Freitag, 3. April 2009

Kreuzwege

Eine zufällige Begegnung in den letzten Tagen.
Bei schönem Wetter und frühlingshaft guter Laune traf der Autor auf eine Gruppe älterer Frauen auf einem Feldweg. Die Leiterinnen erkannte man sofort an den gefalteten DIN A4 Kopien. Aus diesen wurde vorgelesen. Die participatio actuosa der restlichen Damen bestand aus Zuhören und Mitlaufen. Ein corpusfreies, heimgewerkeltes Kreuz aus "ikea-billy-Regal-Holz"-Resten in der Größe 30x40 cm wurde eher achtlos mitgetragen. An einer Kapelle trafen wir wieder zusammen. Die Damen strömten fröhlich schwatzend aus dem Hause des Herrn. Neugierig wie ich nun einmal bin, fragte ich ganz unbedarft eine der bezettelten Damen, was das denn für Gruppe sei und was sie denn so gerade gebetet hätten.
Es stellte sich heraus, daß hier eine Gruppe von vereinsorganisierten, katholischen Frauen gemeinsam einen "total tollen Kreuzweg" gegangen wären. In diesem Jahr wäre vom Bundesverband aber auch ein wunderschönes Thema ausgearbeitet worden: Wasser!
Wasser? Tränen, Schweiß, Blut und Wasser aus der geöffneten Seite, Essigschwamm, aber Wasser als wunderschönes Thema eines Kreuzweges? Sehr innovativ!

Und schon platzte es aus mir heraus:
"Ein Thema zum Kreuzweg? Ich dachte immer der Kreuzweg hätte 14 (15) Stationen und das Leiden und Sterben unserers Herrn und Heilandes betrachteten." Ich hatte meine Zunge nicht gehütet. Fehler!

Ja, also damit könne frau heute kaum noch hinter dem Ofen vorgelockt werden. Deswegen würden ja auch jedes Jahr diese wunderbaren Themen entwickelt, die näher an der Wirklichkeit von Frauen seien und in denen sie sich auch eher wiederfänden... und so weiter und so fort!
In mir tobte es. Mein Lächeln blieb während dieses Monologs irgendwie hängen, veränderte sich in seiner Intention aber deutlich, weg von einer unverbindlichen Freundlichkeit hin zu etwas Unfreundlichem. Mein schlichtes, traditionalistisches Gewissen schaltete sich - an allen Kontrollen vorbei - direkt zum Sprachzentrum durch und entließ folgenden Satz in die Freiheit:" Wenn ihnen als katholische Frauen das Thema Wasser so ans Herz gewachsen ist und so viel wichtiger ist, als das Leiden und Sterben unseres Herrn und Heilandes zu betrachten, dann haben sie sich ja für das Richtige entschieden, nicht wahr?" In das darauf folgende Schweigen, schob ich schnell ein paar Wünsche für eine besinnliche Karwoche und begab mich in das anliegende Lokal auf ein Fastenbier!

Kommentare:

ad Tiliam hat gesagt…

Das ist die Realität. Ich war letztens berufsbedingt bei einer Spätschicht (Insider kennen das noch). Dort wurde mir von den Landfrauen liebevoll um die Ohren gehauen, daß ich doch achtsam mit der Schöfung umgehen soll. In der Mitte des Stuhlkreises im Chorraum, Standen ein Globus und Kerzen, die während eines gaaanz tollen Textes von den Teilnehmern entzündet werden mußten.
Was mich wirklich wundert und in gewisser Weise beeindruckt ist, daß zu solchen Veranstaltungen noch Leute kommen. Sie erleben schon seit Jahrzehnten diesen Mist - und kommen treu wieder. Wer weiß: Vielleicht sehen sie das als Bußübung und Ersatz für die Ohrenbeichte...

Sarah hat gesagt…

Ich habe da letztens schonmal in einem anderen Blog etwas zu geschrieben. Es ist einfach peinlich Mitglied der kfd zu sein. Wirklich, ganz ehrlich. Ich werde das zum nächsten Jahr ändern.
Wir hatten heute morgen um 6.30 Frühschicht. Ich (Idiot) habe dafür die eucharistische Anbetung (unser Pfarrer lädt jeden ein morgens von 6. bis ca. 7.10 Uhr an seiner stillen Anbetung in einer anderen Kirche unseres "Vereins" teilzunehmen)frühzeitig verlassen. Na ja, jedenfalls saß man (Frau) im Halbkreis vor dem Altar. Ich wollte diesmal ganz unvoreingenommen sein, WIRKLICH !!!
Man wolle die Woche mit Franz von Assisi beginnen. Toll dachte ich, ein Vorbildlicher Heiliger, der das Evangelium inhaliert hat und seinen Weg der Nachfolge Christi und sein Kreuz erkannt und aufgenommen hat. Wird schon gut werden. Na ja, es wurde sch..... Man reduzierte den heiligen Franz auf den Sonnengesang, zeigte ein Bild der Schöpfung zu dem wir meditieren sollten. DANN kam das wo ich die ganze Zeit schon drauf gewartet habe, nach der Meditation sollten wir unsere eigenen Gedanken laut sagen. Die Gruppe kennend schoss mir direkt in den Kopf wer jetzt was sagen würde (es ist immer das gleiche, voll dramatisch und tragend - tragend ist mein neues Unwort für solche "Veranstaltungen") Ich habe gesagt entweder sagst du jetzt ehrlich was, du hälst den Mund oder du fängst an zu lachen. Egal, auch das habe ich überlebt. Kurzum Jesus kam nicht vor dafür war das ganze ganz schön tragend. Ich bekomme das Bild der unbefriedigten Frauen, die in der Nähe zum Altar ihre Ersatzbefriedigung suchen, einfach nicht los. GRAUSAM. Ich weiss auch nicht ob ich überhaupt noch etwas dazu sagen soll. Meine einzige Hoffnung sind die Jugendlichen mit denen ich ehrenamtlich zusammen arbeite, weil die geben sich soetwas nämlich nicht. Der Jugendkreuzweg war für eine Frau aus dem heutigen Kreis nicht zum aushalten (Wirklich), die Frage des Kreuzweges war übrigens "Was ist Wahrheit" und wo mache ich das Kreuz besonders schwer und wo bin ich nicht bereit das Kreuz zu tragen - Aber das ist für die Frauen eins der Abstrakta wie Glaube, Hoffnung, Liebe sehr wahrscheinlich!!!

