Mittwoch, 6. Mai 2009

Persönliches Zeugnis und Organisation


"Ein anderes weitverbreitetes Symptom für die Legalisierung und Formalisierung der Religion ist die Überbetonung der Organisation. Voller personaler Einsatz, sowie der unmittelbare Kontakt von Person zu Person wird mehr und mehr durch Organisationen ersetzt. Die Leistungsfähigkeit von Organisationen im Bereich der Zivilisation in den Tätigkeiten der sozialen, praktischen Ordnung hat die Illusion erzeugt, daß diese mechanisierte, unpersönliche Art Probleme zu lösen gerade das ist, was das religiöse Leben braucht. Doch Religion ist ein Bereich, in dem alles vom persönlichen Kontakt abhängt.
Ein typisches Beispiel dieser Illusion war die Art, in der viele die ursprüngliche Idee der katholischen Aktion interpretierten, die Pius XI. in seiner herrlichen Enzyklika "Pax Christi in regno Christi" dargelegt hat. Hier richtete der Papst an jeden einzelnen Laien den Ruf, sein ganzes Leben mit dem Geist Christi zu durchdringen, alle seine Tätigkeiten mit diesem Geist zu beleben und forderte zu einer neuen Vereinigung der Laien im Apostulat auf. Dieser sublime Aufruf zu vollem persönlichen Einsatz wurde von vielen bloß als Aufforderung zu einer organisierten Tätigkeit aufgefaßt, als wäre die Hauptaufgabe, Zentralstellen für alle katholischen Organisationen zu errichten.
Die Überschätzung der Organisation fand ihren reinsten Ausdruck in den Worten eines berühmten deutschen Erzbischofs, der in seinem Lob so weit ging, daß er sagte: "Die katholischen Vereine sind das achte Sakrament der Kirche"."
(Dietrich von Hildebrand: Das trojanische Pferd in der Stadt Gottes. Freiburg 1968. 81f.)

1 Kommentar:

Stanislaus hat gesagt…

Hut ab vor so manchem 68er!