Dienstag, 11. August 2009

Pädagogisch wertvoll (Achtung: Glosse!)

Wie manch anderer ist auch der Autor dieser Zeilen mit den Produkten der Firma geobra Brandstätter aufgewachsen. Als 1974 die ersten playmobil-Figuren in die Spielwarenläden kamen, habe ich sofort mein Taschengeld dafür ausgegeben. Nach und nach kamen immer mehr Püppkes zusammen, dazu Häuser, Fahrzeuge und und und. Eine meiner Lieblingsszenarien waren Festumzüge, allen voran Fronleichnamsprozessionen. Bei mir im Kinderzimmer war mindestens einmal in der Woche, Fronleichnam! Notwendige Teile, die nicht im Sortiment zu finden waren, wurden selbst gebastelt. Bis weit in die 1990er Jahre hat die Firma playmobil sich "weltanschaulich neutral" gehalten und keine Kirchen, Paramente etc. angeboten. Auch jetzt gibt es nur eine kitschige "Hochzeitskirche", die sich eher an eine weibliche Zielgruppe richtet. Also wurde aus Stadtturm, Stadtmauer und diverser Gebäudeteile (damals war alles noch eine Art Baukastenprinzip und frei kombinierbar) eine große Stadtkirche gebaut, die ich im Schaufenster eines großen Spielwarengeschäftes gesehen hatte. Glocken hatte ich auch (Messingminiaturen von Graßmayr, Inssbruck!!!) Festgeläut! Der Zoch kütt, mit Ehrengarde und was im Rheinland halt alles so dazugehört!!! Härrlisch!
Daneben gab es auch Heiligenfeste (natürlich mit Reliquienprozessionen, is ja klar!), das Requiem erster Klasse, Pontifikalämter etc. Nä, war dat schön!
Mit großer Neugier hörte ich den Kindheitserinnerungen meiner Oma zu. Denn dort existierte im Hause ein großer Spielaltar für die Jungs. Dort wurden stille Messen, Hochämter (Dreimännerämter) etc. gespielt. Wenn mal einer der Brüder beim Fußball war, mußte Oma ministrieren. "Sehr fortschrittlich!" wird sich mancher vielleicht jetzt sagen, aber der älteste Bruder hatte vorher beim Dechanten nachgefragt, der ihm -in aller Rheinlichkeit- eine entsprechende Dispenz für den Notfall erteilte. Wunderbar! Das nötige Equipment wurde bei Wallfahrten erstanden. Ich lebte in der Zeit des Novus ordo und meine Oma erzählte aus der Zeit, in der man noch mit und in dem überlieferten Ritus lebte. Ich habe nie etwas von Befreiung von den "alten Zwängen und der Drohkirche" gehört. Vielmehr hatte ich den Eindruck, daß man die vergangene Zeit sehr geschätzt hatte. Der realexistierende deutsche Verbandskatholizismus stand und steht in unserer Familie auch heute noch nicht hoch im Kurs. Erst vor einigen Monaten begriff ich, daß sich die gesamte Familie nach der Liturgierevolution aus der Kirche still verabschiedet hatte. Es gab div. Rosenkränze und alte Kölner Gesangbücher, GLs aber nicht.
Ejaal! Wollte ich eigentlich gar nicht erzählen:
Also jetzt noch mal ganz kurz:
playmobil war in der Zeit des novus ordo ein probates Mittel zur Festigung im Glauben!
Jetzt habe ich ein erstes Zeugnis für die Umsetzung des Motu proprio in den Kinderzimmern entdeckt!
Es wird Zeit für die Diözesen, sich dieser Realität zu stellen und entsprechende Fortbildungen für Erzieherinnen katholischer Kindergärten, für Grundschulen, Jungendverbände, etc. anzubieten.
Schluß mit Nistkastenbau, Hüpfburg, Klettergarten! Altäre bauen! Staffelgebet üben!
Auch die Spielwarenindustrie hat skandalöserweise noch nicht darauf reagiert!

Ich sach ja immer wieder: Erst wenn in katholischen Familien neben der wii-Konsole auch wieder ein Spielaltar im Kinderzimmer steht und auf Kindergeburtstagen neben anderen Spielen auch wieder ein Zug von Jungs zum "Asperges" das elterlichen Wohnzimmer stürmt, ohne das sich eine aufgeklärte Tante daran stört, haben wir einen wirklich liberalen Zustand erreicht!

Kommentare:

Vox Coelestis ...................... hat gesagt…

Hmm, meine Kinderzimmerkathedralen und Altäre waren aus Lego.

Und die Messe habe ich natürlich auch gefeiert, in Ermangelung altvorderer Ausstattung an einem "Komodenaltar" im Bademantel meiner Vaters, darüber eine Stola aus per Filzstift fromm dekorierten Mullbinden (blieben aber leider nie glatt) oder aus Klopapier (ist aber immer bereits während der Messe gerissen). Das sah natürlich den Taizésackalben ähnlicher als einem Meßgewand - gefeiert wurden diese Messen übrigens mit Backoblaten und Zitronensprudel. Na ja, war halt "Novus Ordo" ... ;-)

Acolythus hat gesagt…

Ach ja, der Novus Ordo!
Lego war auch sehr vielseitig, muß ich zugeben, hatte ich aber nicht soviel. Damit habe ich immer Orgelprospekte gebastelt.
Ich selbst habe nie zelebriert. Dafür gab es einen ganzes Domkapitel in der Playmobilkirche!
Ist doch schön, mal ein paar Kindheitserinnerungen auszutauschen und zu merken, andere waren genauso!
O:-)

Stanislaus hat gesagt…

Jaja, und im Sandkasten Hostien gebacken, ne?

Sponsa Agni hat gesagt…

Und was machst Du, wenn die Kinder aber Mädels sind? ;-)
Dann brauchen die die Barbie-Messe mit Ken als Hauptzelebrant... ;-)

Sponsa Agni hat gesagt…

Das musste ich direkt bei mir mal verlinken - Hammer!
Ich glaube wirklich, dass der ordentliche Ritus keinen Anreiz hätte, das irgendwie mit Playmobil oder Barbie nachzuspielen... welches Kind würde schon auf diesen Gedanken können - da muss der außerordentliche Ritus schon einen ganz großen Eindruck hinterlassen haben, dass das Kind das macht...
Frage mich, was ich als kleines Mädel da wohl für eine Person gewesen wäre (Priester: Geht nicht, weil weiblich. Ministrant: Geht nicht, weil weiblich, Lektor: Gibt´s nicht. Organist: Mangels Playmobilorgel nicht vorhanden)...

Acolythus hat gesagt…

Also im Sandkasten gab es immer nur Sandkuchen oder Neuschwansteinimitate, lieber Stanislaus. ;-)

Die Mädelsfrage, tja wie wärs denn mit Karmeliterinnen beim Stundengebet?
Das könnt mit Barbies ganz gut gehen.
;-)

Sponsa Agni hat gesagt…

@ Acolythus
Das wäre aber ein leises Spiel - die dürfen nicht mal was reden und schweigen sich die meiste Zeit an... ;-)
Und ich frage mich, woher ein Kind die Texte kennen sollte... da man so leicht in diese Klausur reinkommt... ;-)