Donnerstag, 15. Oktober 2009

Aber der Hans, der kanns!

Ein herzlicher Dank geht an Stanislaus für seinen wunderbaren Artikel über das Stern-Interview mit Hans (ohneLand) Küng. Mir sind die Tränen gekommen und zwar vor Lachen. Danach bin ich zum nächsten Kiosk gestapft (Es ist kalt in Deutschland!) und habe sinnfrei Geld für das Magazin ausgegeben.
Neben den üblichen Entgleisungen zum Thema Freitod, die er ja schon im Umgang mit seinem dementen Freund W. Jens geäußert hat, hat er nun offensichtlich etwas ganz Neues entdeckt: Ober- und Unterkirche.
Ob er sich an die Kirchenparteien im Anglikanismus anlehnt, ist nicht ganz klar. Es klingt aber sehr nach House of Commons und House of Lords, also hier die demokratisch legitimierten Berufpolitiker dort die adeligen Spinner aus Wolkenkuckucksheim. Da es aber zur Zeit nur ein House of Lords gibt, ist er also quasi Chef der nicht existenten Republik Vatikan oder so was, jedenfalls Chefsprachrohr der Unterkirche!
Er hat nach eigenen Aussagen den Exodus vieler Reformer verhindert! Er wars!
Das nenne ich Selbstbewußtsein! Wahnsinn! Auf diese Ideen muß man erst mal kommen!

Wenn er wirklich wissen sollte, was mit diesen "Church-Parties" verbunden ist, so ist noch mal deutlich geworden, was er will: Nicht Reform sondern Auflösung!
Dahin geht die Gemeinschaft aus merry old England. Die Low Church ist auf den Weg in die Selbstauflösung zwischen Pfingstlern und PC, der Mittelflügel (Brought Church) hat sich aufgelöst und die High Church steht vor der Entscheidung, weiterhin ein Brauchtums- und Trachtenverein zu bleiben oder sich nach und nach endlich der Una Sancta anzuschließen.

Nun, zugegeben, ich habe eine Schwäche für das House of Lords! Dort werden nicht nur die intellektuell anspruchsvolleren Diskussionen geführt (das ist kein Scherz!), es zeigt auch immer wieder Sinn für Verantwortung und Nachhaltigkeit, die man sonst so sehr vermißt. Die wunderbare Parlamentseröffnung, wenn die Commons immer vor den Schranken der Lords stehen müssen, während die Queen die Thronrede hält, ist nur ein folkoristisches Schmankerl, das über die wirkliche Größe dieser Versammlung skuriller und überaus gebildeter Köpfe hinwegtäuscht. Ein kleines Beispiel:
Vor einigen Jahren wurde die Idee an das Oberhaus herangetragen, die Protokolle und Beschlüsse nicht mehr auf Pergament festzuhalten. Unpraktisch, teuer, nicht mehr zeitgemäß und was es sonst noch für Gründe angeführt wurden. Das Oberhaus hat sich dagegen entschieden! Warum?
Man hatte herausgefunden, daß es nur noch einen Pergamentmacher in England gibt und dieses Handwerk ausstürbe, wenn die Aufträge vom Oberhaus zukünftig ausblieben. Man hat sich gegen Zeitersparnis und für den Erhalt eines Handwerkes entschieden. Eine wunderbar unzeitgemäße Entscheidung, die von einem hohen Verantwortungsgefühl für Mensch, Kultur, Zukunft und Tradition zeugt!
Solche Entscheidungen brauchen wir in unserer Zivilgesellschaft wesentlich mehr und in der Kirche erst recht!
Und deswegen bin ich im Duktus der küngschen Schubladenideen auch ein überzeugter "High-Church-man"!
Als kleines Bonusmaterial ein Bildchen von einen Anglokatholiken, tough aber wunderbar "very high"!


Kommentare:

Stanislaus hat gesagt…

Oh Gott, jetzt steigere ich schon den Umsatz des Stern!

Conservare hat gesagt…

Ich würde jetzt zur Beichte gehen, Stanislaus...

:-)