Montag, 23. Februar 2009

Die Beerdigung des Alleluia

Der Eintrag kommt ein wenig spät, aber in der ganzen Hatz der letzten Wochen kam manches etwas zu kurz. Auf der wunderbaren englischsprachigen Seite "The Lion and the Cardinal" fand ich einen mittelalterlichen Brauch beschrieben, der von den Scholaren der großen Domkirchen getragen wurde.
Am Samstag vor dem Sonntag Septuagesima (in diesem Jahr der 8. Februar) verabschiedete man sich auf feierliche Weise musikalisch vom Alleluia. In manchen Kirchen Frankreichs endeten diese Feierlichkeiten mit einer Beerdigung I. Klasse im Anschluß an die Non oder mit der Verbrennung einer Strohpuppe.
Für den einen oder anderen Leser mag es vielleicht ein zu recht untergegangener Mummenschanz sein. Was soll das auch? Eine Alleluia ist kein Lebewesen, kann nicht sterben und muss auch dementsprechend nicht beerdigt werden! Man könnte noch mehr einwenden, z. B. wie unangemessen der Gebrauch von Weihwasser, Weihrauch etc. bei einer solchen "Scheinveranstaltung" oder Persiflage ist. Das ist alles ganz gut beobachtet und wunderbar nüchtern nachaufklärerisch und liturgisch bewegt. Aber trifft das den Kern?
Mir sind ein paar andere Gedanken durch den Kopf gegangen.
Zunächst einmal scheint diese Zeit ein anderes Verhältnis zum Alleluia gehabt zu haben, ein offensichtlich inniges und liebevolles. Übergänge im Kirchenjahr wurden anders wahrgenommen und ausgestaltet.
Für mich ist das so wie Karneval oder Schützenfest: eigentlich braucht man das alles nicht, aber schön ist es trotzdem!
Wieviel anderes Brauchtum dieser Art früher wohl sonst existierten und dann im Laufe der Aufklärung und aller nachfolgenden pastoralen Bereinigungen von klugen Menschen abgeschafft wurde. Schade!

Keine Kommentare: