Sonntag, 15. November 2009

St. Peter und die Pastorin

In Recklinghausen hat eine evang. Pastorin gegen die Propstei St. Peter geklagt. Ihr war der nächtliche Stundenschlag auf die Nerven gegangen. Das Gericht gab ihrer Klage statt und verdonnerte die kath. Propsteigemeinde dazu, zwischen 22.00h und 6.00h den Stundenschlag abzustellen.
Das ist doch mal ein echter Akt der gelebten Ökumene!
Ich schlage eine Erweiterung der Läuteordnung vor! :-)
Der WDR weiß mehr zu berichten.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Um ein bißchen Gerechtigkeit herzustellen: In unserer Gemeinde schweigen die Glocken
der ev.Kirche von 22.00-6.00h auf Antrag eines kath. Christen!
Es ist also keine evangelische Art,sondern hängt ganz sachlich gesehen mit der Lärmempfindlichkeit von Menschen zusammen,unabhängig von der Konfession!
Ulla,ev.,die es auch nicht gerne sieht wenn Glocken schweigen müssen oder Kreuze verbannt werden!

Laurentius Rhenanius hat gesagt…

Eigentlich lasse ich anonyme Kommentare nicht zu, in diesem Fall habe ich es mal getan.
Ich habe nie behauptet, daß es sich bei "Geräuschempfindlichkeit" gegenüber Kirchenglocken um eine protestantische Besonderheit handelt.
Was mich bei der ganzen Angelegenheit so sehr fuchst, liebe Ulla, ist die Tatsache, wie wenig eine Pfarrerin in der Lage zu sein scheint, ihre eigenen Empfindlichkeiten mit Blick auf die örtliche kirchliche Großwetterlage hintanzustellen.
Aus eigener Erfahrung kann ich zum Thema Glockenschlag und Nachtschlaf folgendes beisteuern. Ich habe einige Jahre in unmittelbarer Nähe einer Kirche mit nächtlichem Stundenschlag und gut ausgebauter Läuteordnung gelebt. Das Schlafzimmerfenster hatte eine Einfachverglasung aus den 1950er Jahren und lag genau in Richtung Kirchturm (Luftlinie max. 100m). Nach einer Woche habe ich die Glocken nicht mehr wahrgenommen. Erst als durch einen Blitzschlag der Läuteautomat ausgefallen war, wurde ich nachts wach, weil mir etwas fehlte.
Ich halte so etwas für eine Sache der Gewöhnung undob ich mich gestört fühlen will oder nicht. Außerdem gibt es noch andere Wege mit solchen "Problemen" umzugehen, als zu klagen (Ohrstöpsel,...).
Eine evang. Pfarrerin, die doch die paulinischen Briefe besonders gut kennen sollte, sollte doch auch jene Stelle aus 1. Kor 6,5ff. kennen:
Ich sage das, damit ihr euch schämt. Gibt es denn unter euch wirklich keinen, der die Gabe hat, zwischen Brüdern zu schlichten?
6 Stattdessen zieht ein Bruder den andern vor Gericht, und zwar vor Ungläubige. 7 Ist es nicht überhaupt schon ein Versagen, dass ihr miteinander Prozesse führt? Warum leidet ihr nicht lieber Unrecht? Warum lasst ihr euch nicht lieber ausrauben? 8 Nein, ihr selber begeht Unrecht und Raub, und zwar an Brüdern.

So das war mal ein biblischer Einspruch!
Aber vielleicht gilt das ja nur für die Brüder und nicht die Brüderinnen...

Daneben ein Blick auf die Außenwirkung:
Ein Lacher und blankes Unverständnis wird der ganze Prozeß auf Außenstehende haben und ein gefundenes Fressen für die ohnehin nicht kirchenfreundlichen Medien. Jetzt klagen die sich schon gegenseitig an! (siehe Paulus!)
Sonst wird auf Solidarität und Frieden gepocht und dann rennen sie vor Gericht! etc.pp.

