Dienstag, 22. Dezember 2009

Seid bereit! (Ramtatam) Seid bereit! (Ramtatam)...

Ihr lieben goldigen Mitblogozesanen,

sicherlich habt Ihr Euch schon gefragt, warum der gute Laurentius sich in den letzten Tage nicht geäußert hat. Tja, der Advent hat mich erwischt, eiskalt!
*flöt* Kalingglöckchen, klingelingeling, Kalingglöckchen kling...
Wie fröhlich und wohltuend sind doch diese Wochen der Vorbereitung auf die Menschwerdung unseres Herrn und Heilandes! Zu keiner Zeit des Jahres menschelt es so sehr in den Städten und Dörfern unseres so geliebten und schönen Heimatlandes und nie sind die Feierstunden in unseren Bethäusern lieblicher gestaltet
*sing* "...als zu der Wei-hei-nachts-zaaaait..." *Lied aus!*
Advent! Wenn ich das schon höre! Advent! Da krichisch Plaque!
ADVENT??? HA!
Halloween ist das, aber das echte Halloween!
Kein Gruselfilm oder Kinderscherz zwischen "Süßes oder Saures!"
Das ist bittere Realität! Das sind die Wochen der Untoten der Liturgiegeschichte und der unerlösten Seelen der Bastelkreisästhetiker! Was sich in diesen Wochen abspielt, stellt selbst Murnaus Nosferatu in den Schatten. Murnaus Nosferatu ist ein Klassiker der Filmgeschichte. Den schaut man sich an, wenn man ihn sehen will und nach dem Abspann ist der Spuk vorbei. Aber das ist die harte Realität. Dagegen hilft kein Knoblauch und kein Weihwasser! Freunde! Das sind andere Kaliber!
Kaum ist das Christkönigfest gefeiert, dann tun sich die Türen der Gruppenräume in den Pfarrheimen auf und das höllische Spiel beginnt. Zuvor haben sie Kellerschränke und Dachbodentruhen durchsucht und es passiert das, was passieren muß:
Die alten, längst vergessenen und in der Altpapiertonne geglaubten Liederbücher der Betroffenheitsära werden gehoben und geöffnet, die Schulblockflöten werden aus den Plastiksarkophagen gehoben und erstehen in den Händen von Eltern und Musikpädagogen zu alter und grauenerregender Größe und Form.
Die Hüter der Arkandisziplinen rafften eilig alles zusammen, packten noch kindersichere Bastelscheren, Glanzpapier und Pritt ein und beginnen nun, an den dunkelsten Tagen des Jahres mit ihrem grausamen Werk: Die Initiation der unschuldigen Kindlein in die Ersatzriten der Konzilsgeistbeschwörer zwischen Hindenburglicht, Bastelstern, Kinderpunsch und Klampfe!
Sie rotten sich mit den pastoral Assistierenden zusammen, die schon mit ihren bis fast zur Unkenntlichkeit weiterkopierten Konzepten und den sich immer wieder wie Vampire verjüngenden Vorbereitungskreisen bereit stehen, um ein weiteres Jahr alles, aber auch alles, was an Liturgie in dieser Zeit in den Gemeinden passieren könnte, im Keim totzududeln und totzulabern!
Nein, nicht nur auf Weihnachtsmärkten, bei Adventfensteraktionen, bei Kindergartenfeiern und Altenheimveranstaltungen sind diese ewiggestrigen Gutmenschen mit ihrem besinnungslosen Besinnlichkeitswahn anzutreffen! NEIN! Wie ferngesteuert wanken diese Gestalten unaufhaltsam auf die Kirchen los, die armen Kindlein im Schlepptau. Un dann geht es erst richtig los:
Sie zerschrummeln und zerblasen die Heiligen Messen an den Sonntagen des Adventes, wo immer sich ihnen auch nur die geringste Chance bietet. Wenn Kirchenmusiker und Priester nicht frühzeitig immunisiert worden sind und keine starken Abwehrkräfte haben, fallen sie in die Kirchen ein und walzen dabei pandemisch alles nieder, was sich ihnen liturgisch in den Weg stellen will:
Da werden die Lesungen munter gegen selbstgestrickte "Anspiele" ausgetauscht.  (Oh ihr Unwissenden! Dieses Wort allein ist schon ein Provokation! Flanke zu Pezzoni, du Pfeife, Du sollst den Pezzoni ANSPIELEN, du Tünn!...Anspiel is aufm Platz!)
Besinnlichkeitstexte werden vorgetragen a là "Nimm dir Zeit für dich! Gott möchte nicht, daß wir zerzaust von Streß an Weihnachten zu Hause miteinander feiern!"
Richtig, denke ich mir da immer wieder! Gut, daß das endlich mal einer laut sacht!
Denn wir wissen ja alle, wie schlimm Sodbrennen werden kann, wenn man zwischen Gans und Kuchen mit dem Spülen nicht hinterherkommt und Streß aufkommt.
Das ist auch nicht gut für die Speiseröhre! Da kann Krebs inne Speiseröhre von kommen, wenn man immer so hastig ist!
GÜTIGER HIMMEL!
So was muß man sich als Predigtersatz (kunstvoll wie unerlaubt um das Evangelium drapiert) von der Pastoralen bieten lassen!
Kein Wunder, daß der Papst extra vor Weihnachten noch mal darauf hingewiesen hat, daß Weihnachten kein Kindermärchen ist.
Gezz mal ehrlich: Da kann ich besser das Weihnachtsspecial von "Meine Familie und ich" an der Supermarktkasse erstehen. Da sinn wingstens noch tolle Rezepte drin!

