum ein anderes europäisches Land mit einer stark antikirchlichen Regierung zu tun haben, suchen nicht die Gemeinschaft mit dem Heiligen Vater sondern machen auf bockig!

Und das in einer Kirche, die von einem so tief gläubigen Architekten entworfen wurde, dessen Seligsprechungsverfahren gerade läuft...
Weder Benedikt XVI. noch Msgr. Marini machten auf mich den Eindruck, als wenn sie sich auch nur annähernd wohl gefühlt hätten, ganz abgesehen davon, daß die allgemeine Ritenbastelei nicht schon genug ausgesagt hätte. Der angeblich so schwierige Besuch in England war m.E. dagegen ein Spaziergang.
Der Prophet im eigene Lande...? Vieleicht so etwas in der Art.
Als es dann zum Angelusgebet auf den Platz vor dem Geburtsportal ging, kippte die Stimmung um. Jubelnde Menschen feierten ihren Papst in Sprechchören. In der Kirche mußte alles während der Prozession aus Sicherheitsgründen sitzen bleiben! Klar!
Es erschien mir so, als wenn Benedikt hier "mehr zu Hause" war als bei der Kirchweihe. Unverkrampfte Fröhlichkeit des Papstes und der Jubel der Menschen vor der Kirche... welch ein wohltuendes Kontrastprogramm zu der Eiseskälte in der Sagrada Familia!
Unser Gelehrter auf dem Stuhle Petri ist volkstümlich. Wie abgehoben und fern wirken daneben diese Bischöfe...
Ich habe nun auch den Band über die Prophezeiungen von Andreas Englisch gelesen und hatte mich am Ende gefragt, wie seine Andeutungen über den Leidensweg dieses Papstes zu verstehen sein könnten. Spätestens seit gestern kann ich mir ungefähr vorstellen, was er damit gemeint haben könnte.
Aber am Ende sollte etwas positives stehen!

Kommen wir zur Preisverleihung!
Da ich mich während der Übertragung mehrfach fragte:"Wie bitte?", möchte ich auch die hohe Auszeichnung dieser unvergessenen Sendung vergeben:

Je ein "goldener Pannemann" geht jeweils an die Majestäten, an den Architekten der "Liturgie", an den schlipslosen Chordompteur im Cordsakko, den Erfinder der Paella-Nummer,...die spanische Mantealalbenindustrie...

Sonntag, 31. Oktober 2010

ich schreibe wie...

Georg Wilhelm Friedrich Hegel


Ob ich mich darüber nun freuen soll oder nicht, ich weiß es nun wirklich nicht. Kompliziert und unverdaulich wie Hegel ...
Man sollte solche Tests einfach nicht machen!

Mittwoch, 27. Oktober 2010



In den letzten Wochen ist es hier etwas stiller geworden. Auch der letzte Eintrag kam schon mit Verspätung ins Netz. Die Themen der letzten Wochen, wie Marxens Erhebung in den Kardinalsstand haben mich wenig berührt. Auch der Rapp der kfd (steht das jetzt für "Kakophonie frustrierter Dauerwellenträgerinnen" oder für "Krach für Deutschland"?) hat mich nicht mehr so interessiert, als daß es mir mehr als diese beiden hohlen Wortspiele entlockt hätte.
Die immer kürzer werdenden Tage, die Kälte, der Regen, das fallende Laub, sie alle führen mich in eine wenig wortreiche Stimmung, eine ungewohnte westfälische Maulfaulheit überzieht meine rheinische Schwatznasigkeit wie Rauhreif die Wiesen. Gleich der Erde, die sich in Isaac Asimovs "Last Trump", nach der letzten Posaune des Gerichtes in eine öde graue Landschaft einebnet und keinerlei Landmarken mehr bietet, so grau und frei von Landmarken scheint mir auch das zu sein, was sich mir in Kirche und Politik so zeigt. Es ist immer dasselbe, immer dieselben Gesichter, die immer gleiche, immer weiter voranschreitende kleinliche Verwohnzimmerung von Gesellschaft und Kirche, die genauso kleinlich, spießig und jämmelich verteidigt wird, wie die Lage der Fernbedienungen in Griffweite des Hausherren in manchen Wohnzimmern dieser Republik.
Alle Tage läuft das Mutantenstadel, es grüßt täglich das Murmeltier. Pünktlich um 06.00h springt dann wieder der Radiowecker an und immer wieder jodelt es aus dem Lautsprecher: hmtata hmtata hmtata hmtata i got you babe, hmtata... ohne Gnade, ohne Chance aus der ewigen Wiederholung des ewig gleiche Gesummses herauszukommen.
Langeweile, ungepflegte, plüschig, miefige Langeweile. Noch so kleine Ansätze der Hoffnung auf eine Besserung werden immer wieder von denjenigen beendet, die die Macht haben, diesen Wecker immer wieder auf 06.00h des vergangenen Tages zurückspringen zu lassen. Die Klettergerüstaufsteller, die immer noch mehr an die Kraft des Freizeiteventes glauben als an die vewandelnde Kraft des Evangeliums Christi. Die Entscheider in den Personalabteilungen der Firma, die ihren spießig-zwanghaften Laubenpieperästhetizismus ausleben und keinerlei Blüten dulden, die sich auf dem von von ihnen kultivierten Betonrasen zeigen und sofort alles niedermähen, was die von ihnen gewollte Pastoral in der Fläche farblich stört.

Es sind die Hauptamtlichen vor Ort, die die Ehrenämtler zur Verfügungsmasse ihrer Zielvorstellungen herabwürdigen. Die mediengewandten Vertreter des kirchlichen Neusprechs, die sich professionell mit der Kamera mitdrehen und immer lächelnd den Zuschauer daheim ihre niederschwelligen Religionsversatzstücke vorstellen und dabei vergessen, daß sie sich nicht in einem Studio des Senders, sondern im Hause und am Altare dessen stehen, der sie gesandt hat und dessen Evangelium sie würdig zu verkünden haben.

Wer jetzt meint, ich trauerte einen Tag einer vermeintlich besseren Vergangenheit nach, der hat mich mal wieder gründlich mißverstanden. Ich bedauere den Verlust jener Persönlichkeiten der Vergangenheit, die noch die Macht und die Möglichkeiten nutzen konnten, um diesem Triumph des Stumpfsinns etwas entgegenzustemmen. Ich bedauere noch viel mehr die kalte Ausschaltung ebensolcher Persönlichkeiten in der Gegenwart. Es ist semper idem!
Ich weiß, daß nach den Erkenntnissen der historischen Forschung ein Dorfpriester im Mittelalter wahrscheinlich nicht in der Lage war, den Kanon zu lesen. Heute sind sie durch die allgemeine Schulbildung zwar durchaus dazu in Lage, was sicherlich ein Fortschritt in die richtige Richtung ist, aber wer von ihnen ist denn heute noch gewillt das auch zu tun? Die einen konnten vielleicht nicht, wollten aber vielleicht, die anderen können sehr wahrscheinlich, wollen aber ganz bestimmt nicht. Semper idem!
Die Kirche war immer zugleich societas perfecta und permixta. Aber die Zahl der sichtbaren, spürbaren und den Glauben auf- und zurichtenden Zeichen und Per-sonen ist sehr gering. Es herrscht eine Art Kalter Krieg.
In mir wächst das Gefühl von Einsamkeit, Diaspora und Schwäche, so wie Chesterton schon die Frage nach der Effizienz als klares Zeichen von Schwäche und Krankheit ansieht. (Ketzer,13) Es sind halt die Stammlande der Reformation...
Nun gehen mir wieder Worte und Gedanken aus. Schwäche?
Der Text bleibt ein Bruchstück. Ich werde meine trüben Gedanken gleich durch eine Trainigseinheit beim Sport vertreiben. Ausdauersport führt ja bekanntlich zur Ausschüttung von diversen Glückshormonen. Außerdem ist es besser als der Verzehr von ähnlich wirkenden Süßigkeiten. Der Besuch einer hiesigen Abendmesse ist auf jeden Fall kontraindiziert, leider!

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Entdecke den Hassknecht in dir!

Wer am letzten Freitag die "heute show" gesehen hat, wird auch Gernot Hassknecht wieder einmal erlebt haben. Sein Kommentar zu "ein Jahr schwarz-gelb" war ein nonverbales Wutgebrüll, bei dem er sich noch die zerknüllten Blätter in den Mund stopfte. Das Thema hatte ihm offensichtlich schon im Vorfeld der Sendung derart zugesetzt, daß er es diesmal nicht einmal mehr schaffte, die sonst üblichen 45 Sekunden Contenance zu bewahren, auf die dann sonst seine cholerischen Verbailinjurien und Entgleisungen folgen.
Hier das erschütternde Video:

Seit diese Kunstfigur des austickenden Kommentators nun wöchentlich an den Volksempfängern draußen im Lande (Rainer Pause) gehört und gesehen werden kann, scheint sich eine neue Welle der unkorrekten und schamlos offenen Rede zu verbreiten. Gernot als Ausdruck einer neuen Protestkultur des unverblümten Wortes? Ist er vielleicht sogar schuld an dieser zügellosen Entwicklung oder bricht sich auch hier der "Geist des Konzils" endlich Bahn? Das Volk will endlich seine participatio actuosa auch in der Politik ausleben?

Rentner wie Schüler gehen auf die Straße, um ihrer Verärgerung über eine nicht mehr nachvollziehbare Baupolitik deutlich Ausdruck zu verleihen.
Das Tabu der Integrationsprobleme ist gebrochen.
Offene Kritik am Islam wird geäußert.
Die Kluft zwischen den nur noch wahltaktisch denkenden und agierenden Talkshow Clubs (früher bekannt unter dem Begriff "Volksparteien") und denen, die sie für vier Jahre mit der Zugangsberechtigung zu den Sendungen von Will, Beckmann, Plasberg & Co und den entsprechenden Namenszusätzen versehen dürfen (gemeinhin auch als "das Volk" bekannt), ist so deutlich geworden, daß es auch dem letzten Politpromi nun endlich langsam dämmert. Und so reagieren sie nun, wie sie immer reagiert haben, jeder auf seine Weise.
Schon schiebt sich ein bayerischer Bundespolitiker nach vorne und "schärft die Debatte um die Integration an". Im Hintergrund ruckelt sich hüstelnd das "große Mädchen" (Helmut Kohl) auf dem Kanzlerstuhl zurecht und probiert sich vorsichtig in ein wenig Kritik hier und da, tritt für ein fröhlicheres C in der DU ein (HÄ?????) und wird danach die Umfragewerte beobachtet haben wie ein Banker die Aktienkurse. (Bloß keine Stimmen verlieren!)
Nebenbei vernuschelt Heiner G. die Konflikte um "Sturgert 21". Ich wünschte mir, er würde dort die Verve als Politiker einmal zeigen, die er sonst bei seinen wenig konstruktiven Beiträgen zu kirchlichen Themen in Talkshows an den Tag legt.
Mensch Heiner, sonst hauste immer auf den Putz, wenn es darum geht, die angebliche Abgehobenheit des Vatikans zu benöckeln und da wo ein "Landesvater" wie ein wild gewordener Handfeger auf sein störrisches Stimmvieh eindrischt, äh ich meine kastanienwerfenden Halbstarken den Hosenboden mal ordentlich stramm zieht, wo bleiben denn da deine mahnenden Worte der Weisheit?