Daneben ein Blick auf das Miteinander der Konfessionen in der Stadt. So kriegt man ein gutes Klima zwischen den Gemeinden befördert, wenn eine Pastorin in schlechtester Spießermanier die Gerichte bemüht, als wenn es um Gartenzwerge oder Maschendrahtzäune ginge. Ich will aber rechthaben und meine Ruhe kriegen! Der Rest der Stadt und der Welt ist mir egal!
Es ist peinlich, kleinlich und egozentrisch.
Paul Hacker (Das Ich im Glaube bei Martin Luther) hat mit seiner Analyse den Nagel auf den Kopf getroffen.
Sie hat als Pastorin eine Verantwortung für die Gemeinde, nach innen und nach außen. Diese hat sie nicht wahrgenommen!
Sie hat ihrer Kirche und der Sache Christi keinen guten Dienst erwiesen.
Punkt.

Conservare hat gesagt…

Mein Schlafzimmerfenster befindet sich in etwa 60 - 70 Meter Luftlinie von der Kirche entfernt... Neben dem Läuten zur Heiligen Messe und zum Rosenkranz wird auch drei mal am Tag zum Gebet "Engel des Herrn" und zum Vormittag 11 Uhr geläutet. Am Freitag um 15 Uhr und am Samstag um 14 Uhr noch mal extra. Bisher hat sich meines Wissens keiner dazu genötigt gefühlt, die Pfarrei zu verklagen.

Meine Tante wohnt genau neben der Kirche - auch sie kommt gut in den Schlaf, obwohl sie eine ältere Dame ist.

Die Sache ist einfach: Man kann sich daran gewöhnen, wenn man will. Das sage ich nicht nur zu dieser Pastorin.

Ich kann auch nicht mein Haus neben einen Bahnhof bauen und dann verlangen, dass die lauten Züge nur noch von 06:00 bis 22:00 Uhr rattern.

Anonym hat gesagt…

Lieber Laurentius,
danke,daß du mich zugelassen hast und dir die Zeit genommen hast,mir zu antworten!Ich hatte nicht damit gerechnet!Ich bin zufällig durch eine Recherche in die katholische Bloggerwelt geraten! Da wir Evangelen da öfters die " Böse Buben/Mädel-Karte" haben
und ich vor einiger Zeit unser Glockenschweigen mitentscheiden mußte,hat es mich nun gereizt hier allgemein etwas zum Thema loszulassen!
Was du mir erklärend schreibst kann ich nur bestätigen (Gericht,u.s.w) und was die Pastorin betrifft, sie dürfte nicht unsere sein!Sie hätte ordentlichen Ärger im eigenen Lager und mich würde die Haltung ihres Kirchenvorstandes in dieser Sache sehr interessieren!Für mich ist unfassbar,daß sie da nicht ausgebremst wurde!
Darum war es mir auch so wichtig zu sagen,daß es sich hier um Befindlichkeiten von Menschen handelt!
Wir haben dem kath. Mitbruder letztlich gerne den Gefallen getan,wegen der geschwisterlichen Liebe!Wir leben hier in gutem Miteinander und freuen uns darüber!
Gut,daß wir uns unterhalten konnten,ein Gespräch klärt doch Vieles!
Nun werde ich mich mal um Paul Hacker bemühen,...das interessiert mich,...und versuchen in absehbarer Zeit aus der Anonymität zu kommen!
Herzliche Grüße von Ulla,die mit einem Katholiken verheiratet ist,der ihr auch ab und zu den ev.Kopf wäscht! ;-)))

Laurentius Rhenanius hat gesagt…

Liebe Ulla,
so freundliche und differzierte Kommentare, wie Du sie verfaßt, werden natürlich gerne veröffentlicht. Herzlich willkommen!
eine indiskrete Frage: Kommst du aus der genannten Stadt?

Laurentius Rhenanius hat gesagt…

@ Conservare:

Genauso ist es!
Woran man sich aber nie wirklich gewöhnen kann, ist genau diese Sorte von Nachbarn, die immer was zu nörgeln hat.
;-)