Donnerstag, 19. November 2009

All Fehd hat nun ein Ende! Hoffentlich!

Wie in diversen Gazetten zu lesen ist, hat das angerufene Landgericht die Klage, der durch kirchenmusikalische Emissionen so schwer in ihrer psychischen Stabilität gefährdeten Anwohnerin des sog. Verdener Domes, abgewiesen. Es hat im Verlauf des Verfahrens entsprechende Schallmessungen gegeben, die keine Überschreitung von Grenzwerten zeigten. Die pensionierte Lehrerin, welche seit 1972 mit ihrem Mann ein Haus in der Nähe des Domes bewohnt, muß weiterhin damit leben, das an der Orgel unterrichtet wird und sich Musiker dort zu Proben treffen.
Der Fall Verdener Dommusik ist ein weiteres trauriges Beispiel für den fortschreitenden Egozentrismus in unserer Gesellschaft. Nach dem alten Spruch "Alle Räder stehen still, wenn mein starker Arm es will!" klagen sich angeblich ruhebedürftige Idioten durch die Instanzen unseres Rechtswesens. Der Begriff Idiot kommt bekanntlicherweise aus dem Griechischen und bezeichnet eine Person, die bei ihrem Handeln nicht an die Gemeinschaft denkt. In diesem Sinne möchte ich das Handeln dieser Lehrerin als idiotisch bezeichnen. Denn soll sich, weil eine Person durch die Dommusik und die Unterrichtsstunden an der Orgel angeblich bis zur körperlich empfundenen Übelkeit gereizt wird, die gesamte Kirchenmusik eingestellt werden oder nur bei schlechtem Wetter stattfinden, wenn sich die ungenannte Paidagogin nicht im Garten aufhält?
Das wäre doch eine Lösung!
Mit dem Wetterbericht für die Region würden dann auch gleichzeitig tagesaktuell neben den Regenstunden die Übungsstunden am Dom veröffentlicht. Das wäre ein wahrhaft salomonisches Urteil gewesen. Denn, ich fürchte, diese Dame wird weiterklagen! Wer sich psychosomatisch so eingeschränkt fühlt, der geht zur Not auch bis nach Brüssel, wie andere klassische eidiotes auch.
Eine ältere Dame, die offensichtlich nach ihrer Pensionierung sehr viel ungefüllte Zeit hat (was übrigens eher untypisch für Pensionäre ist) kann sich an dem Erblühen der Kirchenmusik und damit am Kulturleben ihrer Stadt nicht erfreuen. Ich finde das sehr bedauerlich, wenn ein Mensch zur Musik keinen Zugang hat. Noch bedauerlicher finde ich es, wenn eine Paidagogin einer positiven Entwicklung in einer Stadt mit Brechreiz begegnet.
Gemeinsames Musizieren wird in den letzten Jahren wieder als wichtiges paidagogisches Element in der Erziehung entdeckt. "Jedem Kind sein Instrument" und andere Aktionen nehmen diesen Gedanken auf, um ein gewaltfreies Zusammenleben an den Schulen zu befördern. Musikpaidagogische Gesamtkonzepte führen zum Abbau von Gewalt, veränderten Konfliktstrategien, ermöglichen eine Kanalisierung negativer Emotionen und so fort.
Neben diesen Verzweckungen stellt natürlich Musik und gerade die Kirchenmusik ein zu achtendes Kulturgut dar. Die Kirchenmusik ist gerade in ländlichen Regionen ein wichtiger Exponent von kultureller Arbeit, manchmal der einzige. Wie kann es einer Person, die ihre Arbeitskraft der Heranbildung von Persönlichkeiten gewidmet hat, zuviel werden, wenn in der Nachbarschaft hörbar Menschen einer Sparte von Kultur nachgehen, die elementar zur Bildung dazugehören?
Wie kann ich mir erst ein Haus vor über 30 Jahren im Umfeld des Domes kaufen und mich dann darüber beschweren, daß der Dom nicht nur Bühnendekoration für den eigenen Garten sondern ein lebendiges Zentrum ist?

Es ist einer der wichtigsten Grundsätze unserer Rechtsordnung, daß jeder, der sich ins Unrecht gesetzt fühlt, sich in seiner Freiheit und in seinen Persönlichkeitsrechten beschränkt fühlt, ein Gericht anrufen kann. Bedauerlich ist es aber manchmal, wie diese wichtigen Grundsätze dadurch in ein ungutes Licht kommen, weil Einzelne diese Rechte nicht zum Schutz des Individuums einsetzen, sondern zur Durchsetzung ihrer eigenen, kleinlichen Befindlichkeiten gegen eine Mehrheit von Menschen, die dem Einzelnen nicht schaden will, sondern allein durch ihr Dasein und Sosein zum Störpotential geworden sind. Besonders fragwürdig erscheinen diese Grundsätze dann, wenn solche Kläger dann auch noch Richter finden, die ähnlich denken wie die Kläger und solchen Klagen stattgeben. Der Fall von Recklinghausen St. Peter und anderer Kirchengemeinden, die am Sonntag nur noch  max. 90 Sekunden zum Gottesdienst läuten dürfen, weil ein Nachbar sich im sonntäglichen Schönheitsschlaf gestört fühlten, Sportplätze mit einzuhaltenden Ruhezeiten,... alles das gibt es schon, Kruzifixverbote...
Wer sich ein günstiges Grundstück am Rande eines Truppenübungsplatzes kauft, sollt eigentlich wissen, daß es dort zu entsprechenden Schießübungen kommt.
Wer sich eine Wohnung mit Blick auf ein Autobahnkreuz nimmt, der sollte auch wissen, was er da tut. Desselbigengleichen gilt für Leute, die ihren idyllischen Allstadtgarten zum Kirchhof hin haben. Spätere Reklamationen verbieten sich da von selbst.
Denn alles andere wäre nicht nur Idiotie im klassischen Sinne des Wortes sondern auch im umgangsprachlichen Gebrauch, nämlich Dummheit im fortgeschrittenen Stadium.

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