Und dann diese Lieder, irgendwo aus "Wir sind Gottes Melodie",  "Troubadour Gottes" und Rolf Zuckowskis Liederbuch zusammengeschabt. Mach End oh Herr, mach Ende rufe ich dann in meiner Verzweiflung, aber es geschieht nichts.
Und dann stehen sie alle wieder da, die Gespenster aus meiner Jugend und halten eine weitere Generation in ihren Klauen. Die armen Kleinen müssen plochflautend und singend die halbgaren Wohlfühltexte der Gemeinde vortragen, die Ihnen von (innerlich) angegrauten Damen und Herren vorgegeben wurden. Dann stehen sie da und gestikulieren mit Armen und umgehängten Guitarren und zwingen die Kinder in den Takt der ewig gleichen Lieder... Es ist so grauenerregend! Die armen Kinder....
Keinem fallen die offensichtlichen Parallelen zwischen manchem Azwenzlied und irgendwelchen FDJ-Märschen auf!
Ein Beispiel: Ein kleinerverschobener Akzent  in dem Lied "Im Advent, im Advent"  und schon haben wir einen Marsch für die Jungen Pioniere und es paßt ein roter Text drunter.
Beim Refrain hab isch mer mittlerweile anjewöhnt, mit erhobener, geballter Faust in der Bank zu stehen und in die Pausen "Ratatam" reinzusingen! Seid bereit (ramtatam)! Seid bereit (ratatam)!
Das gefällt nicht jedem!
Aber guckt doch mal, es kann dann auch so weitergehen:
"Denn der Sieg der Partei, der ist nicht mehr weit!..."
Das merkt in dem Moment keiner!
Ach es ist so schrecklich!
Keiner sagt: STOP! Keiner erlöst mich aus diesem Albtraum!
Nein, sie fangen an und es wird wie immer furchtbar! Die Guitarren verstimmt, die Plochflauten geben die Kompromisse ihrer Bohrlöcher hörbar preis, die Kinder singen lustlos und "unter Ton" und in offensichtlicher Unkenntnis der Intervalle, Texte von tiefer Belanglosigkeit. In den Gesichtern der Eltern und Großeltern macht sich ein friedvoll gestimmtes Lächeln breit, als wenn Dr. Marbuse gerade ein geruchloses Nervengas in die Kirche geleitet hätte, das alle zu willenlosen, geistlosen und kritiklosen Zombies macht, während der Kindersingkreis am Ende der Zeielen immer weiterabsackt, weil die Kinder ohne Zwerchfellstütze vor sich hin singen. Also mir tut das weh! Anderen offensichtlich nicht..
Ach ne wat nett! Das machen die aber gut! Auch Celine hat ja gut gesungen.... Herr  x / Frau y geben sich immer so viel Mühe mit den Kindern...
Da möchte ich dann immer losschreien und das unüberhörbare beim Namen nennen:
MÜHE? Welche Mühe? Vergebliche Mühe würde ich das nennen! Das ist ja wohl ein musik- und pastoralpädagogischer Offenbarungseid gewesen, was wir hier erlebt haben. Waterloo, Verdun, Dunkerque! Seid ihr alle taub oder bin ich ein durchgedrehter Snob (ein Anfall von Selbstzweifel)?
So eine unmotivierte und schlecht vorbereitete Truppe schickt man nicht zum Rumkrähen in die "Familienmesse"! Die gehören in ein Probenwochenende geschickt und diese Zupfgeigenhansel in einen Auffrischungskurs über die Weiterentwicklung der Musikgeschichte seit 1973!
HALLO? BOOTCAMP in Sachen Geschmack für alle hier!
Es geht ja noch weiter!
Diese Roratemessen! Da werden Kirchen stimmungsvoll mit Kerzen ausgeleuchtet. Der Mensch gerät in eine Atmosphäre von Raum und Licht, die ihn wieder zum Mystiker werden lassen könnte.
Ein Schola intoniert zum Einzug das Rorate coeli und dann,
ja dann geht das Gesabbel los. Ich begrüße sie herzlich in dieser tollen Atmosphäre... bla bla... Dank an die Schola, die so stimmungsvoll mit diesem uralten Gesang... blubber sülz.... und dann, Achtung!!!!: Leider können wir uns bei dieser Beleuchtung ja gar nicht gegenseitig in unsere schönen blauen Augen sehen. Darauf müssen wir heute mal verzichten! AAAAAAHHHH!
Besser kriegt man es nicht kleingesägt. Das ist doch ne Slapstick-Nummer!
Jetzt mal anders herum beleuchtet:
Wer würde bei einem Candlelight-Dinner mit dem Objekt seiner privaten und binnenmenschlichen Adoration schon sagen:
