Freitag, 15. Mai 2009

Der Heilige Vater unterwegs III

Die gesamte letzte Woche war mal wieder ein echtes Hochamt in Sachen objektiver Berichterstattung! Wer als Katholik auch nur einigermaßen bei Sinnen ist, wird sich des Eindrucks nicht erwehren können, daß hier mal wieder ordentlich Stimmung gemacht worden ist.
Wenn man in den letzten Tagen die Medien aufmerksam verfolgt hat, wird mal wieder den Eindruck gewonnen haben, der Heilige Vater sei unsensibel durch die Gegend getölpelt und ein verbaler Amoklauf sei nur durch einen offensichtlich vorsichtigeren Beraterstab verhindert worden. Je länger die Reise wärte, je weniger erschien in den Medien. Stanislaus hat dazu ein paar sehr interessante Zahlen aus den öffentlich-rechtlichen Anstalten vom Dienstag. Auch dem aufmerksamen Zeitungsleser wird aufgefallen sein, auf welchen Seiten diese durchaus heikle Reise zu finden war (irgendwo ab Seite 5) und wie sich die Artikel im Laufe der Woche immer mehr zu Dreizeilern entwickelten. Warum?
Ganz einfach: Der Verlauf der Reise und die Reaktionen der Gastgeber (bis auf einige offensichtlich durchgeknallte Persönlichkeiten) waren nicht so, wie sie auch von bestimmten Meinungsmachern außerhalb der Presses gerne gesehen worden wären. Ein Gast, der am Flughafen auf Latein willkommen geheißen wird, durch die Bank in Ehren und und mit Hochachtung behandelt wird, am Ende des interreligösen Treffens stimmt ein Rabbiner noch ein Friedenslied an, man faßt sich an den Händen und singt gemeinsam...
Tja warum wohl verschwindet diese Reise und ihre offensichtlichen Erfolge aus der Berichterstattung?
Es paßt nicht zur angelegten Schablone! Es passiert nicht das, was offensichtlich gerne gesehen worden wäre: ein Skandal, irgendeiner, egal, ob pro Israel / gegen Israel oder sonst was, ganz egal! Hauptsache der Papst wäre weiter ins Off zu schreiben gewesen!
Kein Futter für Nachrichtenmagazine, Zentralkomitees oder -räte!
Stattdessen Lob für seine Haltung wider allen Zeitgeist, wider alle Säkularisierung, es gibt Kritik an den Äußerungen des Zentralratesund das auch noch aus Israel...
Das geht an die Substanz des eigenen Weltbildes und der selbstgezimmerten Dogmen! Die vermeintlich p.c. Sinnstifter und Autoritäten geraten in die Kritik und zur Selbstkritik herausgefordert. Es ist auch ziemlich schwer, sich von seinen alten oder neuen Feindbildern, die man lieb gewonnen hat, die eigene Weltsicht stützen, das Selbstwertgefühl heben und auch die Welt überschaubarer halten, zu verabschieden.
Ich glaube nicht an Verschwörungstheorien über Atheisten, political correctness-Fanatiker und was es sonst noch so gibt. Ich kann mir aber sehr gut vorstellen, daß sich exklusive Skandalaufmacher besser verkaufen, als objektive und ausgewogene Artikel. Außerdem vertritt man ja die kritische Öffentlichkeit und macht keine Hofbericherstattung.
Lesenswert ist dazu auch der Kommentar auf der Zwischennetzpräsenz von "Die Presse". Ein Dank geht dafür an den immer aufmerksamen ad Tiliam!

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