Freitag, 4. September 2009

Liturgischer Widerstandskämpfer

Ich hatte schon seit meiner Kindheit ziemlichen Respekt vor dem Werk des Schriftstellers J. R. R. Tolkien, wenn ich auch nicht ein großer Fan seiner Bücher geworden bin, ganz im Gegensatz zu manchem Klassenkameraden, die Schriftzeichen und Sprachen lernten, Karten von Mittelerde anfertigten... Not my cup of tea!
Was ich aber heute auf einem anderen Blog gelesen habe, macht ihn mir auf eine ganz andere Weise noch einmal sympathisch: Tolkien war liturgischer Widerstandskämpfer und was für einer!
Aus den Erinnerungen seines Enkels Simon Tolkien:
"I vividly remember going to church with him [J.R.R.] in Bournemouth. He was a devout Roman Catholic and it was soon after the Church had changed the liturgy from Latin to English. My grandfather obviously didn't agree with this and made all the responses very loudly in Latin while the rest of the congregation answered in English. I found the whole experience quite excruciating, but my grandfather was oblivious. He simply had to do what he believed to be right..."

Na, wer traut sich?
Wo geht es ab Sonntag los, wenn es mal wieder heißt:
"Ich begrüße sie alle gaanz, gaanz herzlich zu unserer Messfeier, die an diesem Sonntag dem Motto 'Wir sind Gottes Melodie' steht und vom Frauentanzkreis gestaltet wird."?

Antwortbeispiele:

ET CUM SPIRITU TUO ! ! !

oder noch passender:

MISEREATUR TUI OMNIPOTENS DEUS ET DIMISSIS PECCATIS TUIS PERDUCAT TE AD VITAM AETERNAM ! ! !

Dann kommt aber Schwung in die Sache!
Vorsicht! Es winkt die Krone der frühen Vollendung!
Zu Risiken und Nebenwirkungen befragen sie den Kardinalgroßpoenitentiar oder die Congregatio de Causis Sanctorum!

Kommentare:

Vox Coelestis ...................... hat gesagt…

"Misereatur tui..." Genial geschrieben!!! Sollte man ja fast mal bringen.

Aber im Ernst: Eigentlich sind wir alle wahrscheinlich viel zu tolerant in Sachen liturgischer Kreativität. Im Vergleich zum Affentheater, das der offiziöse deutsche Katholizismus in seinen erigierten Gliedern veranstaltet, sobald der Eindruck entsteht, jemand könnte zu oft im Gebetbuch schnuffeln. Zumindest, wenn das Gebetbuch selbst wiederum verdächtig nach katholischer Tradition muffelt.

Acolythus hat gesagt…

Ich stimme mit Dir völlig überein.
Der Besitz eines eigenen Gesangbuches ist schon verdächtig, eingelegte Andachtsbildchen sind dann schon mehr als ein Indizienbeweis.
Was aber gilt es zu tun?
Die Tolkien-Methode ist vielleicht mal nen Versuch wert.

Stanislaus hat gesagt…

Ich habe früher mal immer dann, wenn der Zelebrant bastelte, die korrekte Antwort in lateinischer Sprache gegeben. Beispiel:

"Der Herr is(s)t mit Euch!"

"Et cum spiritu tuo."

Irgendwann aber habe ich darüber nachgedacht, daß ich die ohnehin schon kaputte Andacht wenigstens der anderen Gläubigen dadurch nicht unerheblich stören könnte. Somit schweige ich jetzt ganz ganz laut, wenn eine "falsche" Dialogfloskel vom Zelebranten kommt.