Tolle Atmosphäre, Schatz, aber schad, daß ich dich nicht so gut erkennen kann wie bei Flutlicht!
Wenn man Glück hat (und das ist einem in solchen Momenten nie hold), wird das als eine Art Kompliment aufgefaßt!
Außerdem:
Wer geht in die Kirche, um seinen Nachbarn in die Döppen zu schauen und Augenfarben zu bestimmen?
Ein Hauch von Wehmut über eine verpaßte Chance zu einer "Gemeinschaftsmesse" hat da wohl die Worte des Vorstehers ein wenig grau eingefärbt!
Ich könnte mich aufregen!
Wissen Sie, wißt Ihr, warum es mich so hart angeht in diesem Jahr? Wißt ihr, warum ich mich derart aufrege?
Es ist nicht die Wut über das, was man mir in meiner Jugend ansatzweise alles in der Jugendpastoral angetan hat. Nein! Das habe ich längst verarbeitet! Nein!
Ich habe einen Fehler gemacht und zwar einen ganzen dicken Fehler. Ich habe mal wieder unvorsichtigerweise einen Schritt einfach so in eine Kirche gemacht, ohne vorher Erkundigungen über Zelebrans und mögliche Mittäter einzuholen. Angeschärft wurde das ganze dadurch, daß ich das Pharmakon athansias kurz hintereinander auf zwei unterschiedliche Arten empfangen wollte, die, wie sich beim zweiten Gang zeigte, kontraindiziert waren:
Ich war an einem Samstag in einer Messe im Ordo originis (seufz...) und bin dann am Sonntag (um der Sonntagspflicht nachzukommen und weil ich etwas verschlafen hatte) unvorsichtigerweise aufs geratewohl in eine Messe innerhalb des Dekanates, ohne nachzusehen, wer da so alles mitwirkt.
Falsch! Ganz falsch!
Und sie waren alle da, aber auch wirklich alle:
Die Pastorale, die den Aufgang zum Altar offensichtlich mit der Showtreppe verwechselte und das Handmikro wie Harry Wijnvoord bei "Der Preis ist heiß" hielt, die Schar der unnötigen Kommunionhelfer in unpassenden Winterjacken, die Lektoren mit Leseschwäche, hampelnde Ministrantinnen, der frustrierte Kirchenmusiker, die St. Schubiduh-Combo mit vorgeschobenen Kindern, die schlecht kopierten Liederzettel, das Anspiel, die Fürbittenersatzstoffe, der Pfarrer, der immer freundlich zwischendurch ein wohnzimmerndes "Bitte nehmen Sie doch Platz!"einstreute und die Feier klassisch  durch das lustlos und stockend improvisierte Schlußgebet und einen Schlußsegen beendete, wie ich ihn noch nie gehört habe und nie wieder hören möchte: "Möge alles das, was ich ihnen wünsche, in Erfüllung gehen! Das gewähre euch der Vater,.... Kommen sie gut nach Hause!"
Kerl inner Kiste ne!
Das ist ein Kontrastprogramm! Jottermuttes!.
Der Schüttkübel mit Eiswasser nach dem Saunagang ist dagegen ein moderater Temperaturumschwung!
Zartfühlend, wie Sie ja nun alle sind / ihr alle seid, wollt ihr jetzt bestimmt wissen, wie es mir danach ergangen ist.
Keine Sorge! Es geht mir schon wieder besser!
Isch will mal eso sagen:
Die Nebenwirkungen lassen nach über einer Woche jetzt langsam nach.
Die Fieberträume von marodierenden Blockflötenzombies und Gemeinden in Karnickelstarre lassen langsam nach, ebenso die Kreuzzugsphantasmata und andere nächtliche Schwertmissionsversuchungen und Inquisitionssehnsüchte. Auch die Phantasien nur noch mit Pflöcken und Hämmern und über mit gesegneten Silberkugeln aufmonitionierten Jagdflinten abgesichert in die Kirche gehen zu können, ebben ab.
Eines glaub ich aber janz bestimmt seit diesem Sonntag, dat könnter mir glauben:
So schlimm können die Booster bei den Schweinegrippenimpfungen nicht sein!
Naja, juut, Grippe vom Schwein, is ja auch nur en Krankheit. Die geht widder vorbei.
Abber wenns quasi ums Seelheil jeht, dat fährt einem dann schon schwer in die Knochen!
Man merkt halt schon: Damit is nich zu spaßen!
Denk immer daran:
Et incarnatus est de Spiritu Sancto ex Maria Virgine, et homo factus est!
In diesem Sinne:
Paßt auf, wo ihr hingeht! Es geht um... Uaaahhhh!!!
Seid bereit! (Ramtatam) Seid bereit! (Ramtatam)...