Acolythus hat gesagt…

Liebe Sarah,
Danke für Deinen Kommentar. Ich mache immer wieder ähnliche Erfahrungen mit dieser Generation. Auch ad Tiliam geht es ja genauso. Mich erfüllt es immer wieder mit einer gewissen Ratlosigkeit und Verständnislosigkeit, wenn ich in solche Veranstaltungen gerate. Ist es eine Art Respekt vor den Vorbereitenden, die sich doch so viel Mühe gemacht haben? Ich weiß es nicht! Mir fallen dann immer zwei Sätze von Martin Mosebach ein:
1. "Der Jugendkult des 20. Jahrhunderts erfüllt sich in einem grausamen Fluch: Nicht das Altern ist aufgehoben, aber der alternde Mensch darf nicht reifen und muß bis ans Lebensende die längst erstorbenen Spiele seiner Jugend spielen." (Häresie der Formlosigkeit 76)
2. Mit der Jugendbewegung ist auch das Basteln in die Welt gekommen, das Basteln als weltanschauliche und geistig hochstehende Tätigkeit. Allen möglichen Abfall zusammenkleben, zusammenhämmern und das entstandene Sammelsurium mit Bedeutung aufzuladen, wurde zur Schamanentätigkeit des avancierten Künstlers." (ebd. 77)

Wir leben in einer kirchlichen Landschaft, die viel bastelt, aus Kopien vorliest, aber mit tiefer Frömmigkeit (eine ganz schlimme Wortkombination) aber auch nichts mehr zu tun hat. Gelebte Frömmigkeit, Interesse an den Quellen unserer Tradition und - noch viel schlimmer - liturgisches Feingefühl sind in vielen Gemeinden eher Grund für Isolation als Integration solcher Mitchristen, gerade auch von priesterlicher Seite!
Zum Glück wächst ein neues Verständnis bei der jüngeren Generation heran. Hier liegen wichtige Aufgaben im Sinne des Tradierens, vorbei an allen selbstgestrickten Themengottesdiensten. Sarah, halte durch! ;-)

Es gibt übrigens eine Gruppe von Frauen, die noch viel schlimmer und dabei noch gefährlich ist: die Gruppe der frustrierten, frauenbewegten 68er Jüngerinnen!

Sarah hat gesagt…

Ich hatte gedacht es konnte nicht schlimmer werden. Gestern morgen bin ich dann doch noch mal hin, weil ich mich mit einer Bekannten dazu verabredet hatte. Gestern- am Gründonnerstag - war man dann schon bei Mutter Erde angekommen. Meine Bekannte kam dann doch nicht, sie wusste wohl warum. Wir sollten dann heute alle mal in Erde fassen und fühlen wie sich das anfühlt. Kein Scherz. Wir wohnen in einer Gegend wo fast jeder ein eigenes Haus, also auch einen Garten hat. Ich habe mich geweigert in die Erde zu fassen und nur gedacht die spinnen wirklich. Es sind übrigens alles Spät 68er geleitet wird das ganze von einer dipl. Theologin, die jedesmal angerührt Tränen in den Augen hat, wenn sie davon spricht, das Frauen keine Priester werden können, die Älteren Damen sind bei uns der Mütterverein und die Stricken und Häkeln. Ich frage mich was besser ist!!! Es tut mir leid, ich glaube ich kann das ganze nicht mehr ganz so ernst nehmen, spätestens seit heute morgen und gesungen haben wir (AM GRUENDONNERSTAG: "die Erde ist schön". Kein Scherz. Na ja, ich werde jetzt noch ein paar Stunden beten und wachen und hoffen tue ich sowieso...

Acolythus hat gesagt…

Auweia!
Du hast mein volles Mitgefühl!
Es gibt röm.-kath. Kirchengemeinden, die in der Karwoche Freizeiten zur Katechese der Erstkommunionkinder veranstalten! Mich wundert langsam nichts mehr!