Eine anderen Weg des Politikersatzes beschreitet momentan das linke Lager in ebenso alter wie bekannter Manier: Betroffenheitskurs! Hier wird ganz einfach das Versagen der eigenen Umerziehungspolitik in Sachen Multikulti diagnostiziert (Opferhaltung) und denen die Schuld in die Schuhe geschoben, die schon immer zum erklärten Feind der Internationale gehört haben: Christen und andere Reaktionäre. Auf einmal sind es nicht mehr die Horden der arbeitslosen Ostdeutschen (ExgenossInnen) die sich als Gefahr für die Multikultikratie in Deutschland darstellen, weil sie Parteien aus dem rechtesten Lager goutieren. Nein, plötzlich rückt eine andere Bevölkerungsgruppe in den Fokus des Interesses und vielleicht wird es auch eine Aufgabe des Verfassungschutzes sein, diese Gruppe zu überwachen: Christen lutherischer wie katholischer Provinienz sind nach Aussage einer Studie der Friedrich Ebert Stiftung überdurchschnittlich ausländerfeindlich. Auf einmal sind nicht mehr die Befürworter der Scharia das Problem sondern die Vertreter der Bergpredigt, Papisten und Lutherböcke!
KLAR!
SICHER!
GEHTS NOCH?
HABT IHR NOCH ALLE RIEMEN AUF DER ORGEL?

Ihr Folklore-Freunde solltet nicht nur zum Fastenbrechen am Ende des Fastenmonats gehen. Das ist doch nur was für Kinder! Geht doch mal zu ner richtigen Veranstaltung für Erwachsene und schaut euch doch mal ne richtige echte Scharia-Veranstaltung an, wie z.B. so ne nette Steinigung für Ehebrecher?

Wie wäre es, wenn wir Taschendiebe im Sinne des interkulturellen Austausches mal zur Bestrafung nach Saudi-Arabien schickten? Wie wäre es denn mal damit, Frau Schleuthäuser-Narrenberger?

Die Kosten im Gesundheitswesen könnten wir doch dadurch senken, daß wir die öffentliche Prügelstrafe für Alkoholgenuß und Tabakkonsum einführen? Ich stelle mir gerade vor, wie das wäre, wenn dann Montag bis Freitag durchgehend ganze Oberstufen, Schützenvereine, Fußballfanclubs von Mitarbeitern der gesetzlichen Krankenkassen zur Vernunft geprügelt würden. Das wär doch mal ne echte Gesundheitsreform, was Herr Rösler? Da sind uns die Muselmanen echt voraus, wie? Dann gäbe es auch keine Probleme mehr mit der Eckkneipenlösung... Schade nur ums Oktoberfest, was?

Und andereseits:
Wo bleibt denn bitte schön euer mutiges Eintreten für die Einhaltung der Menschenrechte, wenn in Teheran mal wieder ein paar harmlose Jungs aufgehängt werden, nur weil sie angeblich schwul waren?

JA WO SEID IHR DENN DA? HÄ?
WO BLEIBT DA DAS MEER VON PROTESTNOTEN HÄ?

IHR SOLLTET MAL WIEDER DAS SACRUM TRIDUUM MITFEIERN UND DANACH ZUM EIERKITSCHEN IN DIE PFARRHEIME GEHEN, DAMIT IHR MAL WIEDER KONTAKT ZUM CHRISTLICHEN BEVÖLKERUNGSTEIL BEKOMMT!

ABER EIN SOLCHER BESUCH WIDERSTREBT SEHR WAHRSCHEINLICH EURER WELTANSCHAULICHEN NEUTRALITÄT, WAS??

ZU EXTREMISTEN GEHT MAN NICHT, WIE?

Wenn ich dann noch lese, daß ein betagter Auslandsseelsorger sein ziemlich beschränktes Halbwissen in katholischen Bildungshäusern zum besten gibt, von keinerlei Benachteiligung von Christen in der Türkei zu berichten weiß, das als Verzerrung der Wirklichkeit darstellt und damit Bischöfen, Radio Vatikan, Dokumentationen unterschiedlichster Konfessionen, säkularen Medienberichten über religiös motivierten Priester- und Bischofsmorden widerspricht, ja dann frage ich mich...

FÜR WIE BLÖD HALTEN DIE UNS EIGENTLICH ALLE?
HERZLICH WILLKOMMEN IN ABSURDISTAN ODER WAS?!

ganz ruhig Laurentius, ganz ruhig... Atmen kommen lassen ... warten... gehen lassen... warten

Zurück zur sogenannten Studie der FES:
Hier gilt mal wieder der Satz von Sir Winston Churchill: "Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast!"
Mittlerweile weiß doch wohl jeder, daß solche Umfragen und Studien ungefähr genauso viel zur Wahrheitsfindung beitragen wie eine Flasche Waschbenzin zu einem gesunden Frühstück: überhaupt nichts!
Wer auch nur einigermaßen die deustche Sprache beherrscht, kann durch entsprechende Fragestellung bei ein und derselben Gruppe zu ein und demselben Thema genau die entgegengesetzten Antworten bekommen.
Hier ein kleines Forbildungsvideo aus dem Vereinigten Königreich zum Thema Umfragen:




Ein Auschnitt aus der legendären Politsatire "YES, PRIMEMINISTER!", die von der BBC in den 1980er Jahren ausgestrahlt wurde. Die Serie wurde in Deutschland nur in Teilen ausgestrahlt...

Es wundert mich also nicht, daß Stanislaus den Hassknecht in sich entdeckt und im Laufe der letzte Woche seinem Unmut mal Luft gemacht hat. Mir ging es genauso!

Freitag, 1. Oktober 2010

schlechte Musik aus britischer Sicht

Gestern Abend gab es zu später Sunde bei Brause und Bier noch eine "Redaktionssitzung" in der Provinz. Man versammelte sich am Rechner, tippte Artikel und Layoutideen in den rechner und berieb Recherche im Zwischennetz. Dabei geriet man auch auf die Seite von sinfonia sacra e.V. und dort auf die Seite mit Fachartikeln. Ein gewisser James MacMillan (* 1959) ist dort mit dem Artikel "Schlechte Musik zerstört die Kirche" (pdf) zu finden, der sich über die massenhafte Abwanderung katholischer Kirchenmusiker ins anglikanische Exil in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren äußert und eine treffende wie traurige Analyse zur Situation der Kirchenmusik in den römisch-katholischen Bistümern Großbritanniens liefert. Wer sich an deutsche Verhältnisse erinnert fühlt, liegt nicht ganz falsch, wie ich meine. Wer es aushält, sollte sich diesen Artikel zumuten. Lesenswert sind die anderen Artikel auch, besonders die über Kleriker und musikalische Notwendigkeiten.

Vademecum

Das wird vielleicht den einen oder anderen Leser an die Marke eines Kaugummis aus den 1970er Jahren erinnern. Für mich ist das aber seit einigen Jahren ein kleines Büchlein, ein Moleskine, schwarz, im Westentaschenformat. Eines meiner Patenkinder hatte es mir zu Weihnachten geschenkt und es dient mir seither als Sammelbüchlein für Zitate aller Art. Vor einigen Monaten bin ich mit meinem Büro umgezogen und seither war es verschollen. So sehr ich es auch vermißte, hatte ich mir dennoch geschworen, es bewußt nicht zu suchen. Denn alles, was ich bewußt und intensiv suche, scheint sich auf einmal in eine Art Paralleluniversum zu verabschieden. So verschwinden Schlüssel, die ganz sicher auf dem Schränkchen im Flur abgelegt worden sind und tauchen plötzlich in der Küche auf dem Kühlschrank auf. Sonnenbrillen verschwinden aus den getragenen Jackets und liegen auf einmal im Auto. So war es auch mit diesem Vademecum. Ich war mir sicher, es im Regal zu den anderen Notizbüchern gestellt zu haben, also immer griffbereit und in Reichweite. Dort war es immer und auf einmal war es weg. Ich wußte ganz genau: Je mehr du danach suchst, als umso schlimmer wird sich das Versteck des Büchleins herausstellen. Je intensiver die Suche, umso unmöglicher der Ort der späteren Auffindung. Da hilft nur bewußtes Ignorieren dieses Umstandes, so schwer es auch fallen mag. Mittlerweile waren mir natürlich ganz wunderbare Gedanken großer Schriftsteller und Heiliger, humorige Äußerungen, etc. untergekommen, die ich gerne in diesem Büchlein festgehalten hätte. Egal! Nicht daran denken! Die Stunde wird kommen!
Als ich nun vorhin ewas völlig anderes aus dem Regal ziehen wollte, etwas das ich gerade für meine Arbeit brauchte, fiel mir ein schwarzer, schmaler Buchrücken auf. Mein Vademecum hatte sich wieder in meinem Büro eingefunden!
Nun kann ich endlich in einer stillen Stunde das Ende meiner Zettelwirtschaft einläuten.
Wer nun in aller Aufgeklärtheit meint, das Büchlein hätte ich beim Umzug einfach dort hingeräumt und vergessen, tja der mag vielleicht recht haben, aber sicher bin ich mir da nicht! Es stand immer bei den Notizbüchern. Warum sollte ich es zu den Lexika stellen?
Wie ließ schon der gute Shakespeare seinen Hamlet zu Horatio sagen:"Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als Eure Schulweisheit sich träumen läßt!"

