Mittwoch, 25. November 2009

"Neues" aus dem ZK

Der neue Vorsitzende des Z(d)K, Alois Glück, hat sein Bekenntnis zu den Idealen des realexistierenden deutschen Gremien-Katholizismus abgelegt und gleichzeitig der klerikalen Konterrevolution eine deutliche Absage erteilt. Alois Glück gilt als Vertreter des rechten Reformflügels im ZK.
Unter seiner Ägide wird es wohl kaum zu einer Phase der Perestroika kommen, geschweige den zu einem Dialog auf Augenhöhe mit den neuen und älteren Linken, die heute unter dem Etikett "Generation Benedikt" gehandelt werden.
Wie stark der neue Vorsitzende des Zentralkomitees in den protestantisierten Denkmustern des deutschen Laienkatholizismus verhaftet ist, läßt sich an seinen Äußerungen zum Zölibat ablesen.
Ohne kritische Distanz zu den Aussagen seiner Vorgänger, ohne Blick für die steigenden Berufungen in den linken, rom- und traditionsorientierten Gruppierungen und ohne Blick für den pastoralen Notstand in den (zwangszölibatfreien) protestantischen Gemeinschaften, werden die alten Forderungen nach Abschaffung des Zölibates. 
Ohne einen einzigen neuen Gedanken werden formelhaft die immer gleichen, alten Forderungen gestellt und die Rezepte von vorgestern herausgekramt. Die Weltformel des Zentralkomitees, die Lösung aller Probleme der deutschen Kirche, die allein selig machend Abschaffung des sog. "Zwangszölibates", wird in einem für Katholiken wenig verständlichen Gespinst von ritualisierten Pressekonferenzen und Diskussionpapieren wiedergekäut.
Wer will das ernsthaft noch hören?
Es ist bedauerlich, diese greisenhafte Ideenlosigkeit immer wieder neu erleben zu müssen!
Wie weit hat sich doch das Zentralkomitee von den jung aufkeimenden Pflänzchen eines Katholizismus entfernt, der nach Jahrzehnten einer provinziellen, antirömischen Kulturrevolution in Gebäuden und Köpfen wieder zu den Quellen zurückfindet:
Liturgie, die diesen Namen auch verdient, Gebet, Empfang der Sakramente, Anbetung, Einheit mit dem Heiligen Vater!
An vielen Orten ist das Ende jener Epoche zu spüren, die hier in hohlen Worthülsen weiterhin beschworen wird, der deutsche Sonderweg.
Der junge und linke Katholizismus in Deutschland denkt und empfindet anders. Er sieht sich in einer angeblich globalierten Welt (eine merkwürdige Tautologie, wie ich finde) als Teil jener Gemeinschaft, die schon immer global ausgerichtet war.
Die Zukunft der Kirche liegt nicht in der Kleinstaaterei deutscher Duodez-Verbände und ihrer Potentaten, die ihre Zustädigkeitsbereiche verteidigen wie Gildemeister in der Zeit vor der Aufklärung. Nein, die Zukunft liegt in einer global vernetzten und straff durchorganisierten Kirche, die das lean management der Säkulargesellschaft verstanden hat: Flache Hierarchie mit klaren Zuständigkeiten! Nur so kann ein schnelles und wirkungsvolles Handeln gewährleistet bleiben.
In Wissenschaft und Wirtschaft setzt sich immer mehr eine Einsprachigkeit durch, damit die weltweit Kommunikation funktionieren kann.
Warum bestehen so viele Vertreter des Laienkatholizismus, allen voran das Zentralkomitee, auf "Landesprache"?
Auch im Bereich der Liturgiesprache wird der neue ZK-Vorsitzende kaum eine Position einnehmen, die sich von denen seiner Vorgänger unterscheiden wird.
Zu sehr ist der Gründungsmythos, die einzig wahre Interpretation des Zweiten Vatikanischen Konzils, der Geist des Konzils, mit dem alle Greuel und Ausschreitungen in Liturgie, Katechese und Zerstörungen an Kirchengebäuden in den vergangenen Jahrzehnten gerechtfertigt wurden, mit dem Grundverständnis des Z(d)K und der ihm angeschlossene Kader und Verbände amalgiert. Gerade mit dem Thema "Landessprache" und der Errichtung von Stehbuffets verbinden sich viele Dogmen des realexistierenden Katholizismus auf deutschem Boden.
Auch hier werden die Zeichen der Zeit nicht erkannt, Chancen verspielt. Stattdessen greifen die alten Mechanismen immer noch. Der Apparat funktioniert und die Nomenklatura übt auf bekannten Wegen Druck auf Dissidenten aus: Ausgrenzung, Diffamierung, Verfolgung.

Die Chancen für einen Dialog mit dem neuen, jungen Katholizismus sind nicht groß, solange das Zentralkomitee nicht aus den Denkschablonen zwischen Revolution und Konterrevoltion herausfindet.
Es ist Zeit für Glasnost im ZK! Ob aber Alois Glück zu einem Michail Gorbatschow des Z(d)K wird, wage ich nach seinen ersten Auftritten zu bezweifeln. Das ganze erinnert eher unglücklich an das Ende der Ära Chruschtschow, Breschnew oder Erich H.

Ein Refrain eines alten Liedes aus der Gründungszeit der DDR ist mir da in den Sinn gekommen:
"Komm' mit, Kamerad, steh' nicht abseits, Kamerad.
Unser Kampf, Kamerad, ist auch dein Kampf.
Komm' mit, halte Schritt, komm' ins neue Leben mit.
Auf dich kommt es an... auf uns alle!"

Alois, hör' die Signale! 


1 Kommentar:

Stanislaus hat gesagt…

Die erste Reaktion kam ja prompt aus den Reihen der DBK, wofür ich ausnahmesweise sehr dankbar bin!