Donnerstag, 22. Oktober 2009

Rom und Canterbury

Die Nachrichten über die sehr großzügige Antwort unseres Heiligen Vaters auf die Anfragen anglo-katholischer Bischöfe überschlagen sich zur Zeit. Wer die rasend schnelle Entwicklung beobachten möchte, der sollte momentan bei Rorate Caeli reinschauen. Wir werden gerade Zeugen eines wirklich historischen Momentes in der Kirchengeschichte. Wenn man einmal davon absieht, wer bei welchen Pressekonferenzen nicht anwesend war (hetz.net bietet da Infos an), so ist der ganze Prozess sehr schnell und in der Diskretion angelaufen, die man sonst vom Heiligen Stuhl immer gewöhnt war.  Es gab keine "undichte Stelle" und keine gezielten Indiskretionen, die auf eine Opposition innerhalb der Kurie schließen lassen könnte. Ob sich hier ein erster Erfolg der Umbesetzungen zeigt, bleibt zunächst einmal fraglich. Der Ablauf dieser Veröffentlichung läßt für die Zukunft hoffen.

Die regionalen Tageszeitungen schweigen sich über diesen Vorgang weitestgehend aus. Die Gründe dafür liegen auf der Hand.
Die anglikanische Gemeinschaft spielt im alltäglichen Leben in Deutschland und auf dem Kontinent kaum eine Rolle. Für die Redaktionen ist das genauso uninteressant wie die Schließung einer Brauerei in Belgien oder eine Fischvergiftung auf einem dänischen Volksfest. Wenn nun Prinz Charles diesen Weg  mitginge, wäre das durchaus eine Schlagzeile wert.

Die Tragweite dieser Entscheidung für das Gesamtgefüge der kirchlichen Landschaft in Europa und in den Ländern, in denen sich Dependancen der Anglikaner befinden, ist von den Redaktionen nicht erkannt. Dafür fehlt es offensichtlich an fachkompetenten Redakteuren.
Wenn der Sachverhalt in einer Schlagzeile zusammengefaßt werden sollte, wie hätte die heißen können:
Nach 500 Jahren fallen die Mauern zwischen Rom und Canterbury!
Papst bietet heimatlosen Anglikanern einen Platz in der Kirche!
Aber was ist das schon gegen die Vermutung, daß 35.000 Menschen in Deutschland eventuell an der Schweinegrippe sterben könnten, mit der die Blöd gestern titelte, wie ich bei meinem Bäcker lesen konnte.

In den überregionalen Zeitungen werden in den nächsten Tagen sicherlich Artikel erscheinen, die sich kritisch mit dem Abfischen der Konservativen durch die geschickte Politik Benedikts und den katastrophalen Folgen dieser Politik für die Ökumene beschäftigen werden.
Ein erstes Indiz dafür ist, wie sehr doch der abgeschlagene, ermattete und überumpelte Archbishop of Canterbury in den Mittelpunkt des  Interesses rück. Nach ersten (Falsch-?)meldungen über seine angeblich Begrüßung dieser päpstlichen Entscheidungen, treten nun die Überrumpelungsmomente in den Vordergrund, die an sog. feindliche Übernahmen aus der Wirtschaftswelt erinnern. Der Vergleich liegt zwar nah, trifft aber im Ansatz die feinen und gefährdeten Wege eines solch einmaligen Schrittes.

Das kirchliche Gefüge der Anglikaner wird nach dem Exodus, der sich in den Dankesschreiben andeutet, die bei Rorate Caeli etc. schon erschienen sind, nachhaltig verändern. Es wird sich zeigen, was passiert, wenn Bischöfe und gesamte Chapters sich uns anschließen. Was wird dann mit dem Bistum? Kommen andere Bishops, Deans etc. die dann als Vertreter der Staatskirche als "Johanne ohne Land" ohne Gemeinde die anglikanische Diözese weiterführen?
Wir leben in spannenden Zeiten.
Danken wir unserem Vicarius Christi, daß er mutig seinen Weg für die Kirche Gottes geht.
Möge Gott, der Herr, ihn uns lange an der Spitze Seiner Kirche erhalten!

1 Kommentar:

Stanislaus hat gesagt…

The Empire strikes back!

Tja, das mit der Tragweite habe ich ja auch schon geschrieben. Aber wen man sich mal die Medienlandschaft bei Kirchens (Du weißt schon wo) anschaut, dann scheinen manche jetzt ein wenig aufzutauen.