Was steht nun in dem Büchlein so alles drin?
Das Zitat von Shakespeare bisher nicht, wird es auch sehr wahrscheinlich nicht bis dort hin schaffen. Das Zitat kennt man ja auch so. Es gibt andere Bonmots, die sich zu sammeln lohnen, weil man sie nicht so schnell parat hat wie die Sprüche über die Inhaltsstoffe bestimmter Kleinhunde oder die Dienstwege eidgenössischer Landesbeamter.

Chesterton steht zum Beispiel drin:
Wenn ein Volk dabei ist, in allen Dingen schwach und untüchtig zu werden, dann fängt es an, von Effizienz zu reden. So fängt auch ein Mensch zum ersten Mal an, sich mit seiner Gesundheit zu beschäftigen, wenn sein Körper kaputt ist. (Ketzer 13)

und Martin Mosebach:
Die viel geschmähten Ästheten verfügen über eine schreckliche Gabe: die äußere Gestalt einer Sache, eines Vorgangs, eines Gedankens enthüllt ihnen mit Sicherheit die innere Wahrheit des Angeschauten. (Häresie 23)

Philip Stanhope Earl of Chesterfield:
Eine gute Unterhaltung verträgt so wenig einen Diktator wie ein freies Staatswesen.
(Briefe über die anstrengende Kunst, ein Gentleman zu werden)

und Sir Alec Guiness:
Schlechte Argumente bekämpft man am besten, indem man ihre Darlegungen nicht stört.

Nun werde ich auch die nächsten Seiten wieder füllen, alles sorgsam mit Feder und Tinte, in Ruhe und Freude über das Gefundene.

Donnerstag, 16. September 2010

Zwischen Hölle und Vorhölle

Ich weiß gar nicht, was ich schreiben soll. Ich bin derart geschockt, daß ich komplett sprachlos bin. Das Bistum Essen hat eine Art Jugendkirche mit entsprechenden Projekten. Dazu gehört auch ein mobiler Klettergarten, der von Kirche zu Kirche gekarrt wird. Nun ist er in einer Kirchen angelangt, die komplett unter Denkmalschutz steht, die einzige Jugendstilkirche, die ohne Schäden durch die Kriege gekommen ist. ... Lest die Texte zum Projekt.

Was soll der ....?
Ich verstehe das alles nicht mehr.
Mich verbindet viel mit dieser Kirche, weil ich um die Baugeschichte, den Widerstand der Gemeinde in der NS-Zeit und die ... so schräg das Gebäude auch wirken mag, es hat eine enorme Wirkung, wenn man in ihr ist. Es ist ein echter Thronsaal des Herrn, großartig und in seiner Form erhaben. Ich komme mir vor, als wenn ich gerade Zeuge eines Sakrilegs geworden bin, daß ich nicht aufzuhalten vermag.
Es geht mir nicht gut! Ich gehe jetzt mal raus... Irgendwie schwimmen mir die Zeilen weg, mir ist zum Heulen zumute und das werde ich jetzt erst mal tun und mich ins Gebet vertiefen.

Deus in adiutorium meum intende!

Der Besuch auf den Nebelinseln

Der Heilige Vater ist der Einladung der Queen gefolgt und ist in Schottland mit Begeisterung empfangen worden. Es ist ein also vordergründig ein Staatsbesuch, aber ein epochaler. Seit wieviel Jahrhunderten ist das jetzt der erste Besuch eines Papstes auf der Insel? Also spätestens seit jener unglücklichen Ehegeschichte war keiner mehr vor Ort. Das zumindest nominelle Oberhaupt der anglikanischen Kirche, her Majesty, the Queen, empfängt in freundlicher Atmosphäre Benedikt den XVI. In Schottland wird gejubelt. Der Papst durchbricht das Protokoll, um den Menschen nahe sein zu können und ein Schwätzchen zu halten, spricht offen die bekannten Probleme an, hält wie immer hervorragende Reden.
UND WORÜBER BERICHTEN DIE ARD?
Die Allgemeinen Rundfunkanstalten Deutschlands berichten darüber,
1. wie umstritten doch die Frage der Kostenübernahme in der britischen Bevölkerung angeblich ist (zumindest wenn man den britischen Medien glauben schenken will, die schon seit Wochen gegen die Papst, Kirche und Katholizismus hetzen) und ACHTUNG!!! GANZ NEU UND BAHNBRECHEND!!!
2. wie sehr doch die Mißbrauchsfälle den Papstbesuch überschatten!!!

WAHNSINN!

Wie kommt der Berichterstatter wohl zu diesen bahnbrechenden, überraschenden und brandaktuellen Fakten?
Hatte er im Vorfeld schon die Reden durchgetickert bekommen? Hat er Beziehungen zum Büro des Lordschatzkanzlers?
Wohl kaum! Sowas passiert, wenn man zu sehr damit beschäftigt ist, möglichst wenig Müll zu produzieren. Da hat doch jemand wieder einseitig kopiertes Papier aus dem Altpapier gezogen, die leere Seite für einen Konzeptausdruck benutzt und dann aus Versehen die Rückseite vorgelesen.
Das kleinliche Gequängel über die 20 Millionen, die der Besuch das Land angeblich kosten soll, muß er dem altkommunistischen Guardian entnommen haben, der ihm als Verpackung zu fish and chips gereicht worden ist.
Wie kann sonst ein solcher Müll über den Äther gehen?
Für diesen abgestandenen Stumpfsinn, der sich nicht über das Niveau mittelmässigen Dorftratsches erheben will, zahle ich Rundfunkgebühren!

Gerade kam noch eine andere Meldung rein, die eine Aktion im Bistum Essen betrifft und die ich einfach nicht glauben will...
Es ist mal wieder ein schwarzer Tag für meinen Blutdruck!

Mittwoch, 15. September 2010

Supermodernes

zum Antimodernisteneid findet Ihr hier!

Donnerstag, 9. September 2010

Alipius Diakonus

Auch von diesem Weblog geht natürlich ein herzlicher Glückwunsch an den frisch geweihten Diakon Alipius nach Klosterneuburg!
Gottes Segen!
Ad multos annos!
Vivat!

Mittwoch, 8. September 2010

Kulturkampf

In England wird gegen den Papst demonstriert, laut +.net will man die Kerzen auf den Papstaltären nicht in der von Rom gewünschten Art und Weise gruppieren, in Schottland werden angeblich Laienkommunionhelfer von Pfarrern gesucht, um den Heiligen Vater zu düpieren.
In Wien werden Lebensschützer tätlich angegriffen und die Staatsanwaltschaft legt die Hände in den Schoß, ... Sind das Alarmzeichen eines neu aufbrandenden Kulturkampfes?
Der Kreuz und Querdenker macht sich so seine Gedanken dazu und auch Andreas Unterburger bietet vieles, was nachdenklich stimmen läßt.
Wenn er recht behält, so haben wir es diesmal nicht allein mit einem preussischen "Krautjunker" zu tun, sondern mit einer Vielzahl von Gegner: Gutmenschen aus der Multikulti-Fraktion, die sich als nicht ganz unfaschistoid äußern, der schleichenden Islamisierung Europas, den weichgespülten Konservativen Volksparteien und dem schlimmsten Feind, den Feind im eigenen Haus, meint die apathische Mehrheit derer, die weder für Kirche noch für das Abendland einen Strauß ausfechten werden.
Lesenswert sind dabei auch die Kommentare, die mit Zitaten aus dem "grünen Raum" meine schlimmsten Befürchtungen zum ideologischen Unterbau der vorgeblichen Biotopretter noch weit übertroffen haben. Hier gilt es noch einmal die Stichhaltigkeit jener fürchterlichen Zitate zu überprüfen.

Manchmal habe ich den schlimmen Verdacht, Franz II hat am 6. August 1806 einen ganz schlimmen Fehler gemacht und wir kriegen jetzt die Rechnung auf den Tisch...

Dienstag, 7. September 2010

Die Wacht auf'm Rhein! (Achtung! Glosse!)

(Zuerst die Musik unten einschalten und dann lesen.)

Liebe BlogozesanInnen!

