Freitag, 4. September 2009

Die Glosse zum Freitag: Wenn es so einfach wäre...

Breviarium Pauli schreibt über la malaise catholic allemande und über sein Verständnis einer Hermeneutik der Kontinuität.
Tenor ist nach meiner Lesart:
Alles schön tiefsinnig, was ihr lieben Mitblogger da schreibt, aber bringt uns nicht wirklich nach vorne! Das ist gute alte deutsche Grübelei. Sucht euch eine schlagfertige geistliche Gemeinschaft, traut auf das Wirken des Hlg. Geistes und dann klappt das schon. Gott gibt schon die Antworten.

Das mag für die eigene Frömmigkeit im privaten Kreise ja manchmal klappen. Geht es aber raus in die Gemeinde ,wenn man aber andere Vorstellungen hat, als seine lieben Mitpfarrkinder, sein Herz nicht nur in der eigenen Betbutze erfreuen möchte, de wird schnell merken, wie wenig die "Hermeneutik der Kontinuität" außerhalb dieser Sonderveranstaltungen möglich ist.
(Nur am Rande: der Begriff der Hermeneutik ist mir schon immer obskur gewesen und wird es auch bleiben, da er für alles und nix herhalten muß und nix wirklich aussagt.)
Sich beim Opus Dei aufbauen zu lassen, mag ja für manchen passen. Aber ist das nicht auch eine kleine private Flucht in eine heilere Welt, wo man so für sich ist...? Nur mal als Frage!

Was ich meine läßt sich mit einer alten Fußballweisheit sagen:
Ernst is aufn Platz! ( Sepp Herberger?)

"Morbus teutonicus" ist eine Art Pandemie mit schleichendem Krankheitsverlauf und einer sehr unklaren Symptomatik, wie ich finde. Die Träger dieser Krankheit sind aber nicht die katholischen Blogger, welche immer neue Symptome zusammentragen!
Was ich darunter verstehe?

An dieser Stelle mein Kommentar zum Artikel, den ihr hier lesen könnt:

"Ich halte die Beiträge nicht für den Ausdruck typisch-deutschen Grüblertums sondern für den Ausdruck echten Leidens am realexistierenden deutschen Katholizismus, der alles ist, nur nicht römisch.

Ich freue mich für Dich, wenn Du beim OD die geistliche Begleitung gefunden hast, die Dir entspricht. Mein Weg ist das ganz bestimmt nicht, muß es auch nicht sein. Mir stecken da zu viele spezifisch spanische Impulse im Leben des OD, die auch eine bestimmte Zeitfärbung haben. Aber darum soll es ja nicht gehen!
Morbus teutonicus!
Träger dieser Krankheit sind nicht unbedingt die Blogger, die sich über die Zustände innerhalb der von ihnen geliebten Kirche etwas von der Seele schreiben. Es ist eher Ausdruck dessen, daß sie mit den Trägern dieser Krankheit leben müssen und keine Mittel haben, diesen zu helfen.
Morbus teutonicus ist für ich bei den Hauptbedenkenträgern gegeben, die z.B. keinen in der Gemeinde mit Frömmigkeitsformen überfordern wollen, mathematische ausgedrückt die Gemeinschaft des KGV (Kleinstes Gemeinsames Vielfaches) durchsetzen wollen. Kirche als Wohlfühlgemeinschaft und nicht als Weg der Nachfolge, ist eines der Wahnbilder. "Wir sind Kirche" heißt dementsprechend das Motto. Das Verständnis einer Anbindung an die Vorgänger im Glauben und an die Zukunft in Gott dienen nur noch als Schablonen, um die eigene richtige Position zu bestätigen. Das Gestrige ist vergangen im Sinne von überholt und die Zukunft ist himmelblau. Vertreter der Tradition sind somit Ewiggestrige und die Mahnung an ein Gericht wird zur gemeinen moralischen Drohbotschaft. Einher geht dieses Krankheitsbild mit einer hohen Kritiklosigkeit gegenüber allen Aufweichungstendenzen in Liturgie und Lehre sowie einer hohen Aggression gegenüber allen Formen traditioneller Frömmigkeit und Lehre, Prozessionen, Andachten etc. Deren Vertreter werden in Gemeinde und auch in manchem Bistum durch Dialogverweigerung, Mobbing und anderer explizit christlicher Deeskalationsstrategien marginalisiert und zum Teil unter dem Vorwurf des Antisemitismus kriminalisiert.
Morbus teutonicus ist damit eine Art nachkonziliare Mutation des Gallikanismus oder Josephinismus."

Kommentare:

Paul Miller hat gesagt…

Schöne Glosse, auch wenn Du meinen Text nicht so interpretiert hast, wie er intendiert war. Was man übrigens eine Hermeneutik nennt, wenn auch keine der Kontinuität :)

Acolythus hat gesagt…

Danke für Deinen freundlichen Kommentar, auch wenn ich durch meien selektive Darstellung Deines Textes offensichtlich an der Intention vorbeigeschrieben zu haben scheine.
Und da sind wir dann schon bei meinem Lieblingsbegriff der "Hermeneutik der Kontinuität", der sich inflationär in Aufsätzen und Feuilletons findet. Jede offensichtliche Diskontinuität wird dank des Wörtchens "Hermeneutik" in den Bereich der Kontinuität hinein geredet. Jeder noch so krude Gedankenfetzen wird damit zum Ausdruck fortgeführter Tradition. Der Eigenanteil an dem jeweiligen Gedankenkonstrukt wird auf der einen Seite damit heruntergespielt, weil er sich als zeitgemäße Verstehenshilfe darstellen möchte, auf der anderen Seite werden damit Ansätze, die sich nicht der "Hermeneutik" bedienen als unzeitgemäß dikreditiert. Somit wird der Neu- oder Uminterpretation der Vorrang eingeräumt. Daneben sei noch bemerkt, daß viele dieser hermeneutischen Versuche nur Bruchteile dessen, was es als Ganzes wahrzunnehmen gäbe, berücksichtigen. Hier werden passende Teile umgenutzt, wie es gerade in die eigene Welt paßt, ganz so wie in meiner Glosse. :-)

Paul Miller hat gesagt…

Und ich muss mich wahrscheinlich als (ehemals leidenschaftlicher) Gadamer-Schueler outen...daher die Neigung zum hermeneutischen Be-griff.

:)