Kommentare:

Sponsa Agni hat gesagt…

*unterschreib*

Nonnatus hat gesagt…

Dieser Text ist hervorragend! Das möchte ich auf Flugblättern von den Emporen werfen. Hoffentlich werde ich nicht verhaftet.

Sarah hat gesagt…

Schade, dass du nicht in unserer Jugendmesse warst. "Von Macht hoch die Tür die Tor macht weit" über "Maria durch ein Dornwald ging", beide original Lesungen, Psalmen, "Heilig" von Frey (Geschmacksache), "Oh du Lammgottes unschuldig", "Mein Jesus mein Retter" und zum Auszug "Mir geschehe wie Gott will" (muss man nicht kennne, aber schön, nur der Priester hat die Kommunion gespendet....wirklich ecclesiastical correct und wunderschön. Ich bete auch wirklich dafür, dass die Jugendlichen es langsam begreifen...der einzige für mich "no go" vorschlag war "es ist für uns eine Zeit angekommen" und der kam vom Pastor und den haben wir dann in Einheit schön gestrichen....

Sarah hat gesagt…

Ich habe deinen Artikel gerade noch einmal gelesen, weils einfach so gut tut zu lachen und weil 'Gott sei Dank!' ein paar wenige Menschen in unserer Gemeinde (und zwar unser amtierender PGR *g* - wirklich) genau das von der Gemeinde versuchen fernzuhalten, was uns aber nur durch Gottes Gnade gelingen kann, weil wir zu einem Verbund von 5 Gemeinden gehören, die eben genau anders sind und soetwas toll finden- sehr wahrscheinlich eigentlich nicht die Menschen, sondern deren Vertretet im PGR...Nur - oder gerade deswegen - , an einer Stelle bin ich nachdenklich geworden: "...oder bin ich ein durchgedrehter Snob (ein Anfall von Selbstzweifel)?" Sind wir vielleicht wirklich zu anspruchsvoll, ist es ein hoher Anspruch den man stellt, wenn man bittet: "bitte laßt das Heilige heilig?", ist die deutsche kirchliche Welt eher "billig darauf stehst du doch?"

Conservare hat gesagt…

seufz...

dilettantus in interrete hat gesagt…

Lob!

Laurentius Rhenanius hat gesagt…

Danke wieder einmal für die Blumen.

Der Selbstzweifel (...Snob..?) verfliegt immer sehr schnell, wenn ich die allgemeine Schlurigkeit und "Ist-ja-egal"-Haltung bemerke, die sich paart mit der Einstellung "Mehr kapiert der Messbesucher sowieso nicht!"
Es ist halt keine Sonntagsvormittagsbespaßung für die ganze (für dämlich gehaltene)Pfarrfamilie, auch wenn die Mehrheit das mittlerweile glaubt.
Es geht um die Verehrung Gottes und die Feier des Opfers Christi!
Für Gott nur das Beste, hab ich mal gelernt... ist aber schon lange her und der Dechant, der so sprach weilt auch schon nicht mehr unter uns...

Tja, Flugblätter!
Wenn sie was brächten...