Es erfüllt mich mit großer Freude und Stolz, dass das Bollwerk des deutschen Laienkatholizismus, "WisiKi", seit nunmehr 15 Jahren alles tut, um uns vor den schädlichen Einflüsterungen römisch-zentralistisch-klerikal-papalistischen zu warnen und zu bewahren. Ohne diesen greisen und weisen Wächterrat der volkskirchlichen Revolution wären wir schon zwischen Novenen, Herz-Jesu-Freitagen, Rosenkranzandachten und anderen überflüssigen geistlichen Übungen einer obrigkeitlichen Drohkirche zeitlich so erdrückt worden, daß uns die Zeit für Ausschüsse, Komitees, Zentralkomitees und angst- und barrierefreie Gesprächskreise ausgegangen wäre.
Wer hätte unser kritisches Bewußtsein für die schleichende Klerikalisierung, die Rückwärtsentwicklung, die Notwendigkeit der tätlichen Mitwirkung von Laien geschärft, wenn nicht WisiKi?
Sie sind die Entdecker des kirchengeschichtlich so bedeutenden "Apostulates des Unterausschusses". Es wird sich erst in einigen Jahrzehnten zeigen, wie bedeutsam der Einfluß war, den die samstägliche Unterschriftenaktion in der Fußgängerzone auf den Fortbestand der Kirche hatte. Wieviele Priesterberufungen sind aus ihnen hervorgegangen? Wir wissen es nicht. Nur die Spitze des Eisberges, die Frauen, die sich auf einem Schiff weihen lassen mußten, weil uneinsichtige Bischöfe ihnen keine Kirche zur Verfügung stellen wollten, lassen erahnen, wie sehr die deutsche Reformbewegung doch prägend für diese verfolgte Generation ist. An der Spitze dieser Bewegungen steht nun einmal WisiKi als leuchtendes Beispiel und einsamer Fels, Gibraltar gleich in der Brandung der unltramontanen Angriffe, die immer wieder unzählige Tassen Kaffee auf den Sitzungen fordern! Nicht zuletzt ein Blick in die Zahlen der deutschen Kaffeeindustrie läßt erahnen, welchen Stellenwert dieser Verband hat! Was wären die deutschen Röstereien ohne diese Arbeitskreise? Die Absatzzahlen der anderen wichtigen Abnehmer (kfd etc.) stagnieren seit Jahren. Wenn dort seit 15 Jahren das durchgegenderte Konzept von WisiKi nicht gegriffen hätte, wäre dieser Wirtschaftszweig schon seit vielen Jahren hochdefizitär.
Meine lieben MitblogozesanInnen, wir haben guten Grund unseren tiefen Dank allen StreiterInnen für die Sache des antiklerikalen Verbandskatholizismus zu sagen. Der seit der Gründung immer mehr gewachsene Abstand zu Tradition, Lehre und Glaubensvollzug ist in einer Art und Weise rückwärtsgewandt-futuristisch, wie es wohl ein Ottonormal-Katholik nicht ergründen kann. Wir haben es mit der Avantgarde der späten 1970er Jahre zu tun, die sich aus vielen Quellen speist, sich aber niemals den Vorwurf gefallen lassen muß, römisch-katholisch zu sein. Dieser Linie sind sie immer treu geblieben, eine Treue, die uns Nachgeborenen manchmal etwas fremd ist, weil wir nicht mehr der befreienden Wirkung von Makramee und Textiltapeten glauben wollen und unser Heil lieber zwischen Brokat und Birett suchen. Wehe uns, wenn wir dieses kostbare Erbe mißachten!
Es ist nicht fein, wenn nun die Jubiläumskreuzfahrt auf dem Rhein lächerlich gemacht wird!
Sicherlich wird dort Kaffee getrunken werden und manches grobschrotige Haferplätzchen verzehrt werden, aber darf man es deswegen als Kaffefahrt verunglimpfen?
Sicherlich hat auch Hans Küng in seiner unnachahmlichen Art wieder eine wichtige Gratulationsadresse verfaßt und wird vielleicht auch auf dem Schiff zugegen sein. Darf man ihm aber deswegen als den katholischen Fips Asmussen oder Heizdeckenanimateur bezeichnen?
Wieder andere bedauern es, daß der Heilige Vater keine Divisionen hat (J. Stalin) und nicht mal eben ein Torpedoboot schicken kann.
Nein, nein, meine Lieben, wir sollten nicht so denken! Wir sollten lieber von ihnen lernen. Egal wie die Realität des realexistierenden deutschen Katholizismus auch aussehen mag, laßt uns an den entmutigenden Zeichen und "Stimmen der Zeit" vorbeigehen und für ein Erwachen des Glaubens in unserem Lande beten und wirken. Es muß ja nicht direkt in einem so wichtigen Unterausschuss sein. Gehen wir es mutig an, mit Birett und Brokat. Wir können uns sicher sein. daß uns die alten KämpInnen kritisch begleiten werden. Sie werden stehen, bis der letzte Unterausschuss fällt, der letzte Laienkongress von den Horden der soutanisierten Klerikalen gestürmt und verboten wird!
Fest steht und treu die Wacht auf'm, äh... am Rhein!

HOCH DIE TASSEN!

Freitag, 3. September 2010

Himmel Sturget!

Vielleicht kann mir jemand helfen...
Ich habe irgendwann, irgendwo in den letzten Tagen ein hervorragend kommentiertes Interview mit dem Architekten des neuen Billigbahnhofs in Stuttgart gelesen. Ich weiß leider nicht mehr, wer es denn aus der Blogozese veröffentlicht hat.
Die Antworten des Architekten erinnerten mich an den Architekten, den John Cleese mal in einem Monty Python Sketch spielte...
Wenn mir jemand den Link zu diesem Artikel bei den Kommentaren einstellen könnte, wäre ich sehr dankbar.
Den Sketch mit John Cleese gibt es hier:

Hugh!

Vincentius Lerinensis hat ein Zitat von Joachim Kardinal Meißner zur Frage der mohikanischen Zukunft veröffentlicht.
Der Häuptling hat gesprochen Worte großer Weisheit und mit Witz! Hugh!

Mittwoch, 1. September 2010

Katholiken und andere Dummies

Die folgenden Zeilen beziehen sich auf einen sehr lesenswerten Eintrag bei
Mater amata:

Das Wissen um die eigene Kirche ist auf einem Niveau angelangt, daß ich mir manchmal wie der letzte Mohikaner vorkomme. Mir begegnet bei Gesprächen u.a. auch auf Grillpartys (hallo, Elsa!) und ähnlichen Veranstaltungen immer wieder eine Haltung, die sich zwischen blankem Unwissen, Vorurteilen und vor allen Dingen Ablehnnung bewegt.
Grundlagen für einen festen Glauben finde ich seltenst, Wünsche und Sehnsucht danach schon häufiger. Aber es bleibt meistens bei der formulierten Sehnsucht. Man sehnt sich, sucht aber nicht, weil man ja x, y oder z gelesen, oder im Fernsehen gesehen hat.

Wenn es besonders flach daherkommt, wird Gagarin (seine dumme Bemerkung aus der Raumfahrt)angeführt, Hawking wenn es etwas besser ist und Camus "Pest", wenn sie in einer bestimmten Zeit "Relljohnsunterricht" hatten. Das war auch die Zeit, in der finstere Fantasy-Romane in Mode kamen, die Rückständigkeitsszenarien vor der Annahme zauberten, die Inquisition hätte Luther gefasst, die Reformation wäre gescheitert und der böse Papst hätte Europa in seinen Klauen gehalten. Da gab es im Jahr 2000 dann nur Dampfmaschinen und Kerzenlicht. Ich hatte nen Freund (Informatiker, "überzeugter Atheist" und Exprotestant) der solchen Kram verschlang und für eine realistische Perspektive hielt... Was uns alles erspart geblieben sein soll! Ich weiß nicht, was uns alles erspart geblieben ist. Ich weiß nicht was uns alles erspart geblieben wäre, wenn die Reformation wirklich baden gegangen wäre. Vielleicht wären uns zumindest solche dämlichen Romane erspart geblieben! Egal! Es ist so wie es ist und wir müssen nun das beste daraus machen!

Mein "all-time -favourit" ist es, wenn man mal wieder fragt, ob ich die Päpstin gelesen habe. Die soll es ja wirklich gegeben haben,..blabla. Wenn ich dann sage, daß ich diesem nur mäßig gut erfundenen Märchen genauso wenig glaube wie dem angeblich erfundenen Mittelalter eines Heribert Illig, dann hat man mir schon mehrfach das Gefühl gegeben, ich dürfte ja auch nichts anderes sagen, weil ich ja so ein überzeugter Katholik wäre. Und dann wird nicht selten unterstellt, mit der Frauenfrage in der Kirche hätte ich ja offensichtlich auch ein Problem, sonst wäre ich ja nicht so entschieden gegen die Vorstellung, daß es schon mal eine Päpstin gegeben haben könnte.
Hä?

Kurz gefaßt: Alle haben gelernt, warum sie gefälligst zu zweifeln haben. Nur Zweifel an den ins Feld geführten Kronzeugen und Argumenten haben sie niemals bekommen.
Warum man allein aus psychologischen Gründen an den Aussagen von Klerikern und Heiligen zweifeln sollte, wird dann mit Begründungen nach dem Strickmuster "Freud für Dummies", "Heinemann für Promi-Dinner-Gucker" oder "Drewermann für Nichtleser" lang und breit erklärt:
"Überich" sehr stark ausgeprägt, Mutterkomplexe, sublimierte Sexualität (Pong!) und sonstiges Gewölle wird dann häufig in den gepflegten Garten entlasssen.
Ich habe mir dann des öfteren schon die Frage erlaubt, welchen Stellenwert vor diesem Hintergrund die Aussagen eines Mannes haben dürfen, der in einem kaputten evangelischen Pfarrhaushalt aufwuchs, der von mehreren Generationen alleinstehender Frauen dominiert wurde, schon in der Kindheit schwere Psychosomatiken aufwies, seine Professur nach kurzer Zeit wegen seiner psychischen Störungen aufgeben mußte, danach als Privatgelehrter zwischen Wahn und Verstand lebte, einem Zustand, der sich offensichtlich einer früh zugezogenen Syphilis verdankte und mit knapp 55 Jahren nach Jahren völliger geistiger Umnachtung starb.
Die kundigeren Bedenkenträger sagen dann immer ganz schnell, daß man Nietzsches Werk nicht nur vor dem Hintergrund seiner Krankheiten bewerten dürfe.
Aha!
Die unkundigeren Redner halten die dargestellte Person immer so lange für einen höchst unsicheren Kombatanten (...Klar bei den Krankheiten! ... Ob das Verbitterung war oder schon einfache Verrücktheit?.. und dann Syphilis, in welchen Sümpfen der sich wohl rumgetrieben hat?...), bis dann der Name fällt. "Das ist jetzt aber sehr holzschnittartig karikiert! Ein so bedeutender Name kann und darf nicht vor dem Hintergrund seiner Krankheiten bewertet werden. Das tun andere ja auch nicht. Werk und Leben muß strikt getrennt beurteilt werden!"
Ja? Kann man, muß man das?
Warum beim Protestanten Nietzsche und beim Katholiken xy nicht?
Warum unterstellt man (böswillig) pauschal allen Männern und Frauen der Kirche (außer Hildegard von Bingen, die offensichtlich von allen gemocht wird, weil sie als Erfinderin des rein pflanzlichen Hustensaftes und des heimischen Kräuterbalkonkastens erfolgreich vermarktet wird) irgendwelche Defekte, die sie höchstwahrscheinlich nie gehabt haben werden, die sie aber vielleicht gehabt haben könnten und hält sie aufgrund dieser nur vagen Wahrscheinlichkeit für nicht glaubwürdig, während ein mehr als offensichtlich Geistesgestörter glaubwürdig ist ,weil sein Werk gerade nicht von seiner Geisteskrankheit beeinflußt ist?
Müßte ich nicht zunächst von der Richtigkeit der Aussage eines Menschen ausgehen , der zunächst einmal für geistig gesund zu halten ist, während ich die Aussage eines Menschen, der offensichtlich geistesgestört war, zunächst einmal in Zweifel ziehen müßte?

Hier siegt dann wieder die Sympathie über den gesunden Menschenverstand, denn die bekannten Versatzstücke des Nihilsmus nach Nietzsches Pfarrhausart stützt das eigene Zweifelgerüst, während Augustinus oder Thomas an diesem rütteln könnten. Besser nicht an einen heranlassen!!!

Auch die unrühmliche braune Verquickung bestimmter Gestalten, die auch schon mal in Uniform in den Hörsaal gestampft sind, wird zu einer etwas unglücklichen Karnevalsnummer herabgspielt, während man anderen die Zwangseingliederung in die HJ zum lebenslangen Makel machen will.
In solchen Momenten versagen dann immer meine Synapsen, weil ich diesen unlogischen "Blödzinn" nicht mitmachen kann. Ich werde dann schnell unleidig ob dieser Ungleichbehandlung.

Das sind die Folgen jener, den gesunden Zweifel fördern wollenden, liberalen Relljohnserziehung, die mich schon als Schüler zutiefst genervt hat und deren Früchte man in unseren Gemeinden, auf Abendveranstaltungen diverser katholischer Akademien und auf Grillparties quer durch die Republik immer wieder aufgetischt bekommt.
Die Formel heißt ganz schlicht:
Kirchenkritiker haben immer recht, egal ob sie im syphilitischen Wahn fabulieren, braune Uniformen, unmoderne Strickpullover oder knatschende, türkisfarbene Lederkostüme tragen.
Verteidiger haben immer unrecht!

Und wenn St.Michael höchstdaselbst mit dem Flammenschwert vor ihnen stünde und ihnen zum Schutze und Heil ihrer Seele freundlich aber bestimmt von der Lektüre Camus abriete, käme noch der Satz: " Der darf ja auch nix anderes sagen! Der ist ja bei Gott fest angestellt!"

Wie schrieb schon Paul Claudel:
"Die Wahrheit hat nichts zu tun mit der Zahl der Leute, die von ihr überzeugt sind."

Mahlzeit!

Dienstag, 31. August 2010

Blüten der Empörungskultur

Gestern Abend haben sich die ARD in eine neue Klasse der Empörungskultur gesendet. Gleichzeitig haben sie damit der Diskussionkultur in Deutschland einen weiteren Dolchstoß verpasst. Tu quoque Beckmann!
Mit der unsäglichen Abseife des Vorstandsmitgliedes der Bundesbank, Thilo Sarrazin, hat sich der öffentlich rechtliche Rundfunk in Deutschland eine neue Stufe des medialen Schauprozesses erarbeitet.
Die Zeiten, als der Talkmaster noch ein eher unparteiisch Fragender war, sind längst vorbei. Aber wie sehr sich hier Herr Beckmann zur Speerspitze der Empörten machte, wie sehr er dem "Angeklagten" das Wort abschnitt, seine Antworten nicht zur Kenntnis nahm, ihn zur persona non grata degradierte, alles das erinnerte an An Schauprozesse aus anderen Zeiten.
Was als kritische Auseinandersetzung mit dem Buch von Sarrazin angekündigt war, entpuppte sich als Versammlung von Leuten die gutmenschliche Empörung en masse, aber wenig substantielle Diskussion boten. Das Buch bedarf einer kritischen Würdigung. Einer noch kritischeren Würdigung bedarf aber der Umgang der Medien mit dem Autor, allen voran diese Sendung mit Beckmann und Co.
Nicht das Buch wurde kritisch diskutiert. Der Autor wurde plump diskreditiert.
So kreiert man einen Hype, führt aber nicht zu einem besseren Verständnis des Autors Sarrazin und zu einer wirklichen Auseinandersetzung mit seinem Buch!
Welche Blüten die Aufregung schon am äußersten linken Rand unserer Gesellschaft entwickelt hat, zeigt sich beim sogenannten "Bündnis gegen Rechts", das schon zur Entführung Sarrazins aufgerufen hat, oder wie ist die Fotomontage zu verstehen, die an die Entführung von Peter Lorenz erinnert?

Ein dunkler Abend für die "Medienkultur" in Deutschland!
Ein weiterer Beweis für den Untergang der Streitkultur" in Deutschland!
Ein weiterer Beweis für den Realitätsverlust der politischen Kaste, die sich weder mit validen Daten, noch mit den nachweislichen Problemen beschäftigte, sondern aus dem sonnigen Wolkenkuckucksheim berichtete!
Ein weiterer Beweis für den miserablen Zustand unserer Demokratie in der Berliner Republik!

Denn eine Demokratie muß solche Beiträge wie die von Thilo Sarrazin nicht nur aushalten, sie braucht sie essentiell für den gesellschaftlichen Diskurs. Sind solche Diskurse und Anfragen an das, was sich "mainstream" nennt nicht mehr möglich, ja wo sind wir dann angelangt? Bei der Meinungsoligarchie des Gutmenschentums, der Demokratur der "politisch korrekten Blockparteien", Diktatur des Politainments?

Ein Bonmot am Rande:
Frau Künast will das Buch auf der Fahrt nach Hamburg gelesen haben.
Der Zug (ICE) braucht von Berlin Mitte bis Hamburg HBF 1.39h bzw 1.52h. Gehen wir von der längsten Fahrzeit ohne Verspätung aus, so hätte sie in knapp zwei Stunden 464 Seiten schaffen müssen, also knapp 4 Seiten pro Minute. Hut ab! Es sei denn, sie ist mit den Bahnen des Regionalverkehres gefahren, dann wäre sie gut 4 Stunden unterwegs gewesen...
Ich werde mir nun auch das Buch kaufen, alleine um mir ein Bild von seinen angeblichen Gen-Aussagen zu machen und in welchen Zusammenhängen er sie macht. Wenn ich denn das Buch im Zug läse, so wäre vielleicht eher die Strecke Kiel München (14:18h bzw. 17:26h inkl. 9 bzw. 7 Umstiege in Regionalbahnen) angemessen oder vielleicht direkt eine Tour im Orientexpress, Paris-Konstantinopel, äh... Istanbul!
Ich werde wohl eher das Sofa wählen, wenn denn die Neuauflage auf den Markt kommt, denn wie ich gerade von der Buchhändlerin meines Vertrauens erfahre, gibt es keine Ausgabe mehr!
Ausverkauft!

Dieser Link zu Richard Wagners Artikel zu dem unsäglichen Abend bei Beckmann faßt alles in die Worte, die mir nach Anschauen der Sendung fehlten.
In einem Punkt möchte ich Wagner besonders recht geben:
Es ist zur Zeit wirklich "zum Heine lesen"! Nur bin ich weniger als Heine davon überzeugt, daß dieses Land "ewigen Bestand" hat. Ich teile nur seine Schlaflosigkeit!
Somit bekommt Heinrich Spoerls Satz aus der "Feuerzangenbowle" plötzlich wieder Aktualität:
"Baldrian! Baldrian gehört ein jedes Haus!"
Na denn mal ran an den Medizinschrank!
Gute Nacht allerseits!

Montag, 30. August 2010

Zu Ulrichs Gedanken

Ulrich mach sich auf "sensuum defectui" so seine Gedanken über den Zustand unserer Kirche. Nach Lekture des Eintrags habe ich mir gedacht:"Das hättest du genauso schreiben können!" Sehr wahrscheinlich hätte ich "noch eines draufgesetzt", da mir am gestrigen Sonntag nicht nur Vincentius eine ganz bestimmte Kommunionhelferin mal wieder fürchterlich unangenehm auffiel, sondern auch noch durch eine uninspirierte Predigt und allgemeine Schlampigkeit im Vollzug der Liturgie in meiner Andacht derart beeinträchtigt wurde, daß ich noch nicht einmal mehr die Kraft fand, mich darüber aufzuregen. Mit Benedikt XVI muß ich dieser Feier attestieren, daß man auch hier -wie üblich- die Liturgie durch eine Form religiöser Unterhaltung ersetzt hatte.
Und sonst?
Es stehen weitere Fusionen an. Die Strukturreform geht weiter mit allen "Erweiterungen des pastoralen Raumes" und den üblichen "Verdichtungen der Personalstrukturen", Gründungen von gGmbHs, etc. pp.
Glaubenstreue Katholiken haben Einstelllungsprobleme bei der eigenen Kirche oder werden schikanös behandelt. Es gibt Priestern, denen man ihre Treue zur Tradition und zum Heiligen Vater vorwirft, Bischöfe, die, ach...
Ich nehme das nur noch zur Kenntnis. Ich stelle ernste und tiefgreifende Symptome einer mich befallenden Resignation fest. Ich erhoffe nichts mehr. In diesen Tagen, in denen nun der Sommer endgültig vorbei zu sein scheint, drängen sich mir herbstliche Gedanken des Niedergangs und des Verfalls auf. Der Griff in meinem CD-Regal geht wieder zu den Werken der franz. Spätromatik. Die Leichtigkeit ist dahin und Francks "Pièce héroique" dröhnt durch mein Bureau. Die Luft ist erdig. Vanitas.
Wie Versatzstücke aus der Kindheit im Gedächtnis aufsteigen, wenn die Erinnerung durch Begegnungen mit einem Ort, einer Person oder einem Gegenstand aus der Vergangenheit geweckt wird und einen ganzen Kosmos an vergessenen Gefühlen wieder spürbar machen, die längst verlorenen schienen, so fördert auch Francks Musik solche Versatzstücke hervor. Es sind aber keine Bruchstücke aus dem eigenen Erleben; es sind Versatzstücke aus einer Vergangenheit, die ich nicht erlebt habe. Biographien von Menschen, die ich niemals kennengelernt habe, steigen vor meinem innneren Auge auf. Es sind alle diejenigen, die mich schon seit vielen Jahren beschäftigen. Es sind alle diejenigen, die in einer offensichtlichen Krise der Kirche den guten Kampf gekämpft haben, jeder auf seine Weise.
Pius V, Jean Marie Vianney, John Henry Newman, Johannes Nepomuk, Clemens August Graf von Galen, Thomas von Aquin, Thomas More, Maximilian Kolbe, Augustinus,... Johannes Dyba...
Wer jetzt psychologisieren mag, der soll es ruhig tun!
Mit dem Blick des kritischen und kirchenkritischen Zeitgenossen hat sich hier offensichtlich eine Art "Biotop der Bekloppten" (J.Becker) zusammengefunden, die auf ihre Art kantig waren und zumindest an einem Punkt in ihrem Leben so gehandelt haben, daß man ihnen aus Vernunftgründen ein hohes Maß an Unvernunft nachweisen muß.
Es ist nachweislich nicht gesundheitsfördernd, wie Jean Marie Vianney täglich über 12 Stunden in einem Beichtstuhl zu verbringen.
Es ist hochgradig unvernünftig, sich wegen einer Frage der kirchlichen Organisationsfrage stur zu bleiben und aufs Schaffot zu gehen, wie es Thomas More getan hat. Ein wenig mehr Flexibilität gegenüber den Ansprüchen seines Herrn und Arbeitgebers und die Pension wäre sicher gewesen.
Wegen innerer Zweifel an einem Lehrgebäude muß man doch keinen Posten an einer angesehenen Universität aufgeben, so wie es Newman getan hat!
Nein, alle diese Gestalten sind von Außen betrachtet absolut unvernünftig, nicht für das wahre Leben geschaffen. Diese Kirche verehrt die Unvernünftigen und Spinner!
Genau und zwar aus gutem Grund!
Diese Welt braucht die Spinner und Unvernünftigen; sie braucht die Heiligen Narren! Die Gefahr für die Welt sind die "Normalopathen" (M. Lütz) die für alles und nichts genau wissen, warum man da nichts ändern kann, warum man sich in den Lauf der Welt fügen muß! Es braucht in einer Welt der Entertainer in eigener Sache die unendlich Demütigen wie den Pfarrer von Ars als Vorbild. Es braucht in einer langweiligen und bewegungsunfähigen Gesellschaft Provokateure wie Johannes Dyba.
Aber wo sind sie?
Wo sind die Zeitgenossen, die uns den Mut geben, den Weg durch die Krise zu gehen?
Es gibt nicht viele und wenige von ihnen sind in einer Position, als daß sie uns Grund zur Hoffnung auf eine baldige Besserung geben können.
Ich fürchte, wir sind schlicht und ergreifend in der Lage, in der alle Christen, zu allen Zeiten, an alle Orten waren, sind und sein werden.
Wir müssen alle Hoffnung alleine auf Christus setzen, uns dem Schutz der Gottesmutter anempfehlen, -egal was auch kommen mag- treu zur Lehre der Kirche stehen, die Gemeinschaft mit dem Heiligen Vater halten und vor allen Dingen beten!

Alle vorhin genannten Persönlichkeiten sind ihren Weg in der Regel durchaus einsam gegangen, aber niemals ohne Vertrauen auf Gott.
Bei vielen Schwierigkeiten in unsrer Kirche hilft nur noch beten!
Der Mangel an Priestern:
Da hilft nur das Beten für Berufungen!
Die paddeligen Kommunionhelferinnen:
Da hilft nur das Beten um Einsicht!
Für die eigenen Ängste und Sorgen und die immer wieder aufsteigende Kleinmütigkeit:
Beten!
Wenn der Humor und der Schwung ausgeht:
Chesterton lesen und "Jerusalem" von Parry anhören!
Und schon ist die Resignation wie weggeblasen!

Nur Mut!

Immer man feste druff!

Thilo Sarrazin hat es mal wieder geschafft! Alle sind empört! Alle sind gegen ihn, jedenfalls wenn es nach den Medien geht. Der Burgfrieden der maingestreamten Wegschaugesellschaft ist in Gefahr. Den unwidersprochenen Dogmen des Multikulti-Appeasements ist ketzerisches Gedankengut entgegengestellt worden. Entsprechend hart und ungebremst schlägt die Empörungsindustrie der spaßfreien deutschen Gutmenscherei mal wieder zu.
Seinen angeblichen "Gen-Aussagen" bin ich aus Zeitgründen noch nicht näher nachgegangen. Seinen Äußerungen zur "Verdummung Deutschlands" möchte ich nach diesem Wochenende nur eines hinzufügen:

Quod erat demonstrandum!

Lesenswerte Kommentare dazu finden sich bei der "Achse des Guten" hier, hier (hier der ganze Artikel von Thomas Eppinger) und hier und hier (mit Presselinks).
Was auch immer nun mit Thilo Sarrazin passieren wird, sein neues Buch wird sich bestimmt nicht schlecht verkaufen.

Montag, 23. August 2010

Tod eines Künstlers

Nach Pong und manchem Jokus in der letzten ist nun am Wochenende ein Nachricht über die Sender gelaufen, die mich ziemlich getroffen hat.
Am Samstag ist Christoph Schlingensief von uns gegangen. Am späten Samstag lief auf 3sat ein Portrait über sein Leben. Wenn auch die Zeitungen heute gerne mit dem "Tod des Provokateurs" titeln, so zeigte dieses Portrait die andere Seite des streitbaren Theatermannes. Seine tiefe Verwurzelung in seiner Heimat Oberhausen, den familienorientierten Menschen, der seine verwitwete Mutter regelmäßig besuchte, etc. Daneben gab es auch eine kleine Zeitreise in seine Jugend, ein Besuch seiner Heimatpfarrkirche, in der er über Jahre ministrierte, was ihn in seinem künstlerischen Schaffen nachhaltig geprägt hat. Sein Oratorium "Kirche der Angst vor dem Fremden in mir" wäre ohne die Architektur dieser Kirche in Oberhausen und ohne seine Erfahrungen in der Liturgie nicht möglich gewesen.
Am Schluß des Filmes hatte ich einen ganz anderen Eindruck von diesem Künstler, als vorher. Ein Mensch mit einem großen Herz, der a u c h durch das Mittel der Provokation versuchte, Sichtweisen zu ändern und andere Einsichten zu vermitteln; ein Suchender, der andere auch zum Suchen animieren wollte und mit Mitteln der Kunst (Operndorf) eine andere, vielleicht bessere Gesellschaft ermöglichen wollte.
Seine Einschätzung der Kirche(n) war dabei eher realistisch, vielleicht auch hellsichtig, wie man diesem Ausschnitt aus seinem letzten Interview im Cicero entnehmen kann.
Alle offenen Fragen, die sich für ihn dann über die Wege der Kunst neu stellten und dort auch neue Lösungsansätze fanden, sind offenbar von der Kirche nicht beantwortet worden. Hier führte offensichtlich der Weg über die Kunst zurück zum Glauben. Die oft unterschätzte Wichtigkeit der Kunst für die Vermittlung des Glaubens spricht aus seinen Worten ebenso wie die offensichtliche Schwäche der Glaubensvermittlung in unseren Breiten.
Ich bete dafür, daß seine Suche in der ewigen Freude und Anschauung Gottes nun ihren Abschluß gefunden hat.
Requiem aeternam...
oder wie man hier auch schon mal sagt:
Komm gut nach Hause, Christoph!

Freitag, 20. August 2010

Pong!



an Stanislaus!

fools and horses

Einer der genialsten Stürze, den die BBC jemals gesendet hat:



So bewahrt eine offene Theke vor einer größeren Dummheit!

Kunst und Kirche

Für alle Leser aus den südlicheren oder nördlicheren Gefilde, denen die wahren Perlen der sakralen Architektur NRW's leider nicht so zugänglich sind, möchte ich heute ein Beispiel für den Einzug der Moderne in der münsterländischen Provence vorstellen. Dieser Kirchbau hat, im Gegensatz zu anderen nichtssagenden Gebäuden, sogar Lyriker der Gegenwart zu einem der seltenen Gedichte über moderne Kirchenarchitektur inspiriert, ja vielleicht sogar zu dem einzigen namhaften Gedicht eines namhaften Autors zu diesem Thema überhaupt.
Im Jahre 1965 wurde nach Plänen des Kölner Architekten Erwin Schiffer (Gott sei seiner armen Seele gnädig!) eine Kirche errichtet und zwar in Ahaus. Die bunten Fenster entwarf der nicht wenig berühmte Georg Meistermann (dito!).
Doch vor dem Bau der Kirche gab es noch ein Hinderniss:
der neugotische Vorgängerbau stand noch. Den Turm ließ man stehen und an die Stelle der neugotischen Kirche entstand dieser formschöne Bau:



Ist das nicht ein Wahnsinn, diese Symbiose von Vergangenheit und Gegenwart?
Also mich haut es jedesmal wieder um, wenn ich in diesen Ort komme! HAMMER!

Der Dichter Robert Gernhardt, seligen Angedenkens, war derart von diesem Bau hingerissen, daß er darüber ein hinreissendes Gedicht schrieb.

Den Text findet ihr hier und hier!

Er hat damit auch das volksmündlich-legendarische Patrozinium dieser Kirche begründet:

ST. HORTEN!

Prosit!

Ein Zitat

von Martin Mosebach aus dem Interview in "The European" aus dem April:

"Was gibt es Wichtigeres als die Liturgie für die Kirche? Die Liturgie ist der Körper der Kirche, die Liturgie ist der sichtbar gemachte Glaube. Wenn die Liturgie erkrankt, erkrankt die ganze Kirche – das ist keine bloße These, sondern eine Beschreibung der gegenwärtigen Situation. Man kann es nicht krass genug darstellen: Die Krise der Kirche hat es möglich gemacht, dass ihr größter Schatz, ihr Arkanum, aus ihrem Zentrum an die Peripherie gespült wurde."



Bei Alipius fand ich heute einen ebenso spannenden Hinweis auf ein Interview mit Msgr. Domenico Bartolucci, dem ehemaligen Chormeister der Sixtinischen Kapelle.
Ein weiser 93jähriger Kirchenmusiker spricht über die Reförmchen und die Reformen der Liturgie seit Pius XII. und zeigt deutlich die Fraglichkeit jener Änderungen auf. Beim Lesen des gesamten Interviews und auch bei den Reaktionen im Kommentarbereich bei Alipius ist mir eines noch einmal deutlich geworden. Wir haben es offensichtlich verlernt, den Alten und Weisen zuzuhören und davon zu lernen. Während in Fantasy-Romanen und -Filmen den klugen, alten weisen Druiden und Geschichtenerzählern eine wichtige Funktion bei der Ausbildung der jungen Heldinnen und Helden zukommt, sind wir darauf getrimmt worden, unsere eigene Position selbst zu finden und zu behaupten. Das Erzählen aus dem Schatz der eigenen Lebenserfahrung als Bereicherung für das eigene Leben und als Hilfe zur Entscheidungsfindung ist vollkommen weg. Das ist nicht nur durch das Schweigen der kriegstraumatisierten Überlebenden des WK II bedingt. Es sind auch die "jungen Alten", die nicht mehr alt und klug werden wollen, sondern -for ever young- noch mit 70 nen Tauchkurs in der DomRep machen müssen. Wer hat heute noch eine marmeladenkochende Oma mit viel Zeit zum Erzählen oder den rosenschneidenden Opa der gerne zuhört?
Ich hatte sie und bin sehr froh und dankbar darüber. Daneben gab es noch ein paar Großtanten und Großonkels, Urgroßmütter, Urgroßonkels, die ich alle noch kennen und lieben lernen durfte. Es wurde gerne und auch viel in unserer Familie gefeiert und so kam die Familie auch häufig zusammen. Ich hatte das große Glück und Privileg, nicht nur einen Weisen am Lagerfeuer zu haben, sondern eine ganze Reihe von lebensklugen Persönlichkeiten, die zwischen Nachmittagskaffee und mitternächtlicher Zigarrenpafferei munter erzählten.
Ich habe dort so manches auch immer wieder gehört. Diese Geschichten haben sich dann auch gesetzt und haben eine Art Grundausrüstung für alles, was danach bisher so gekommen ist, gebildet. Ich hätte mir auch manche unnütze Erfahrung ersparen können, wenn ich mir den einen oder anderen Ratschlag mehr zu Herzen genommen hätte. Mit großer Dankbarkeit schaue ich auf diese zeit zurück und bewahre sie als großen Schatz in Hirn und Herz.
Dieser Ausfall besteht aber nicht nur in den Familien. Er besteht auch in der Kirche. Der Ausfall solcher Autoritäten prägt auch leider unser Kirche. Es fehlt an Persönlichkeiten wie Domenico Bartolucci, die sich nicht als Hauptdarsteller in eigener Sache verstehen sondern wie er als Bewahrer und Hüter eines Wissens, das nicht angelernt und selbstbehauptet ist. Es steht im besten Sinne des Wortes mitten im Strom einer Tradition, an dem auch manche Flüchtigkeit im Pontifikat Pius XII wie ein störender Fels im Flußbett deutlich hervortritt und auch benannt wird.
Aber hat eine solche Stimme noch Gewicht? Wird ihm zugehört?
In Rom ganz offenischtlich. In Deutschland eher weniger!
Ein Land, das nur auf Innovation und Jugendlichkeit setzt, wird darin nur eine Stimme von vorgestern wahrnehmen und nicht eine Handlungsoption für die Zukunft.
Hier gilt der (nicht immer) neueste Forschungsstand. Dieser muß erst einmal gekannt und anerkannt sein. Wer das nicht leistet, leistet sich einen unverzeihlichen Fehler und verspielt sich die Aufmerksamkeit der Zuhörer. Und außerdem stehen dieser Lebenserfahrung ja die gefüllten Regalmeter der deutschen Liturgiewissenschaft gegenüber. Das kann so nicht richtig sein, weil x dazu geschrieben hat und y auch degegen ist. Hier gilt die am Schreibtisch gewagte These mal wieder schwerer als die Lebenserfahnrung eines 93jährigen Ausnahmemusikers und Vollblutklerikers.
Jeder ein kleiner Inquisitor, Müntzer und oder Luther in eigener Sache. Und wenn es nicht paßt? Pech für die Kirche! Soll sie sich doch gefälligst ändern wie Tchibo: Jede Woche eine neue Welt!
Typisch deutsch zählt die eigene taschenpäpstliche Einbildung mehr als die Ein-bildung der Materia der Kirche in die Forma Christi.
...
Msgr. Bartoluccis Interview ist ein weiterer Beleg dafür, wie sehr uns diese "Erzähltradition" in der Kirche fehlt.

Als ich diese Interview gelesen habe, kam mir eine Anekdote aus meiner Kindheit wieder ins Gedächtnis.
Mein Opa und einer seiner Nachbarn (beide seit ihrer Kindheit mit Garten, Gewächshäusern etc. bekannt) wurden vom Schwiegersohn eines anderen Nachbarn (beide (Nachbar wie Schiegersohn) nicht gerade für einen grünen Daumen bekannt), der vor einigen Wochen "eine Laube" (sprich Garten) gepachtet hatte, im Garten hinter dem Haus mit seinem angelesenen Wissen zugequasselt.
Oma saß am Tisch und war dabei, "den zweiten Eimer Kirschen zu entsteinen". (ich finde den Satz immer noch wunderbar komisch!)

Ach wie machen sie das denn? Soviel ich weiß muß man aber...

Das heißt aber Liebstöckel und nicht Maggikraut...
und so weiter.

Mein Opa harkte unbeirrt weiter und ließ den Redeschwall einfach über sich ergehen. Die ausgegangene Zigarre bekam wieder Feuer.
Paff, paff, hark, hark.
ach so, jaja..paff, paff
Endlich war er weg.
Harke in die Ecke gestellt, hingesetzt.
Sein Nachbar reicht ihm ne Flasche Bier und sagt:"Weiße, wenne keinen Kopp hass, sollse auch besser nich aussem Fenster kucken!"
Opa:"Keine Ahnung aber nen Rundschnitt!"
Will sagen:
Nicht theoretisieren, sondern Radieschen ernten!

auf katholisch:
Nicht als Nichtsänger über den Sinn von Gesangbuchleidern referieren, sondern erst einmal singen lernen!

In diesem Sinne:
Kommt der Sonntagspflicht brav nach und einen schönen Frühschoppen Euch allen!

Dienstag, 17. August 2010

Die Männerwirtschaft ist schuld!

Wer die sogenannten Privatsender einschaltet, bekommt neben den üblichen amerikanischen Fernsehserien, "Dinnershows" mit B-F Promis und Umbauserien eine Reihe von Serien geboten, die sich mit dem Leben der Ordnungshüter in Deutschland beschäftigen. Ob es nun die "Klassiker" "Toto und Harry" sind oder die Streifzüge mit den Damen und Herren des Zolls, des Eichamtes oder den Leuten diverser Ordnungsämter diese Serien haben eine Konstante:
Die Erwischten sind immer unschuldig!
Die einen wissen nicht, ab welcher Anzahl von Stangen sie ihre Zigaretten zu versteuern haben, bei den anderen ist es das Gefälle des Marktplatzes, das ihre Waage per se 5 gr. zuviel anzeigt und bei den Falschparkern ist es dann der Hausbesitzer, der rücksichtsloser Weise genau da seine Einfahrt eingerichtet hat, wo Herr x oder Frau y parken müssen, um einen Brief einwerfen zu können.
Keien Ausrede ist zu abstrus, als daß sie nicht vorgebracht würde. Dem Zuschauer zu Hause auf dem Sofa bleibt nur ein Kopfschütteln über die dreiste Dummheit der Erwischten und auch die Schadenfreude über das Knöllchen. Wenn sonst die Welt schon ungerecht ist und so viele Taten ungesünht bleiben, so ist doch die Politesse unbestechlich und vergibt ohne Ansehen der Person Knöllchen und ruft den Abschleppwagen. Wenigstens eine sorgt für Ordnung! Bravo!

Was in den letzten Tagen durch den süddeutschen Blätterwald rauscht, erinnert sehr an eine solche Dokusoap!
Der geistliche Leiter des ifp liefert Äußerungen ab, die dem Heiligen Vater, seine Amtsführung und die Kirche im allgemeinen derart abträglich sind, daß man sie in der freien Wirtschaft als "geschäftsschädigend" oder als "Zerstörung des Betriebsklimas" bezeichnen würde. Dafür gibt es "draußen in der Welt" eine fristlose Kündigung.
Es ist eine Binsenweisheit, daß ich nicht gleichzeitig meine Brötchen im Zwischenlager Gorleben verdienen kann und nach Feierabend vor dem Tor eine Sitzblockade leiten kann. Mit einem anderen Beispiel:
Wer als Pressesprecher der Firma x in der Öffentlichkeit die Produkte schlecht redet, der kriegt den Koffer vor die Tür gestellt. Das versteht sich irgendwie von selbst.

Nun hat die DBK diesem Herrn das Mißtrauen ausgesprochen. (Allein darüber kann man sich schon ein wenig wundern, weil die Aussagen doch sehr nach Gusto des binnenkirchlichen Mainstreams gestrickt sind und sonst wenig geahndet werden. Aber das ist ein anderes Thema!)
Nun passiert das, was jeder Politesse oder jedem Polizisten irgendwann einmal passiert, wenn er/sie versucht, Recht und Gesetz anzuwenden und durchzusetzen:
Es bildet sich eine Menschentraube und der Übeltäter bekommt von völlig unbeteiligten Personen völlig zu Unrecht Unterstützung, weil er sich lautstark beschwert. Es werden immer wieder dieselben dämlichen Sprüche geklopft!
Dann sind die Parkboxen sowieso zu eng, die Parkgebühren zu hoch, die Bußgelder eine Abzocke von armen Bürgern, etc.
Einen besonderen Drive bekommt eine solche Sache immer, wenn es sich um einen Angehörigen eines südländischen Clans handelt und nach und nach die Sippe zur Unterstützung zusammenkommt... Aber egal wer es auch ist:
Letztlich ist der Staat böse oder doof, auf jeden Fall immer schuldig, nur nicht der Täter.

Nun kommen auch bei Pfarrer Broch alle möglichen Leute zusammen und machen genau das, was wir aus dem Fernsehen oder von der Straße kennen. Völlig Unbeteilgte mischen sich ein, wissen mal wieder alles besser und greifen genau die an, die wegen ihres Einschreitens ein dickes Lob verdienten.
Und prompt werden den Bischöfen die gleichen dämlichen Stereotype um die Ohren gehauen, wie der Mitarbeiterin des Ordnungsamtes, nur hier scheut man sich nicht vor Vergleichen, die im Umgang mit einer Politesse zu einem schönen Prozeß wegen Beleidigung führen.
Die Kirche als Unrechtsregime alter Männer und Broch als niedergedrückte Stimme der Kritik. Ein echter Brüller!

Aber es rotten sich in diesem Falle keine nöckeligen Rentner oder halbstarke Panzerkettchenträger in Bollerbuchsen zusammen. Nein, es sind die Vertreter bestimmter Presseorgane und Rundfunkchefs, was ihren Äußerungen auf den ersten Blick den Anschein einer besondere Wichtigkeit verleihen mag. Ich kann diesen Äußerungen keine größeres Gewicht zusprechen, als so mancher Äußerung auf der Straße. Es ist dasselbe in grün und das macht die Sache auf andere Art und Weise zu einem schwerwiegenden Fall. Wieder einmal mehr zeigt sich, wie wenig diejenigen, die es eigentlich besser wissen sollten, eine kritische Distanz zu denn Dingen bewahren!
Aber es ist egal, ob es sich um Straße, Dokusoap oder in diesem Fall um die sog. seriösen Medien handelt. Das Spiel ist dasselbe und heißt "verkehrte Welt!"

Wenn nun einige der selbsternannten Verteidiger ihre Mitarbeit in der Kirche aufkündigen, so ist das aus meiner Sicht nur zu begrüßen! Es geht mit jedem wieder ein Vertreter jenes realexistierenden deutschen Katholizismusses, der die notwendige Reform der Kirche im Sinne des Heiligen Vaters verhindert. Außerdem scheint die Verwurzelung in der Kirche Gottes eh nicht sehr tief gewesen sein, wenn ein solcher Fall zur Aufkündigung der Ämter führt!

Nicht die Männerwirtschaft ist schuld und keiner der Bischöfe ist ein kirchlicher "Knöllchen Horst"!
Pfarrer Broch hat gezeigt, daß er offensichtlich für ein solchermaßen verantwortungsvolles Amt nicht mehr die nötigen Voraussetzungen hat.

Es ist wie in dem Fall in Hannover:
Die alkoholisierte Frau am Steuer war selbst schuld, daß sie den Führerschein verloren hat, weder die Polizisten, die sie gestellt haben, noch die rote Ampel haben einen Fehler gemacht!

Donnerstag, 12. August 2010

Route der Industriekultur

Als Kind des Ruhrgebietes bin ich es ja gewöhnt, daß jeder alte Flaschenzug, an dem vor 50 Jahren vielleicht mal nen Eimer Eierkohlen ins Dachgeschoß gezogen wurde, zur erhaltenswerten Industriekultur gezählt wird und - bei entsprechender Legende und Aufbereitung derselben - Besucherströme auslösen kann. Während die ältere Generation der Püttologen die Orte, an der sie viel Lebenszeit und nicht selten noch mehr ihrer Gesundheit gelassen hat, verständlicherweise gerne in Parks umgewandelt gesehen hätte (Deckel drauf und Bäume hin!), hat die Generation ihrer Kinder einen anderen Blick für die Zeugen der Vergangenheit.
Sie haben den Sprung aus der engen Zechenwohnung geschafft, sind nicht "auffen Pütt" gegangen. Sie haben dank einer damals noch besser funtionierenden Bildungslandschaft den Sprung in Kontor, Kanzlei, Praxis oder Klassenraum geschafft. Statt nun in den Heimatkirchen der Heiligen Barbara im Gebet dafür zu danken, daß sie die Väter vor dem Tod und sie vor der Arbeit unter Tage bewahrte, pilgert diese säkularisierte Generation zu den sog. "Kathedralen der Arbeit" und bestaunt Laufkatzen, Kohlenwäschen, Doppelbockanlagen und Kühltürme und bannt alles mit der vollmechanischen Spiegelreflex auf hochwertigen ilford pan f Film, natürlich nur schwarz weiß.
Dieser Trend geht natürlich auch nicht ganz spurlos an den Kirchengemeinden vorbei.
Schleppende bis rückläufige Besucherzahlen im Hause des Herrn, sprunghaft explodierende Besucherzahlen auf Zollverein, da kommt manche Pfarrei ins Grübeln, wie man gegen den Trend handeln kann.

Weitab vom Trubel zwischen Gasometer und Zeche Holland hat nun eine Pfarrei im Münsterland, St. Georg in Dülmen-Hiddingsel, kurzerhand einen neuen Stil entwickelt. Bei der Kirchenrenovierung zwischen 1996 und 1998 hat man Akzente im Kirchenraum gesetzt, die nach einer Verlängerung der "Route Industriekultur" bis in diese beschauliche Gemeinde des Münsterlandes schreit!!!
Wie der ausliegende Kirchenführer beschreibt, ist die Innenrenovierung nach "ausführlichen Diskussionen" ausgeführt worden. Warum fällt mir jetzt Martin Mosebach ein? ... Egal!
Die alte Wandbemalung ist weiß übertüncht worden. Somit bekommen die wunderbaren Materialien eine bessere Wirkung.
Was dem Hochaltar passiert sein mag, möchte ich gar nicht so genau wissen. Der Raum, wo er einmal gestanden haben muß, ist jetzt durch ein metallisches Etwas abgetrennt,was mich sehr an die Laufschienen in Schlachthöfen oder automatische Knasttore erinnert.



Die Gitterstäbe sind an manchen Stellen verschiebbar, damit man z.B. an den Tabernakel gelangen kann. Dieser besticht durch das billige Material (gebürsteter Stahl) und seine nichtssagende "Gestaltung". Das Design im Stile eines Sicherungskastens ist die beste Absicherung gegen zu verhindernde Devotionsgefahren, wie z.B. durch betende vielleicht sogar knieend betende Menschen dargestellt wird, wodurch der so nüchterne Raumeindruck für den unvoreingenommenen Besucher doch deutlich gestört werden könnte.



Daneben schiebt sich unter Vermeidung jeglicher Harmonie und Proportion der Zelebrationsklotz mit Pult und klerikaler Ersatzbank.



Zur Verankerung dieser "Neuen Mitte" hat man dann noch einen Stahlkranzleuchter darüber montiert. Durch eine unnötige Vielzahl von Strahlern im Hauptschiff, die an einfachen Strippen hängen, bekommt der Raum den letzten Schlag in Richtung Waschkaue. Die tragenden Säulen dienen in harmonisch abrundender Art als Litfaßsäulen und geben dem ganzen einen dubiosen Hauch von Werkskantine oder Unimensa. Deutet sich hier vielleicht zart, aber auch bestimmt der Generationenkonflikt an, den ich oben schon andeutete?



Beinahe hätte ich bei der Kniebeuge "Glückauf!" gesagt.
Tief beeindruckt von diesem Zeugnis des Willens zur Zeitgemäßheit habe ich den Ort verlassen!

Mittwoch, 11. August 2010

Blogere cum Ecclesia

Offensichtlich gibt es einige Kommentatoren in letzter Zeit, die mit dem Inhalt der Weblogs ihre Probleme haben und ein Nachdenken über die Folgen für die Kirche einfordern.
Nun habe ich solche Kommentare bisher nicht bekommen, vielleicht weil sich zu wenige Leser hierher verirren oder weil man mich eh für unbelehrbar oder bekloppt hält. Ersteres möchte ich entschieden bestreiten, letzteres mag durchaus stimmen. Wenn ich auf die Zeit zurückblicke, in der ich nun dieses Weblog unterhalte, so habe ich nach meiner Einschätzung niemals den Versuch unternommen, die Kirche Gottes in einer Weise herabzusetzen, daß es ihr in der Öffentlichkeit schaden könnte. Ich habe lediglich mit allen Mitteln der Sprache, die mir zur Verfügung stehen jene Haltungen, Personen, Denkrichtungen zu kritisieren, die sich offenischtlich mit allen Mitteln auf den deutschen Sonderweg bewegen wollen und dabei vor keinem Mittel zurückschrecken, um Personen und Gruppen, die ihnen entgegenstehen (könnten), auszuschalten. Ich wehre mich mit aller Entschiedenheit gegen eine einseitige Deutung des II. Vatikanums, die der Hermeneutik des Bruches verpflichtet ist und halte mich damit treu an die Auslegung, wie sie von unserem Heiligen Vater gemacht wird, wie ich im übrigen überhaupt versuche, mich an die Vorgaben des Magisteriums zu halten. Damit bin ich als Katholik, der seine "participatio actuosa" seit über 30 Jahren in verschiedenen Aufgabenbereichen seiner Wohnortgemeinden immer wieder mehr als erfüllt, eher ein Störenfried als ein gern gesehener Mitarbeiter im Steinbruch des Herrn. Ich blicke (mit wenigen Ausfalljahren) auf eine fast 30-jährige aktive Zeit zurück, die deutlich vom allgemeinen Glaubensverfall und einer Verwohnzimmerung unserer Volxkirche.
Mir liegt es fern, in einer Antihaltung gegen diese verwohnzimmerte Kirche das Heil zu suchen. Frei nach Dietrich von Hildebrand: Die Wahrheit wird nicht dadurch errungen, indem man versucht, eine Fehlhaltung durch eine andere Fehlhaltung zu ersetzen.
Mir liegt es auch fern, jemanden durch meine Philippika missionieren zu wollen.
Ich möchte lediglich dazu anregen, das als normal empfundene alltägliche Sosein unserer deutschen Kirchenrealität in all seiner Provinzialität, Verschrobenheit, Arroganz und (verzeiht die folgenden Worte!) manchmal sektiererischen Antikatholizität so darzustellen, daß es nicht mehr als das Normale gesehen wird sondern als das, was es ist, nämlich Kryptoprotestantismus.
Der Weg dazu ist der Weg der satirischen Überzeichnung, des kabarettistischen Schreibens. Durch die Überzeichnung kommen Konturen deutlicher hervor, werden Momente der Verfremdung erzeugt, die einen anderen Blick auch aus der Distanz ermöglichen.
Kabarett und Satire haben im besten Sinne mit Humor zu tun. Humor ist kein bloßes Witzemachen. (Ich kenne Leute, die können stundenlang Witze erzählen, haben aber nicht den geringsten Humor!) Humor will etwas ändern und nicht bloß Lacher ernten.
Humor jedoch entsteht nur durch die empfundenes Leiden. Leiden kann ich jedoch nur, wenn ich auch zu tiefer Liebe fähig bin.
Ich liebe nicht nur ( wie Gustav Heinemann) meine Frau, meine Eltern, Freunde etc. jeden auf seine besondere Art und Weise, ich liebe auch meine Kirche. Daher leide ich auch mit ihr. Ich leide an dümmlichen Auftritten gewisser Funktionärskader genauso wie an einem miserablen Kirchenbau, der den Namen Kirche nicht verdient oder an einer miserablen Kirchnmusik, die ihr höchstes Ziel, nämlich zur Verehrung Gottes zu erklingen, nicht mehr im Blick hat und nur noch zur Bespaßung der Gemeinde gemacht wird. Das ist heute alles leider so selbstverständlich und wird einfach hingenommen und getan.
Dagegen schreibe ich meine Einträge im Sinne eines "blogere cum ecclesia", nicht mehr und auch nicht weniger.
Wem es nicht gefällt, der kann es ja schreiben oder soll woanders kuscheln gehen!!!
Das war jetzt mal ganz schnell hingekloppt!

Mahlzeit zusammen!